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11.03.2014

15:50 Uhr

Aluminiumbranche

EEG-Rabatte überlebenswichtig für Alu-Industrie

Für ihre Ökostrom-Rabatte erwartet die deutsche Aluminiumbranche grünes Licht: Aluminium gewinnt als leichter und recycelbarer Werkstoff besonders für die Automobilindustrie an Bedeutung.

Die Geschäftsaussichten für die Aluminiumbranche sind „äußerst positiv“. dpa

Die Geschäftsaussichten für die Aluminiumbranche sind „äußerst positiv“.

DüsseldorfDie deutsche Aluminiumbranche erwartet für ihre Ökostrom-Rabatte grünes Licht aus Brüssel. Nach den jüngsten Äußerungen von EU-Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia „sind wir guten Mutes, dass die Sonderreglung bleibt“, sagte Heinz-Peter Schlüter, Präsident des Branchenverbandes GDA und Aufsichtsratschef der Trimet Aluminium, am Dienstag in Düsseldorf. Andernfalls wäre es das Aus für den hiesigen Industriezweig, der mit rund 74.000 Mitarbeitern in mehr als 600 Unternehmen 12,9 Milliarden Euro umsetzt. „Wenn wir die Umlage in vollem Umfang bezahlen müssten, dann würden wir nicht leiden, sondern dann gäbe es uns nicht mehr.“

Schlüter bezifferte als Beispiel die Kosten der Essener Trimet für die EEG-Umlage derzeit mit jährlich zehn Millionen Euro. Müsste der Konzern die Umlage komplett bezahlen, wären etwa 250 Millionen Euro fällig. Die EU-Kommission hat ein Verfahren gegen Deutschland eingeleitet, weil sie in den Rabatten bei der Ökostrom-Umlage Beihilfen sieht. Dabei geht es um Vergünstigungen im Wert von rund fünf Milliarden Euro jährlich. Deutschland hat zwar ein Entgegenkommen bei der Höhe der Rabatte signalisiert, will sie jedoch im Kern erhalten. Almunia hatte im Februar erklärt, die Stahl- und Aluminiumbranche könnten für Rabatte infrage kommen.

Ausgewählte Firmen, die von der EEG-Umlage befreit sind

Allgemeines

Insgesamt 1716 Unternehmen sind im Jahr 2013 von der EEG-Umlage ausgenommen. Das enspricht einer begünstigen Strommenge von 95 Terawattstunden – das sind etwa 16 Prozent des jährlichen Stromverbrauchs in Deutschland. Alleine 2013 blieben den Firmen rund vier Milliarden Euro an Kosten erspart.
Befreit werden können Unternehmen, die mindestens eine Gigawattastunde Strom im Jahr verbrauchen und deren Stromkostenanteil mehr als 14 Prozent beträgt.

Ausblick

Für 2014 haben 2379 Unternehmen eine Befreiung von der EEG-Umlage beantragt. Das entspricht dem zuständigen Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) zufolge fast 120 Terawattstunden oder 20 Prozent des jährlichen Stromverbrauchs in Deutschland. Allerdings werden etliche Anträge auch abgelehnt.

allfein Feinkost

Der Geflügelverarbeiter gehört zur PHW-Gruppe, dem größten Geflügelzüchter und -verarbeiter Deutschlands. Dort wird unter anderem für Aldi produziert. Drei allfein-Standorte in Lohne, Dannenberg (beide Niedersachsen) und Zerbst (Sachsen-Anhalt) sind von der EEG-Umlage ausgenommen.

Aurubis

Extrem viel Strom wird in der Metallherstellung benötigt. Der Kupferproduzent Aurubis beziffert die Entlastung durch die Befreiung in den vergangenen drei Jahren auf 102 Millionen Euro.

BASF

Zu den energieintensiven Unternehmen in Deutschland zählen viele Chemiebetriebe. Der Ludwigshafener Chemiekonzern BASF hat berechnet, dass ein Ende der EEG-Umlagebefreiung allein im Stammwerk jährliche Mehrkosten von mehr als 300 Millionen Euro bedeuten würde.

