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09.09.2015

15:47 Uhr

Aufatmen bei RWE

Niederlande genehmigen umstrittenes Kohlekraftwerk

Erleichterung bei RWE: Der Energieversorger muss bei einem umstrittenen Kohlekraftwerk in den Niederlanden nicht nachbessern. Der Staatsrat wies die Einwände zahlreicher Naturschützer zurück. Das Urteil ist endgültig.

RWE hat den Streit um ein Kohlekraftwerk in den Niederlanden gewonnen. Alle Umweltauflagen seien erfüllt, befand der niederländische Staatsrat. dpa

Erfolg für Energiekonzern

RWE hat den Streit um ein Kohlekraftwerk in den Niederlanden gewonnen. Alle Umweltauflagen seien erfüllt, befand der niederländische Staatsrat.

Amsterdam/DüsseldorfNach den Rückschlägen der vergangenen Wochen kann der Energiekonzern RWE bei einem umstrittenen Kohlekraftwerk in den Niederlanden einen Erfolg verbuchen. Der niederländische Staatsrat erklärte am Mittwoch, dass die Einwände gegen die naturschutzrechtlichen Genehmigungen des Kraftwerks Eemshaven bei Groningen unbegründet seien. Damit sei der Fall geklärt.

Umweltschutzorganisationen wie Greenpeace, aber auch deutsche Nachbargemeinden hatten wegen der Schadstoffemissionen gegen die Anlage im Nordosten der Niederlande protestiert. Diese hat den Konzern nach eigenen Angaben rund drei Milliarden Euro gekostet.

Das Urteil sei endgültig, erklärte der Staatsrat, der das oberste Verwaltungsgericht der Niederlande ist. 2011 war eine frühere Genehmigung aufgehoben worden. RWE hatte anschließend zusätzliche Auflagen erfüllen müssen. Die beiden Blöcke waren Mitte dieses Jahres in kommerziellen Betrieb gegangen. Sie sollen über zwei Millionen Haushalte mit Strom versorgen.

„Wir sind zufrieden und erleichtert“, sagte ein Sprecher von RWE. Der Staatsrat habe dem Konzern und den Behörden bestätigt, die Anforderungen erfüllt zu haben. Es handele sich um eines der modernsten Kohlekraftwerk der Welt, das sich auch flexibel mit der Stromerzeugung aus Erneuerbarer Energie regeln lasse.

Energiekonzerne im Umbruch

Zwei Wege, ein Ziel

Der Strom- und Gasversorger Eon, der einst seine Stärke aus Kohle, Gas und Atomkraft bezog, mutiert nach seinem eigenen Bestreben zu einem lupenreinen „grünen Versorger“. Und verheißen die Pläne zur Abspaltung des konventionellen Kraftwerksgeschäfts in den Eon-Mutanten Uniper einen Ausweg aus der Krise? Oder führt am Ende doch der Weg, den die Essener Konkurrenten RWE einschlagen wollen, indem sie den Konzern radikal vereinfachen und mehr Macht in der Zentrale konzentrieren, am schnellsten raus aus der Krise?

Was ist der Grund für die Zerschlagung von Eon?

Der Branchenprimus auf dem deutschen Strom- und Gasmarkt war wie alle großen Mitspieler durch die Energiewende in die Bredouille geraten. Zuvor waren Eon & Co durch die Ausweitung des Wettbewerbs auf den Märkten bereits Macht genommen worden. Unter anderem trennten sie sich von den Höchstspannungsnetzen. Mit der Entscheidung zum Ausstieg aus der Atomenergie aber erfolgte der entscheidende Schnitt – das Ende für die herkömmlichen Kohle- und Atomriesen war eingeläutet. Strom aus Wind und Sonne erhielt Vorfahrt.

Was erhofft sich Eon von der Abspaltung?

