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11.12.2015

14:01 Uhr

Aufsichtsrat billigt Abspaltung

RWE stellt wichtigste Weiche für die Zukunft

VonJürgen Flauger

RWE-Chef Peter Terium kann seine Pläne für eine radikale Neuordnung des Konzerns wie geplant umsetzen. Die Kontrolleure stimmten der Abspaltung des Zukunftsgeschäfts zu, sogar die Kommunen. Bedenken bleiben jedoch.

Gebeutelte Versorger

Was bringt die Aufspaltung von RWE?

Gebeutelte Versorger: Was bringt die Aufspaltung von RWE?

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DüsseldorfDie Aufsichtsräte von RWE haben in diesem Jahr schon viele Weichen gestellt. Zu Jahresbeginn verlängerten die Kontrolleure den Vertrag von Vorstandschef Peter Terium, im Sommer beschlossen sie eine radikale Verschlankung des Deutschland-Geschäfts. Heute stand aber die wichtigste Weichenstellung seit Jahren auf der Tagesordnung: Die von Konzernchef Peter Terium geplante Abspaltung des Zukunftsgeschäfts in eine neue Gesellschaft.

Und die Aufsichtsräte machten Terium den Weg frei. Das Gremium habe die Pläne einstimmig gebilligt, teilte das Unternehmen nach der Sitzung mit. Dieses Ergebnis hatte sich in den vergangenen Tagen bereits abgezeichnet, nachdem zuerst die Arbeitnehmerseite ihre Zustimmung signalisiert hatte und zuletzt auch die einflussreichen kommunalen Aktionäre auf eine Blockade verzichten wollten.

„Wir haben heute eine wichtige Weichenstellung für die Zukunft des gesamten RWE- Konzerns getroffen“, sagte Aufsichtsratschef Manfred Schneider. „Wir stärken mit diesem Umbau unsere Investitionskraft für die Energiewelt von morgen und damit auch die Zukunftsfähigkeit der gesamten RWE.“ Terium sagte, er freue sich, „dass der Aufsichtsrat unsere Strategie so einhellig unterstützt.“

Terium kann einen radikalen Schnitt vollziehen, der den angeschlagenen Energiekonzern aus seinen Fesseln befreien soll. Dafür gliedert er das Geschäft mit der Energiewende, also die erneuerbaren Energien, den Vertrieb und die Netze, in eine neue Gesellschaft aus. Starten soll diese am 1. April 2016.

Die RWE AG wird operativ nur noch für den Großhandel sowie das notleidende bisherige Kerngeschäft, die konventionelle Stromerzeugung, zuständig sein. Die RWE AG muss sich damit um eine Sanierung der Kohle- und Gaskraftwerke kümmern und den Atomausstieg organisieren. Zwar wird sie auch die neue „grüne“ Gesellschaft kontrollieren, teilt sich die Erträge aber mit anderen Investoren. In einem Jahr sollen zehn Prozent abgegeben werden. Mittelfristig könnten es bis zu 49 Prozent werden.

Die neue Gesellschaft übernimmt dabei nicht nur den Großteil des Geschäfts: Sie wird rund 40.000 der 60.000 Mitarbeiter übernehmen und mit 40 Milliarden Euro auch rund vier Fünftel des Umsatzes. Sie übernimmt die Geschäfte, die am meisten Wachstum versprechen und den größten Teil des Vermögens. Nach einer Analyse der Société Générale hat die neue Gesellschaft einen Vermögenswert (Equity-Value) von 38,1 Milliarden Euro. Der Wert der Aktivitäten, die direkt bei der AG verbleiben, betrage dagegen nur rund sechs Milliarden.

Genau deshalb waren die Kommunen an Rhein und Ruhr, die rund 25 Prozent der Aktien halten, in heller Aufruhr als die Pläne in der Vorwoche publik wurden. Sie fürchten um ihren Einfluss und um ihr Vermögen. Am Dienstag musste Vizechef Rolf Martin Schmitz bei einer Versammlung mit den einflussreichsten Aufsichtsräten, Landräten und Bürgermeistern viel Überzeugungsarbeit leisten.

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