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18.04.2013

09:44 Uhr

Außerordentliche Hauptversammlung

Die Aktie des Sonnenkönigs stürzt ins Bodenlose

Schock für alle Aktionäre der schlingernden Solarworld: Für das vergangene Jahr erwartet das Unternehmen einen Verlust von rund einer halben Milliarde Euro. Eine außerordentliche Aktionärsversammlung wird einberufen.

Außerordentliche Hauptversammlung

Solarworld-Aktie stürzt ab

Außerordentliche Hauptversammlung: Solarworld-Aktie stürzt ab

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BonnFrank Asbeck ist in den vergangenen Jahren gerne großspurig aufgetragen. Jüngst kaufte er dem Fernsehmoderator Thomas Gottschalk ein Schloss bei Remagen am Rhein ab: 800 Quadratmeter Wohnfläche, 14 Zimmer, drei Terrassen. Dem damaligen Papst Benedikt XVI. schenkte er eine Solaranlage. Einmal hatte Asbeck tatsächlich erwägt, den Autohersteller Opel vor der Pleite zu retten und zu übernehmen. Damals glänzte sein Unternehmen Solarworld noch.

Doch jetzt ist endgültig die Zeit der Bescheidenheit eingeläutet, der Absturz des Solarzellenherstellers ist unübersehbar. Am Donnerstagmorgen stürzte die Aktie des Bonner Unternehmen in den ersten Handelsminuten um mehr als ein Drittel auf zeitweise 56 Cent ab. Grund: Am Abend zuvor hatte der einstige Vorzeigekonzern der Branche mitgeteilt, dass das Kapital seiner Aktionäre komplett verloren sei.

Der Niedergang der deutschen Solarindustrie

13. Dezember 2011

Das Berliner Solarunternehmen Solon ist pleite. Die Aktiengesellschaft verbuchte 2011 einen Verlust von mehr als 200 Millionen Euro. Das indisch-arabische Unternehmen Microsol übernimmt Solon im März aus der Insolvenz. 433 von 471 Arbeitsplätzen in Berlin bleiben zunächst erhalten, der Standort Greifswald wird geschlossen. Für 2013 sieht das Unternehmen wieder Chancen auf einen Gewinn.

21. Dezember 2011

Der Erlanger Solarkraftwerk-Hersteller Solar Millennium beantragt die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens, das im Februar 2012 eröffnet wird. Die Aktiengesellschaft mit 60 Mitarbeitern ist auf Solarthermie-Technik spezialisiert.

3. April 2012

Der einst weltgrößte Solarzellenhersteller Q-Cells in Bitterfeld-Wolfen beantragt Insolvenz. Das Unternehmen mit einst 1300 Jobs am Stammsitz galt lange als Sonnenstrahl in Sachsen-Anhalt. Ende August wird das Unternehmen vom südkoreanischen Mischkonzern Hanwha übernommen und ist damit vorerst gerettet, der größte Teil der Jobs bleibt erhalten.

17. April 2012

Das US-Unternehmen First Solar kündigt an, sein Werk in Frankfurt (Oder) schließen zu wollen. Ende Dezember ist für die Beschäftigten der letzte reguläre Arbeitstag. Bis spätestens Ende Mai 2013 verlieren damit alle 1200 Beschäftigten des Solarmodulherstellers ihren Job. Die Suche nach Investoren läuft aber weiter.

25. Juni 2012

Die Berliner Global Solar Energy Deutschland (GSED) mit 133 Mitarbeitern meldet Insolvenz an. Die Tochter der amerikanischen Global Solar Energy produzierte seit 2008 flexible Dünnschicht-Solarzellen.

10. Juli 2012

Die Berliner Global Solar Energy Deutschland (GSED) mit 133 Mitarbeitern meldet Insolvenz an. Die Tochter der amerikanischen Global Solar Energy produzierte seit 2008 flexible Dünnschicht-Solarzellen.

21. August 2012

Die Solarfirma Sovello in Sachsen-Anhalt stellt nach erfolgloser Investorensuche die Produktion ein. Den noch rund 1000 Mitarbeitern wird endgültig gekündigt. Sovello war eine Abspaltung des Ex-Weltmarktführers Q-Cells und hatte im Mai Insolvenz beantragt. Mitte Februar will der Insolvenzverwalter die Maschinen und das sonstige Inventar der Firma versteigern.

6. September 2012

Die EU-Kommission leitet ein Antidumping-Verfahren gegen die chinesische Solarbranche ein. Die Wettbewerbsbehörde will prüfen, ob die Asiaten mit zu niedrigen Preisen den Wettbewerb schädigen. Sie reagiert damit auf einen Antrag von europäischen Solarfirmen wie der Bonner Solarworld, die sich durch die Billigkonkurrenz aus China geschädigt fühlen. Eine Entscheidung über mögliche Strafzölle steht noch aus.