Jahrelang hatte der Konzern enorme Gewinne aus dem Strom- und Gasgeschäft gescheffelt und Aktionäre mit steigenden Dividenden verwöhnt. Das ist seit ein paar Jahren vorbei. Dabei steht der Konzern unter einem hohen Druck durch die Kapitalmärkte. Durch die Abtrennung erhofft sich die neue Eon, die sich künftig ganz auf Ökostrom, Energienetze und Kundenlösungen konzentriert, Rückenwind: Das Unternehmen ist frei von Altlasten - nur noch der Name erinnert an seine Herkunft.

Warum entschied sich RWE gegen die Aufspaltung?

Bei dem Konkurrenten aus Essen sind die Eigentümerverhältnisse anders gelagert. Während Eon eine börsennotierte Publikumsgesellschaft mit zahlreichen Anlegern ist, haben bei RWE die Kommunen noch ein entscheidendes Wörtchen mitzureden. Auch die waren jahrelang durch üppige Dividenden verwöhnt worden. Eine Zerschlagung des Konzerns in zwei Teile wäre vor dem Hintergrund kaum durchsetzbar gewesen. RWE-Chef Peter Terium bezeichnete einen solchen Schritt auch als nicht „wünschenswert“. Hinzu kommt, dass bei RWE das Geschäft mit regenerativen Energien noch nicht so weit entwickelt ist wie bei Eon.

Was bedeutet die Abspaltung bei Eon für die Atomrückstellungen?

Darüber ist in den vergangenen Monaten viel berichtet und spekuliert worden. Eon-Chef Johannes Teyssen nannte diese Rückstellungen, die für den Rückbau der Atomanlagen vorgesehen sind und in der Eon-Bilanz 2014 eine Summe von mehr als 16 Milliarden Euro ausmachten, bei der Vorlage der Halbjahreszahlen als „sicher“. Die Summe wird vollständig Uniper zugeschlagen. Und Teyssen beteuert, dass das Unternehmen seinen Verpflichtungen voll und ganz nachkommen werde. Kritik kommt von Tobias Riedl von der Umweltschutzorganisation Greenpeace: „Die geplante Aufspaltung von Eon in eine „Good“ und eine „Bad Bank“ ist der dreiste Versuch des Konzerns, sich der Haftung für den selbst produzierten Atommüll zu entziehen.“ Eon strebe an, dass künftige Milliardenkosten für die Entsorgung des verstrahlten Abfalls möglichst die Bürger tragen sollten, sagt Riedl.

Welche Perspektiven hat Uniper?

Auf dem deutschen Strom- und Gasmarkt wird es Uniper schwer haben. Auch wenn Eon den Bereich heute als einen für Jahrzehnte wichtigen Baustein beim Umbau des Energiesystems sieht - nämlich durch seine absichernde Funktion für die erneuerbaren Energien - wird das Unternehmen nach Ansicht von Branchenbeobachtern noch lange an seinem Image als Auslaufmodell zu tragen haben.

Welche Lichtblicke sind beim Umbau der Konzerne zu erkennen?

Mit dem massiven Ausbau der Erzeugung von Windkraft und Solarenergien und dem Anschluss der Parks an die Stromnetze ernten die Unternehmen allmählich die ersten Früchte ihrer Investitionen. Mittlerweile ist Eon an 10 Windparks auf See in Europa beteiligt und kommt weltweit auf eine Kapazität von 4000 Megawatt. Der Anteil der erneuerbaren Energien an der gesamten Stromerzeugung liegt derzeit bei rund 14 Prozent, bei RWE sind es mit 5 Prozent deutlich weniger.

Quelle: dpa

Umweltschützern sind die Kohlekraftwerke hingegen wegen des Ausstoßes klimaschädlichen Kohlendioxids ein Dorn im Auge. In Deutschland hatten sie zuletzt insbesondere die Braunkohlekraftwerke von RWE im Rheinischen Revier ins Visier genommen. Der Versorger kämpft mit einer Reihe von Schwierigkeiten, darunter einem Gewinnschwund, den fallenden Strom-Großhandelspreisen und Abrechnungsproblemen in Großbritannien. Der Aktienkurs ist auf den tiefsten Stand seit einem Vierteljahrhundert gefallen.

Von

rtr

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