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10.09.2015

08:05 Uhr

Atomkraftwerke bleiben bei Eon

Nicht schön, aber vernünftig

VonJürgen Flauger

Schon wieder muss Eon-Chef Johannes Teyssen seine Strategie anpassen – dieses mal aber nicht freiwillig. Die Atomkraftwerke bleiben im Konzern. Die Politik lässt ihm keine andere Wahl. Ein Kommentar.

Strategiewechsel bei Eon

Rolle rückwärts: Atomkraftwerke bleiben im Konzern

Strategiewechsel bei Eon: Rolle rückwärts: Atomkraftwerke bleiben im Konzern

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Eons neue Strategie ist noch nicht umgesetzt, der Konzern noch nicht aufgespalten, da wird sie schon verwässert. Der Energiekonzern wird sich nun doch selbst um die Abwicklung der Atomkraft kümmern – sie werden nicht wie die Kohle- und Gaskraftwerke in Uniper abgespalten. Das ist keine schöne, aber letztlich eine unumgängliche Entscheidung. Und sie zeigt, dass das Wohl und Wehe der deutschen Energiekonzerne in dieser kritischen Phase an der Politik hängt – und gemeinsam nach einer Lösung gesucht werden muss.

Natürlich war schon die Aufspaltung eine Reaktion auf die politischen Rahmenbedingungen. Eon-Chef Johannes Teyssen reagierte auf den Zerfall des bisherigen Geschäftsmodells, dem Betrieb der großen Kraftwerke, durch die Energiewende. Die Eon SE sollte sich auf das Geschäft mit der Energiewende konzentrieren, Uniper auf die alte Energiewelt, vor allem die konventionelle Stromerzeugung.

Jürgen Flauger ist Redakteur im Ressort Unternehmen & Märkte. Frank Beer für Handelsblatt

Der Autor

Jürgen Flauger ist Redakteur im Ressort Unternehmen & Märkte.

Jetzt wird Teyssen aber regelrecht zur Anpassung getrieben. Die Politik wollte verhindern, dass Eon die Verantwortung für den Atomausstieg abgibt und hat einen Gesetzentwurf vorgelegt, der die Haftung für die Folgeschäden faktisch unbegrenzt bei den Unternehmen lässt – auch wenn sie die Atomsparten abspalten.

Damit wäre die klare Fokussierung, die Teyssen geplant hatte, ohnehin nicht zu realisieren gewesen. Jetzt belässt er die Verantwortung und die Rückstellungen lieber direkt in der Eon SE. Das ist optisch nicht schön. Natürlich war ein klarer Schnitt leichter zu verkaufen – und sollte Aufbruchsstimmung erzeugen. Tatsächlich ändert sich aber nichts daran, dass die Eon SE nur noch das Zukunftsgeschäft voran treibt. Die Atomkraft hat keine strategische Bedeutung mehr. Sie wird schlicht abgewickelt. Die dafür vorgesehen Rückstellungen werden auch nicht verschoben.

Energiekonzerne im Umbruch

Zwei Wege, ein Ziel

Der Strom- und Gasversorger Eon, der einst seine Stärke aus Kohle, Gas und Atomkraft bezog, mutiert nach seinem eigenen Bestreben zu einem lupenreinen „grünen Versorger“. Und verheißen die Pläne zur Abspaltung des konventionellen Kraftwerksgeschäfts in den Eon-Mutanten Uniper einen Ausweg aus der Krise? Oder führt am Ende doch der Weg, den die Essener Konkurrenten RWE einschlagen wollen, indem sie den Konzern radikal vereinfachen und mehr Macht in der Zentrale konzentrieren, am schnellsten raus aus der Krise?

Was ist der Grund für die Zerschlagung von Eon?

Der Branchenprimus auf dem deutschen Strom- und Gasmarkt war wie alle großen Mitspieler durch die Energiewende in die Bredouille geraten. Zuvor waren Eon & Co durch die Ausweitung des Wettbewerbs auf den Märkten bereits Macht genommen worden. Unter anderem trennten sie sich von den Höchstspannungsnetzen. Mit der Entscheidung zum Ausstieg aus der Atomenergie aber erfolgte der entscheidende Schnitt – das Ende für die herkömmlichen Kohle- und Atomriesen war eingeläutet. Strom aus Wind und Sonne erhielt Vorfahrt.

Was erhofft sich Eon von der Abspaltung?