18. Oktober 2012

Der Solartechnikhersteller SMA Solar will sich von 450 seiner weltweit gut 5500 Mitarbeiter sowie von 600 Zeitarbeitern trennen. Denn für 2013 wird mit einem kräftigen Rückgang des Umsatzes gerechnet. Der nach eigenen Angaben Weltmarktführer bei sogenannten Wechselrichtern, einer zentralen Komponente von Solarstromanlagen, hatte sich in der ersten Hälfte 2012 anders als viele Unternehmen der Branche noch relativ gut geschlagen.

23. Januar 2013

Der Technologieriese Bosch gibt bekannt, dass seine ab dem Jahr 2008 teuer aufgebaute Sonnenenergiesparte 2012 gut eine Milliarde Euro Verlust eingefahren hat. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) des in der schwächelnden Weltkonjunktur ohnehin unter Druck stehenden Konzerns sei entsprechend auf etwa eine Milliarde Euro eingebrochen (2011: 2,7 Mrd Euro). Das Traditionsunternehmen kündigt eisernes Sparen an. Zentraler Standort der Solartochter ist Thüringen. Bosch Solar Energy hatte nach aktuellsten Angaben des Konzerns mit Stand vom Dezember 2012 weltweit rund 3200 Mitarbeiter.

24. Januar 2013

Die Krise der Solarbranche bringt auch Solarworld immer stärker in Bedrängnis. Das einstige Vorzeigeunternehmen teilt mit, dass mit Gläubigern über einen Schuldenschnitt gesprochen werden solle. Es kommt auch zu weiteren Stellenstreichungen.

5.Juli 2013

Nachdem das Hamburger Solarunternehmen Conergy seit Jahren Verluste schrieb, meldete es am 5. Juli schließlich Insolvenz an. Bis zuletzt hatte das Unternehmen auf einen rettenden Investor aus Asien gesetzt, der Bankverbindlichkeiten ablösen und frisches Geld zuschießen sollte.

Auch die Gläubiger müssen den größten Teil ihrer Forderungen abschreiben. Die Solarworld-Anleihe mit Laufzeit bis 2016 fiel am Donnerstag um ein Drittel, sie notiert nur noch bei 15 Prozent des Nennwerts. Die Anleihe bis 2017 gab 25 Prozent nach und notiert nun bei 18.

Statt der ursprünglich geplanten turnusmäßigen Hauptversammlung wird aufgrund des Verlusts des Grundkapitals zunächst eine außerordentliche Zusammenkunft der Aktionäre stattfinden, wie aus einer Unternehmensmitteilung vom Mittwochabend hervorgeht. Im Geschäftsjahr 2012 dürfte ein Verlust nach Steuern von 520 bis 550 Millionen entstanden sein. Das Eigenkapital dürfte sich auf minus 20 bis minus 50 Millionen Euro belaufen. Mit dem negativen Eigenkapital ist das Unternehmen damit noch mehr als bisher von seinen Gläubigern abhängig. Die Krise in der Branche und der harte Wettbewerb mit China hatten den Konzern in Bedrängnis gebracht.

Photovoltaikbranche: Gläubiger für Solarworld-Sanierung ohne Insolvenz

Photovoltaikbranche

Gläubiger für Solarworld-Sanierung ohne Insolvenz

Im Gespräch ist unter anderem ein anteiliger Schuldenverzicht.

Der Verlust ist den Angaben zufolge zu 20 Prozent dem Geschäftsverlauf geschuldet und zu 80 Prozent auf Abschreibungen auf Anteile an verbundenen Unternehmen, Beteiligungen und Ausleihungen zurückzuführen. Etwaige Bilanzkorrekturen im Rahmen der Jahresabschlussprüfung könnten die geschätzten Werte noch wesentlich verändern, hieß es weiter.

Kommentare (31)

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eksom

17.04.2013, 22:47 Uhr

Bereits vor 4 Jahren hatte ich Herrn Asbeck darauf aufmerksam gemacht, dass er auf Dauer gegen die staatlich subventionierten Module und Zellen der Chinesen nicht bestehen kann und wird. Ich hatte vorgeschlagen mit einer Investition von über 25 Mio. in die Thermovoltaik (Zellwirkungsgrad ab 39% bis 48%) voll einzusteigen.
Die Maschinen und Anlagen hatte die SolarWorld dazu.
Aber Herr Asbeck kaufte sich lieber einen Schloss. Insolvenz ist bald im Anmarsch, wenn nicht schnell gegengesteuert wird. Ich kann Solarworld noch retten.

OLDENDORP

17.04.2013, 23:27 Uhr

:::::::::::::::::::::::::::::::::
INSOLVENZEN IN DER SOLARINDUSTRIE
:::::::::::::::::::::::::::::::::
diese insolvenzen sind ergebnisse
der verfehlten energiepolitik der
GRÜNEN/BÜNDNIS90::
..
..

Placker

17.04.2013, 23:39 Uhr

Als Mitbegründer der Grünen und seltsamerweise zu Millionen durch Beschlüsse der Grünen/SPD gekommen, lacht der sich ins Fäustchen und macht Pleite. Was interessieren solche Menschen andere Menschen.

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