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21.03.2017

19:19 Uhr

Arcelor-Mittal und Co.

Die Stahlhütten feiern ein Comeback

VonMartin Wocher

Nach einem tiefen Tal der Tränen läuft es bei den Stahlkonzernen wieder rund. Die Nachfrage aus der Autoindustrie und der Bauwirtschaft ist hoch, die Preise erholen sich. Schon tauchen die ersten Lieferengpässe auf.

Die Stahlhütten sind derzeit hoch ausgelastet. Reuters, Sascha Rheker

Stahlwerk von Arcelor-Mittal

Die Stahlhütten sind derzeit hoch ausgelastet.

DüsseldorfWie schnell sich doch die Vorzeichen ändern: Vor einem Jahr noch sah sich die europäische Stahlindustrie kurz vor dem Abgrund stehen. Die Importoffensive der Konkurrenz aus China drückte die Preise ins Bodenlose, kaum eine Stahlhütte schrieb schwarze Zahlen. Doch binnen weniger Monate hat sich die Situation komplett gedreht: Anti-Dumping-Verfahren der EU-Kommission halten die Billig-Einfuhren aus Asien im Zaum, die gut laufende Konjunktur vor allem in der Auto- und Bauindustrie als größte Kundengruppen sorgen für eine hohe Auslastung der Hütten.

Die liegt mit rund 90 Prozent bei den deutschen Stahlproduzenten inzwischen an der Grenze des technisch Machbaren. Ein Rückschlag ist derzeit kaum in Sicht. „Wir bleiben optimistisch, was die weitere Erholung der Stahlnachfrage in Europa und Deutschland betrifft“, sagte denn auch am Dienstag Frank Schulz, Deutschland-Chef des weltgrößten Stahlproduzenten Arcelor-Mittal.

Thyssen-Krupp: Hiesinger soll Plan B zur Stahlfusion prüfen

Thyssen-Krupp

Hiesinger soll Plan B zur Stahlfusion prüfen

Die Verhandlungen von Thyssen-Krupp mit Tata über eine Zusammenlegung des europäischen Stahlgeschäfts stocken. Laut einem Bericht soll Konzernchef Heinrich Hiesinger nun einen Börsengang der Sparte durchspielen.

So hat der europäische Branchenverband Eurofer inzwischen seine Prognosen leicht nach oben korrigiert: Für die europäische Stahlindustrie wird im laufenden Jahr ein Plus von einem Prozent erwartet, 2018 sollen es 1,5 Prozent sein. Die deutschen Hersteller können sich dank der gut laufenden Binnenkonjunktur sogar Hoffnung auf einen Schlag obendrauf machen.

Inzwischen tauchen in einigen Nischenbereichen schon Lieferengpässe auf: Kunden müssen bei bestimmten Sorten feuerverzinkter Stähle länger warten und auch höhere Preise akzeptieren. „Es gibt temporäre Engpässe“, räumte auch Schulz ein, „das ist aber kein strukturelles Problem.“ Schon immer sei das zweite Quartal das umsatzstärkte der Branche mit vielen Arbeitszeiten und hoher Nachfrage, da könne es schon mal zu Lieferproblemen kommen.

Die größten Stahlhersteller der Welt

Platz 1: Arcelor-Mittal

Der mit Abstand größte Stahlproduzent der Welt ist Arcelor-Mittal. Der Konzern mit europäischen und indischen Wurzeln stellte 2015 gut 97 Millionen Tonnen Stahl her.

Quelle: World Steel Association

Platz 2: Hesteel Group

Der zweitgrößte Hersteller kommt aus China: Die Hebei Iron and Steel Group stellte 2015 rund 47,8 Millionen Tonnen Stahl her. Auch dieser Konzern ging aus einer Fusion hervor, die Unternehmen Tangsteel und Hansteel schlossen sich 2008 zusammen.

Platz 3: Nippon Steel & Sumitomo Metal

Auf Platz drei abgerutscht ist der japanische Konzern Nippon Steel & Sumitomo Metal. Die beiden japanischen Hersteller hatten sich im Oktober 2012 zusammengeschlossen und kamen 2015 zusammen auf ein Produktionsvolumen von 46,3 Millionen Tonnen Stahl, knapp 3 Millionen weniger als im Vorjahr.

Platz 4: Posco

Mit einer Produktion von rund 42 Millionen Tonnen Stahl ist Posco der viertgrößte Hersteller. Das Unternehmen ist der größte südkoreanische Anbieter und macht viele Geschäfte mit China.

Platz 5: Baosteel Group

Auf Platz fünf folgt ein weiterer chinesischer Konzern: Baosteel Group. Das Unternehmen mit Sitz in Shanghai produzierte knapp 35 Millionen Tonnen Stahl. Schlagzeilen machte der Hersteller im Jahr 2000 mit seinem Börsengang, der damals in China Rekorde brach.

Platz 16: Thyssen-Krupp

Im Vergleich zu Arcelor-Mittal, Hesteel & Co. ist Thyssen-Krupp ein Leichtgewicht. 2015 ging es für den größten deutschen Stahlproduzent mit einer Produktion von 17,3 Millionen Tonnen aber immerhin drei Plätze hinauf auf Rang 16. Ähnlich viel produziert der Konkurrent Gerdau aus Brasilien (17 Millionen Tonnen).

Zumal wichtige Abnehmerbranchen ihre in den vergangenen Jahren stark abgebauten Lagerbestände wieder auffüllen und für zusätzliche Bestellungen sorgten. Wichtige Kunden wie die Stahlverarbeiter klagen inzwischen über einen „Stahlpreis-Schock“. Vor allem Mittelständler sehen sich durch den Kostenschub bedroht.

Die Stahlbranche sieht das naturgemäß ganz anders und verweist auf die nach wie vor niedrigen Margen. Zwar seien die Preise für viele Stahlsorten durchaus zweistellig in den vergangenen Monaten gestiegen – darin eingerechnet sind aber auch die gestiegenen Aufwendungen für Rohstoffe wie Kokskohle oder Eisenerz. „Wir haben bei der Marge zwar zugelegt, wir kommen aber auch von einem sehr niedrigen Niveau“, sagte Schulz. Das reiche nicht aus, um Investitionen zu bezahlen, Abschreibungen vorzunehmen und Schulden zu begleichen. „Davon ist die Stahlindustrie noch weit entfernt.“

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