Jahrelang hatte der Konzern enorme Gewinne aus dem Strom- und Gasgeschäft gescheffelt und Aktionäre mit steigenden Dividenden verwöhnt. Das ist seit ein paar Jahren vorbei. Dabei steht der Konzern unter einem hohen Druck durch die Kapitalmärkte. Durch die Abtrennung erhofft sich die neue Eon, die sich künftig ganz auf Ökostrom, Energienetze und Kundenlösungen konzentriert, Rückenwind: Das Unternehmen ist frei von Altlasten - nur noch der Name erinnert an seine Herkunft.

Warum entschied sich RWE gegen die Aufspaltung?

Bei dem Konkurrenten aus Essen sind die Eigentümerverhältnisse anders gelagert. Während Eon eine börsennotierte Publikumsgesellschaft mit zahlreichen Anlegern ist, haben bei RWE die Kommunen noch ein entscheidendes Wörtchen mitzureden. Auch die waren jahrelang durch üppige Dividenden verwöhnt worden. Eine Zerschlagung des Konzerns in zwei Teile wäre vor dem Hintergrund kaum durchsetzbar gewesen. RWE-Chef Peter Terium bezeichnete einen solchen Schritt auch als nicht „wünschenswert“. Hinzu kommt, dass bei RWE das Geschäft mit regenerativen Energien noch nicht so weit entwickelt ist wie bei Eon.

Was bedeutet die Abspaltung bei Eon für die Atomrückstellungen?

Darüber ist in den vergangenen Monaten viel berichtet und spekuliert worden. Eon-Chef Johannes Teyssen nannte diese Rückstellungen, die für den Rückbau der Atomanlagen vorgesehen sind und in der Eon-Bilanz 2014 eine Summe von mehr als 16 Milliarden Euro ausmachten, bei der Vorlage der Halbjahreszahlen als „sicher“. Die Summe wird vollständig Uniper zugeschlagen. Und Teyssen beteuert, dass das Unternehmen seinen Verpflichtungen voll und ganz nachkommen werde. Kritik kommt von Tobias Riedl von der Umweltschutzorganisation Greenpeace: „Die geplante Aufspaltung von Eon in eine „Good“ und eine „Bad Bank“ ist der dreiste Versuch des Konzerns, sich der Haftung für den selbst produzierten Atommüll zu entziehen.“ Eon strebe an, dass künftige Milliardenkosten für die Entsorgung des verstrahlten Abfalls möglichst die Bürger tragen sollten, sagt Riedl.

Welche Perspektiven hat Uniper?

Auf dem deutschen Strom- und Gasmarkt wird es Uniper schwer haben. Auch wenn Eon den Bereich heute als einen für Jahrzehnte wichtigen Baustein beim Umbau des Energiesystems sieht - nämlich durch seine absichernde Funktion für die erneuerbaren Energien - wird das Unternehmen nach Ansicht von Branchenbeobachtern noch lange an seinem Image als Auslaufmodell zu tragen haben.

Welche Lichtblicke sind beim Umbau der Konzerne zu erkennen?

Mit dem massiven Ausbau der Erzeugung von Windkraft und Solarenergien und dem Anschluss der Parks an die Stromnetze ernten die Unternehmen allmählich die ersten Früchte ihrer Investitionen. Mittlerweile ist Eon an 10 Windparks auf See in Europa beteiligt und kommt weltweit auf eine Kapazität von 4000 Megawatt. Der Anteil der erneuerbaren Energien an der gesamten Stromerzeugung liegt derzeit bei rund 14 Prozent, bei RWE sind es mit 5 Prozent deutlich weniger.

Quelle: dpa

Teyssen wird sich jetzt um so engagierter um eine endgültige Lösung der Atomfrage kümmern müssen. Er kämpft schon lange für die Idee einer Atomstiftung, die den Rückbau und die Entsorgung geregelt organisiert. Für Eon wäre das eine elegante Lösung, die die Kräfte endgültig freisetzen würde.

Aber auch die Bundesregierung sollte offen darüber nachdenken. Zum einen wäre so der Atomausstieg wirklich gegen eine Pleite der Energiekonzerne gesichert. Zum anderen muss auch sie ein Interesse an einer neuen Zukunft der angeschlagenen Energieriesen haben.

Rückblick auf angekündigten Strategiewechsel

2014 wollte Eon das Geschäft mit Kraftwerken abspalten

Rückblick auf angekündigten Strategiewechsel: 2014 wollte Eon das Geschäft mit Kraftwerken abspalten

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