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15.10.2013

17:02 Uhr

Auftragsvergabe

Siemens Entrauchungsanlage am Flughafen BER

Die Flughafengesellschaft hat den Vertrag über Zusatzleistungen unterzeichnet: Siemens soll regeln, wie die Frischluft im Brandfall auf dem BER-Flughafen strömt. Flughafenchef Mehdorn spricht von einem Meilenstein.

Flughafen Berlin-Brandenburg: Zum Volumen des Auftrags und seiner Dauer wollte sich der Flughafen nicht äußern. dpa

Flughafen Berlin-Brandenburg: Zum Volumen des Auftrags und seiner Dauer wollte sich der Flughafen nicht äußern.

BerlinSiemens soll die Entrauchungsanlage am neuen Hauptstadtflughafen Berlin-Brandenburg (BER) fertigstellen. Wie die Flughafengesellschaft am Dienstag in Berlin mitteilte, soll Siemens als zusätzliche Aufgabe „auch die Nachströmung von Frischluft im Brandfall“ steuern. Flughafenchef Hartmut Mehdorn nannte die Auftragsvergabe an Siemens einen „wichtigen Meilenstein bei der Realisierung des BER“.

Probleme bei der Entrauchungsanlage hatten im vergangenen Jahr dazu geführt, dass der Flughafen nicht wie geplant im Juni eröffnen konnte. Nach Angaben der Flughafengesellschaft war Siemens bisher bereits dafür zuständig, die von Drittfirmen gebauten Entrauchungsanlagen wie Entrauchungskanäle, -ventilatoren und -klappen anzusteuern.

Siemens werde nun Umbauarbeiten vornehmen, kündigte der Flughafen an. Diese seien nötig geworden, weil sich die Steuerung der Brandschutzanlage bei Praxistests teilweise als „nicht umsetzbar“ erwiesen hatte. Jörg Marks, Leiter des Siemens-Bereichs Gebäudetechnologie in der Region Ost, erklärte, der Vertragsabschluss „sei ein guter Schritt nach vorn für die Realisierung des Flughafens“.

Fragen und Antworten zum Hauptstadtflughafen

Warum ist es so schwer, den Flughafen in Betrieb zu nehmen?

Die größten Probleme sind ungelöst: Noch haben die Ingenieure die Brandschutzanlage im Hauptgebäude des Terminals nicht im Griff. Der größte Entrauchungsabschnitt soll nun geteilt werden - in der Hoffnung, das Ungetüm dann beherrschen zu können. Außerdem strömt die Frischluft im Brandfall noch nicht so nach, wie sie sollte, und verwirbelt mit dem Rauch. Hier wird umkonzipiert. Umbauen können die Techniker aber erst, wenn ein anderes Problem gelöst ist: die hoffnungslos überbelegten Kabeltrassen zu entwirren.
Eigentlich wollte Mehdorn schon in diesen Wochen einen Inbetriebnahme-Zeitplan für den gesamten Flughafen nennen, nun hofft er, den in zwei bis drei Monaten liefern zu können. „Das muss ein Termin sein, den wir risikofrei erreichen können“, sagt Mehdorn nach der Blamage um vier geplatzte Starttermine.

Was hat Mehdorn jetzt vor?

Im Nordflügel des Terminals gibt es einen Großteil der Probleme nicht. In dem für Billigflieger gedachten Trakt will Mehdorn im März oder April die ersten Passagiere einchecken lassen. Es wäre ein Start auf Regionalflughafen-Niveau, mit höchstens fünf Starts und fünf Landungen pro Tag - gerade mal ein Prozent der Kapazität des Flughafens.
Mehdorns Kalkül: Der Großteil der Abläufe am Flughafen kann so getestet werden, bevor alle Airlines von Tegel und Schönefeld-Alt zum Neubau umziehen. Für die Gesamteröffnung wird seit längerem das Jahr 2015 genannt. Aber niemand legt sich fest.

Platzeck geht – übernimmt jetzt Wowereit?

Ja. Brandenburgs Regierungschef Matthias Platzeck (SPD) hört nach einem leichten Schlaganfall auf und gibt auch den Flughafen-Aufsichtsratsvorsitz ab. Als gewählter Stellvertreter war der Berliner Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit erst einmal eingesprungen. Nun übernimmt er wieder die Spitze im Aufsichtsrat – es gab schließlich keine Konkurrenz.

Seit einem Jahr ist Technikchef Amann auf der Baustelle. Was hat er bewegt?

Der Hoffnungsträger vom Frankfurter Flughafen hat sich in Schönefeld eine Mammutaufgabe gestellt: Eine Bestandsaufnahme aller Mängel, um dann planvoll neu durchzustarten. Von der gebrochenen Fliese bis zur defekten Brandschutzklappe kamen Zehntausende Mängel zusammen - für Projekte dieser Größenordnung keine ungewöhnliche Dimension. Mit dieser Akribie bringt Horst Amann aber den ungeduldigen Mehdorn auf die Palme, der dem Ingenieur im Frühjahr vor die Nase gesetzt wurde. Mehdorn nennt die Amann-Zeit „Schockstarre“ und startete sein Beschleunigungsprogramm „Sprint“. Beide Manager sind heillos zerstritten. Am Freitag brachten sie konkurrierende Konzepte für die Teileröffnung in den Aufsichtsrat.

Wie viel wird der Flughafen am Ende kosten?

Das weiß heute niemand. Bislang gilt die fast ein Jahr alte Zahl von 4,3 Milliarden Euro, doch sie ist nicht zu halten. Denn damals dachten die Verantwortlichen noch, dass in diesem Oktober die ersten Passagiere einchecken. Jeder weitere Monat Verzögerung kostet 34 Millionen Euro. Hinzu kommen Mehrkosten für den Schallschutz. Die 5-Milliarden-Marke ist also in Sichtweite.

Zum Volumen des Auftrags und seiner Dauer wollte sich der Flughafen nicht äußern. Die Arbeiten müssten in den Gesamtplan „eingetaktet werden“, erklärte ein Sprecher.

Die Eröffnung des Flughafens BER ist bereits mehrfach verschoben worden, weil die technischen Anlagen nicht funktionsfähig waren. Ein neuer Termin für die Inbetriebnahme ist bisher nicht bekannt.

Von

afp

Kommentare (3)

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pro-d

15.10.2013, 18:42 Uhr

Ich freue mich, dass mit Siemens nun endlich wieder mehr westliche Kompetenz in die Auftragsvergabe kommt. Siemens war ja dafür vartantwortlich, dass die ICE Züge nicht klimatauglich waren. Aber nachdem (...) sich wohl auch einiges im Vorstand tut, kann man nur hoffen, dass Siemens wieder zur Normalität zurück findet.

Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

S210371

16.10.2013, 10:46 Uhr

@ Anonym vom 15.10.2013, 18.42 Uhr

"Siemens war ja dafür vartantwortlich, dass die ICE Züge nicht klimatauglich waren"

Der Kunde bekommt immer was er bestellt. Wenn die DB in der Ausschreibung nur eine gewisse Klimaleistung verlangt, darf sich anschliessend niemand wundern wenn diese nicht ausreicht bei Rekordtemperaturen....

s210371

16.10.2013, 10:48 Uhr

@ Anonym vom 15.10.2013, 18.42 Uhr

"Siemens war ja dafür vartantwortlich, dass die ICE Züge nicht klimatauglich waren"

Der Kunde bekommt immer was er bestellt. Wenn die DB in der Ausschreibung nur eine gewisse Klimaleistung verlangt, darf sich anschliessend niemand wundern wenn diese nicht ausreicht bei Rekordtemperaturen....

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