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05.12.2012

06:29 Uhr

Atomreaktor wird Milliardengrab

EDF legt Hollande strahlendes Kuckucksei ins Nest

VonThomas Hanke

Der Atomreaktor Flamanville wird zum Milliardengrab für EDF. Der Meiler ist bereits unrentabel, bevor er ans Netz geht. Das kostet nicht nur den Energieversorger Geld, sondern ist auch für Präsident Hollande unangenehm.

Begehung in Flamanville: Der Meiler wird für EDF zum Milliardengrab. AFP

Begehung in Flamanville: Der Meiler wird für EDF zum Milliardengrab.

ParisBessere Bedingungen für den Bau eines neuen Atommeilers als in Frankreich kann man sich eigentlich gar nicht vorstellen: Staatspräsident und Regierung stützen das Projekt, die Bevölkerung protestiert nicht, die Gewerkschaften stehen voll hinter der Atomkraft und die Technik kommt aus dem eigenen Land. Frankreichs Stromversorger EDF hatte eine Riesenchance, mit dem Neubau in Flamanville an der Kanalküste die Leistungsfähigkeit der Nukleartechnologie zu beweisen und allen Atommuffeln eine Nase zu drehen.

Und dann das. Die Kosten des EPR, eines verbesserten Druckwasserreaktors, wurden bei Baubeginn 2005 mit 3,3 Milliarden Euro angegeben. Mittlerweile haben sie sich fast verdreifacht. 8,5 Milliarden Euro müssten nun veranschlagt werden, gab der weitgehend staatliche Konzern am Montag nach Börsenschluss bekannt.

Das sind die größten Energieversorger der Welt

Platz 10

Die Rangliste der größten Energieunternehmen der Welt eröffnet Kansai Electric Power. Der japanische Versorger kam 2011 auf einen Umsatz von 33,3 Milliarden Dollar.

Platz 9

Mit 39,3 Milliarden Dollar Umsatz liegt der südkoreanische Versorger Korea Electric Power (Kepco) auf dem neunten Rang.

Platz 8

Iberdrola landet auf dem achten Platz. Der spanische Versorger erwirtschaftete 2011 Erlöse in Höhe von 41 Milliarden Dollar.

Platz 7

Der britische Versorger SSE (Scottish and Southern Energy) landet auf Rang sieben der Rangliste. Umsatz 2011: 45,4 Milliarden Dollar.

Platz 6

Der erste deutsche Energiekonzern findet sich auf Platz sechs wieder. RWE erwirtschaftete im Jahr 2011 Erlöse von 63,7 Milliarden Dollar.

Platz 5

64,6 Milliarden Dollar erwirtschaftete Tokyo Electric Power im Jahr 2011. Besser bekannt ist das Unternehmen unter der Abkürzung Tepco. Nach der Katastrophe am Atomkraftwerk von Fukushima ist Tepco inzwischen mehrheitlich im Besitz des japanischen Staates.

Platz 4

Électricité de France (EDF) schrammt knapp am Treppchen vorbei. Die Franzosen kommen mit einem Umsatz 2011 von 84,6 Milliarden Dollar auf Platz vier.

Platz 3

Der größte italienische Energiekonzern ist weltweit die Nummer drei. Enel machte 2011 einen Umsatz von 103,2 Milliarden Dollar.

Platz 2

Der französische Versorger GDF Suez findet sich auf Rang zwei der Rangliste. Im Jahr 2011 erwirtschaftete GDF Suez Erlöse in Höhe von 117,5 Milliarden Dollar.

Platz 1

Der deutsche Branchenprimus ist auch weltweit die Nummer eins. Eon kam im Jahr 2011 auf einen Umsatz von 157,3 Milliarden Dollar - das reicht für die Spitzenposition.

Am Dienstag folgte der nächste Schlag: Die italienische Enel zieht sich aus Flamanville zurück. Folge für EDF: Das Unternehmen muss den Italienern gut 610 Millionen Euro zahlen, damit wurde die Beteiligung bewertet.

Für EDF wäre es inzwischen eigentlich besser, der Meiler ginge nie ans Netz, denn er wird eine strahlende Verlustmaschine sein. Mit jeder Kilowattstunde Strom, die Flamanville erzeugt, verliert EDF Geld. Die Erzeugungskosten werden von Greenpeace auf zehn Cent pro Kilowattstunde geschätzt, das wäre noch deutlich teurer als Windstrom und rund das Doppelte des Preises an der Strombörse.

EDF selber dementiert nicht, dass der EPR inzwischen unrentabel ist: „Wir haben nie die Rentabilität des Atomstroms anhand eines einzelnen Kraftwerks berechnet, erst recht nicht, wenn es um das erste Exemplar einer Serie geht wie beim EPR“, sagte der zuständige EDF-Manager Hervé Machenaud. Auch das ist eine Art, zuzugeben, dass die Anlage Geld verbrennen wird.

Kommentare (61)

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so-isses

05.12.2012, 06:39 Uhr

egal ob der Meiler ein milliarden Grab wird oder nicht, die Franzosen werden trotzdem die elektrische Energie fuer die haelfte des deutschen Verbrauchers bekommen.
Der Standort Deutschland wird durch hohe Energiekosten immer unguenstiger. Entweder der deutsche Arbeitnehmer macht ein paar Lohnabstriche oder die Unternehmen wandern ab.
Aber die Gruenen wuenschen sich doch den deutschen Arbeiter und Bauernstaat!

kfvk

05.12.2012, 07:49 Uhr

Das hat der deutsche Staat weitgehend in der Hand: wie bei so Vielem gilt auch hier: Steuern und Abgaben ...
Nur auf die kann unser Staat schwerlich verzichten, schmeißt er doch, was er links einnimmt, rechts in hohem Bogen für unsinnige bzw. schlecht geplante Projekte hinaus (Flughafen Berlin, Stuttgart Hbf., Opernhaus Hamburg usw.).
Aber wie heißt es doch so schön: Geben ist seliger als nehmen. Und dann machen wir das doch gerne, genau wie die Politiker, die auch gerne geben dazu aber leider erst nehmen müssen ...

uranus235

05.12.2012, 07:56 Uhr

...kurze Hintergrundinformation...
Die Reaktoren Flamanville in Frankreich und Olkiluoto3 in Finnland wurden nahezu zeitgleich beauftragt. Während der Angebotsphasen gab es in Finnland neben AREVA weitere Anbieter, in Frakreich natürlich nicht. Die "First-of-a-kind" Kosten - der EPR wird erstmals gebaut - dürften demnach, aus nachvollziehbaren Gründen, weitgehend dem Projekt in Frankreich zugeschlagen worden sein. Insofern beinhalten die Baukosten in Flamanville wohl auch wesentliche Anteile der Entwicklungskosten.
Und die Frage welche Form der Energieerzeugung die günstigste ist kann wohl ebenso wie die Dauer der Amortisationszeit des EPR erst in der Zukunft entschieden werden...

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