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29.11.2013

01:48 Uhr

Archer Daniels Midland

Australien stoppt Übernahmepläne von US-Agrarriese

VonUrs Wälterlin

Eigentlich stand der Milliardenübernahme nichts mehr im Wege. Doch in einer überraschenden Wendung verbietet die neue australische Regierung den Kauf eines heimischen Getreideherstellers durch einen US-Riesen.

Archer Daniels Midland: Die neue australische Regierung macht dem Agrargiganten einen Strich durch die Rechnung. ap

Archer Daniels Midland: Die neue australische Regierung macht dem Agrargiganten einen Strich durch die Rechnung.

SydneyDer australische Schatzkanzler Joe Hockey hat am Freitag ein Übernahmeangebot des amerikanischen Nahrungsmittelgiganten Acher-Daniels-Midland (ADM) für den Getreidekonzern GrainCorp Limited zurückgewiesen.

Wie Hockey in einer Stellungnahme meinte, liege ein Verkauf eines der größten Agrarkonzerne Australiens „nicht im Interesse des Landes“. ADM hatte das Angebot mehrfach erhöht und zum Schluss 3,4 Milliarden australische Dollar (2,2 Milliarden Euro) für den bedeutenden Getreidehändler geboten. Der Aufsichtstrat von GrainCorp hatte der Übernahme zugestimmt, und auch die Wettbewerbsbehörde hatte grünes Licht gegeben.

Wie Hockey meinte, sei sich die Fremdinvestitionsbehörde FIRB „gespalten“ gewesen, ob sie der Übernahme zustimmen solle. Traditionell hat der Schatzkanzler das letzte Sagen, stützt sich in der Regel aber auf die Empfehlung von FIRB. Überraschend kommt der Entscheid nicht. Beobachter meinten am Freitag, Hockey habe sich den Forderungen der mächtigen Agrarlobby gebeugt. Die der Landwirtschaft eng verbundene National Party ist der Koalitionspartner der regierenden Liberalen Partei. Mitglieder der National Party hatten sich in den vergangenen Monaten in der Öffentlichkeit vehement gegen einen Verkauf von GrainCorp an ausländische Interessen ausgesprochen. Einzelne Kommentatoren hatten gar gemeint, es könne in der Regierung zu einer Spaltung kommen, sollte Hockey der Übernahme zustimmen.

ADM zeigte sich in einer ersten Stellungnahme „enttäuscht“. Das amerikanische Unternehmen will seinen Anteil von 19,8 Prozent an GrainCorp trotzdem behalten und mit den Australiern zusammenarbeiten, „um die Rendite für beide Unternehmen zu verbessern“, so ADM in einer Stellungnahme.

Hockey meinte, von mehr als 130 Anträgen für die Übernahme australischer Firmen durch ausländische Investoren sei dies der einzige, den er abgelehnt habe. Die Frage stellt sich nun, wie er in anderen Fällen entscheiden wird, die in der Öffentlichkeit auf große Opposition stoßen. So will die chinesische Muttergesellschaft der Kohlefirma Yancoal einige Minderheitsbeteiligungen aufkaufen. Ein Investmentarm der chinesischen Regierung möchte zudem einen wesentlichen Teil der von Singapore Power gehaltenen Anteile an verschiedenen australischen Gas- und Elektrizitätswerken übernehmen

GrainCorp betreibt sieben der acht ostaustralischen Häfen, von denen aus Getreide exportiert wird. Die Firma transportiert 75 Prozent des an der Ostküste des Kontinents produzierten Getreides und exportiert 90 Prozent. GrainCorp ist auch Herstellerin von 40 Prozent des in Australien hergestellten Pflanzlichen Öle, und kontrolliert 35 Prozent des Malz-Marktes in Australien. Dir Firma beliefert Brauereien und Distillerien auf der ganzen Welt. 2011 hatte GrainCorp die deutsche GermanMalt GmbH übernommen.

ADM dürfte vor allem im Getreidemarkt deutliche Wachstumsschancen gesehen haben. Schätzungen zufolge wird als Folge der Zunahme der Weltbevölkerung die Nachfrage nach Getreide bis 2050 um 50 Prozent ansteigen. GrainCorp war 1917 als Staatsbetrieb gegründet worden, um den Transport von Getreide auf dem Bahnweg zu garantieren. 1992 wurde die Firma privatisiert, seit 1998 werden GrainCorp an der australischen Börse gehandelt.

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