Bogestra – Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen

Ein Kompromiss mit der EU könnte sich darin andeuten, dass die Befreiung für Unternehmen ausgesetzt wird, die nicht im internationalen Wettbewerb stehen. Dazu zählen etwa Straßenbahnunternehmen – insgesamt 53 sind in Deutschland befreit. Die volle EEG-Umlage zahlen zu müssen würde die Bogestra jährlich 1,28 Millionen Euro kosten.

Lanxess

Der Kautschuk-Hersteller hat in den vergangenen drei Jahren mehr als 100 Millionen Euro gespart durch die EEG-Befreiung. Eine diskutierte mögliche Nachzahlung dürfte das Unternehmen in die Verlustzone drücken.

Storck

Ein Werk des Süßwarenherstellers („Merci“, „Toffifee“ etc.) in Berlin ist von der EEG-Umlage ausgenommen.

Vion

Die Betriebe des Schweineschlachters Vion sind zum großen Teil von der EEG-Umlage befreit. Die Stromkosten müssen mindestens 14 Prozent der Bruttowertschöpfung des Unternehmens ausmachen, um in Frage zu kommen. Gegen Vion wurde etwa in der ZDF-Sendung Frontal der Vorwurf erhoben, durch den Einsatz von Werkverträgen statt Festangestellten unter diese Schwelle zu kommen.

Schwarzwald-Sprudel

Nicht nur Industrieunternehmen sind befreit, auch Lebensmittelbetriebe. Schwarzwald Sprudel gehört der Supermarktkette Edeka.

Die Geschäftsaussichten für die Branche schätzten Schlüter und GDA-Geschäftsführer Christian Wellner als „äußerst positiv“ ein. Die Werke seien gut ausgelastet. So gewinne Aluminium als leichter und recycelbarer Werkstoff etwa für die Automobilindustrie an Bedeutung. „Daher erwarten wir im Jahr 2014 ein neues Allzeithoch bei der deutschen Produktion“, sagte Wellner. 2013 produzierten die Aluminiumhütten 492.400 Tonnen und damit 20 Prozent mehr als im Jahr zuvor.

Von

rtr

Kommentare (5)

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Account gelöscht!

11.03.2014, 17:06 Uhr

Mich erinnert die Übersubventionierung hier an die vordem gleichermaßen zu lasten der Bürger gegangene Steinkohleförderung. Damals hätte man jeden noch Beschäftigten mit 5000,00 DM pro Monat in sofortige Rente schicken können und es wäre immer noch billiger gewesen.
Ach ja, die Konzernspitze hätte dabei natürlich schlechter ausgesehen als beim tatsächlichen Deal.
Angesichts der Carbonkarrossen scheint mir zudem die Automoilnützlichkeit des Beitrags doch eher mit der Brille von Vorgestern betrachtet.

Account gelöscht!

11.03.2014, 19:54 Uhr

Die EEG-Umlage muß von ALLEN geschultert werden (Ausnahmen darf es keine geben), besser ist jedoch für alle Beteiligten, diese Mißgeburt sofort abzuschaffen (wenigstens auszusetzen).

Den grünen sendungsgetriebenen Gutmenschen haben wir die Explosion der Strompreise zu verdanken und jetzt hat die GROKO (bei sprudelnden Einnahmen) nicht den Mut, diesen Wahnsinn zu beenden (der Strompreis an der Börse fällt permanent, trotzdem steigt der EEG-Anteil, totaler Unfug).

Diese mehr als verfehlte Politik treibt die Geringverdiener noch mehr in die Armutsfalle.

Account gelöscht!

12.03.2014, 10:41 Uhr

Gibt es Länder in denen der Strom fast kostenlos ist?;
mit hervorragender Infrastruktur, Facharbeiter, Logistik,
Arbeitsdiziplin usw. alles geboten wird?
Dahin sollen dann die hoch subventionierten Unternehmen doch gehen. Die gibt es nicht oder glauben einige Politiker die Firmen blieben in Deutschland war wir alle soooo nett sind!
Für wie dumm werden denn die Bürger gehalten.

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