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04.05.2017

15:44 Uhr

Aluminium für die Autobranche

Wettstreit der Leichtgewichte

VonMartin Wocher

Autobauer setzen immer mehr auf Aluminium, um ihre Autos leichter zu machen. Der Alu-Riese Hydro baut nun die Fertigung in Deutschland aus. Doch die Stahlindustrie will der Konkurrenz das Feld nicht kampflos überlassen.

Der norwegische Konzern Hydro hat in Grevenbroich eine neue Produktionsstraße für Aluminium errichtet. AP

Hydro-Chef Svein Richard Brandtzaeg (Mitte) mit Angela Merkel und Erna Solberg

Der norwegische Konzern Hydro hat in Grevenbroich eine neue Produktionsstraße für Aluminium errichtet.

GrevenbroichDer Gastgeber war sich sicher, dass er den beiden Damen rechts und links an seiner Seite nicht zu viel zumutet. „Nehmen Sie ruhig den Zeigefinger“, riet Hydro-Vorstandchef Svein Richard Brandtzaeg Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihrer norwegischen Amtskollegin Erna Solberg – und schon baumelte der Rahmen einer Autotür an zwei Fingern der beiden Politikerinnen. Womit Brandtzaeg eindrucksvoll das demonstrieren konnte, was zuvor alle drei auf der Bühne im Hydro-Werk in Grevenbroich bei Neuss gepriesen hatten: Die Leichtigkeit von Aluminium.

Die soll noch stärker als bisher die Autokonzerne in die Lage versetzen, Fahrzeuge mit weniger Gewicht herzustellen – unabdingbar mit Blick auf den anstehenden Schwenk in Richtung Elektromobilität. Aber auch schon jetzt wird es dringend benötigt, um Modelle mit klassischem Verbrennungsmotor leichter zu machen und so Verbrauch und Ausstoß klimaschädlicher CO2-Emissionen zu drücken.

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Merkel und Solberg waren am Donnerstag an den Niederrhein gereist, wo Hydro eine neuen Produktionsstraße für Autobleche aus Aluminium einweihte. Der norwegische Konzern will mit der 130 Millionen Euro teuren Investition seine Kapazitäten glatt mal vervierfachen – von 50.000 auf künftig 200.000 Tonnen. Hydro, das rund um Neuss das größte und leistungsfähigste Aluminium-Netzwerk in Europa unterhält, steigt damit zur weltweiten Nummer zwei unter den Aluminiumlieferanten für die Autoindustrie auf – nach Weltmarktführer Novelis, einem indischen Konzern mit Hauptsitz in den USA.

„Die Automobilindustrie ist einer der wichtigsten Wachstumstreiber für die Aluminiumindustrie. Der Trend zum Leichtbau, insbesondere auch mit Blick auf die E-Mobilität, wird in den kommenden Jahrzehnten zu einer starken Zunahme der Nachfrage nach Aluminium führen“, ist sich Christian Wellner, Präsidiumsmitglied des Gesamtverbandes der Aluminiumindustrie, sicher.

Schon jetzt bestehen vor allem bei Premiummodellen von Mercedes, Audi oder BMW viele der großen Flächenteilen wie Motorhaube, Heckklappe oder Dach aus dem silberfarbenen Leichtmetall. Dessen unschlagbares Argument: Aluminium wiegt bei gleichem Volumen nur ein Drittel so viel wie einfacher Stahl. Die Geschäfte mit der Autobranche haben sich seit 2011 allein bei Hydro verdoppelt.

Vor allem Audi gehört mit seinen Premiummodellen wie dem A8 oder dem SUV Q7 zu den großen Kunden. Aber auch bei vielen anderen Autoherstellern wie BMW, Mercedes, Porsche oder Jaguar-Landrover verlässt kein Fahrzeug mehr das Band ohne verbaute Aluminiumteile.

Die meistgebauten Autos der Welt 2016

Platz 5

Platz fünf geht an den achtsizigen Kompakt-Van Wuling Hongguang aus China, der mit 847.000 produzierten Fahrzeugen im Jahr 2016 auch das meistgebaute Auto Asiens war.

Platz 4

Der koreanische Hersteller Hyundai fertige von Elantra im Jahr 2016 nicht weniger als 875.000 Einheiten. In Deutschland kennt man ihn kaum noch, da er hier bereits ab 2006 durch den i30 im Modellprogramm ersetzt wurde.

Platz 3

Es gibt sie noch, die Statistiken, in denen der VW Golf nicht auf Platz 1 steht. in 2016 gebaute 970.000 Einheiten reichen im globalen Vergleich nur für Bronze. Immerhin: Der Golf war meistgebautes Auto in Europa. In Wolfsburg liefen 2016 rund 650.000 Modelle vom Band. Die restlichen 320.000 Einheiten der Jahresproduktion wurden vor allem in China und Mexiko gefertigt.

Platz 2

Auf Rang zwei der weltweit meistgebauten Autos landet 2016 mit dem Toyota Corolla ein ganz klassischer Pkw. Mit 985.000 Einheiten lässt die Limousine die Kompaktklassen-Wettbewerber VW Golf (970.000 Einheiten) und Hyundai Elantra (875.000 Einheiten) hinter sich.

Platz 1

Der Sieger ist ein Pick-up: Die Ford F-Reihe war 2016 das meistgebaute Auto der Welt. Insgesamt verließen 1,012 Millionen Einheiten die Fließbänder im amerikanischen Dearborn, wie der Informationsdienstleister Inovev meldet. Der Pick-up ist seit 1978 das meistverkaufte Auto der USA, seit 1983 trägt er auch den Titel des meistverkauften Autos weltweit.

Der Bedarf der Autoindustrie an Aluminium hat sich in den letzten Jahrzehnten deutlich erhöht. Das betrifft fast alle Bereiche: Räder, Fahrwerk, Motor, Ausstattung und Karosserie. So hat sich Anteil des Leichtmetalls in Europa hergestellten Pkw zwischen 1978 und 2015 von 32 Kilogramm auf 160 Kilo erhöht. Allein im Karosseriebau verzehnfachte sich der Einsatz von 1998 bis heute von fünf Kilogramm auf 50 Kilo. Im neuen Range Rover sind schon heute Teile aus Aluminium von 350 Kilogramm verbaut.

Das Beratungsunternehmen McKinsey geht in einer Studie davon aus, dass die Autobranche bis zum Jahr 2030 ihren Verbrauch von derzeit rund fünf Millionen Tonnen auf dann 16,9 Millionen Tonnen Aluminium weltweit steigert. Das angenommene durchschnittliche Wachstum beträgt damit sechs Prozent pro Jahr. Im Materialmix werde die Bedeutung von Aluminium von fünf auf 12 Prozent pro Fahrzeug im Durchschnitt zulegen.

Kommentare (1)

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Herr Hans Henseler

04.05.2017, 17:12 Uhr

Aluminium ist gut, Carbon ist besser aber noch teuer. Die Komponenten wie Motor
und Batterien (!) muessen leichter werden, dann wird auch der Rahmen leichter.
Die immer groesser dimensionierten Raeder sollten auch ueberarbeitet werden,
vor allem auch weil diese einerseits eine ungefederte Masse darstellen und anderer-
seits als Schwungraeder dienen - erfordern mehr Kraft bei Beschleunigung und
verzoegern die Bremsen.

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