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21.12.2012

10:07 Uhr

Australien

Gold und Kohle gefährden das Urlaubsparadies

VonUrs Wälterlin

Das Traumziel Australien hat jetzt Hochsaison, Touristen aus aller Welt sollen Milliarden in die Kassen bringen. Wäre da nicht der Rohstoff-Boom im Land. Denn der untergräbt das lukrative Geschäft mit den Ferien.

Der Uluru in Zentral-Australien. Urs Wälterlin

Der Uluru in Zentral-Australien.

Ayers RockDer Blick über die roten Sanddünen ist atemberaubend. In der Distanz glüht im orangen Licht der Abendsonne des Uluru, oder Ayers Rock, wie der Heilige Berg der zentralaustralischen Aborigines auch genannt wird. Hinter den „Öko-Zelten“ der Luxusunterkunft „Longitude 131“ prosten sich die Gäste mit Champagner gegenseitig zu. Mit französischem natürlich.

Bei 1000 Euro pro Nacht und Person kann man das erwarten, auch mitten in der Wüste, 400 Kilometer von der nächsten Stadt entfernt. Und Häppchen mit Wasabi-Kaviar gibt’s auch für John und Mary aus London, Peter und Camilla aus Cleveland. Danach geht’s zum Gourmetabendessen, mit zartem Rindersteak an Shiraz Sauce und halbrohem Thunfisch in einem Mantel aus frischen Kräutern. „Wir haben viele Besucher aus den europäischen Königshäusern. Und die Stars der globalen Modeindustrie kommen auch“, sagt der Manager. Namen nennt er keine. Auch zwischen Sanddünen ist Diskretion Ehrensache.

Das Hoteldorf Yulara nahe des Uluru („Ayers Rock“). Urs Wälterlin

Das Hoteldorf Yulara nahe des Uluru („Ayers Rock“).

Ob die Luxusunterkunft, ob das Fünfsternhotel, die Mittelklassezimmer, oder ob Campingplatz: die Hotelanlage Ayers Rock Resort im Schatten des Uluru ist eine Ikone des australischen Tourismus‘ und bekannt rund um den Globus. Das Aboriginal Land Council, eine Art Selbstverwaltungsbehörde der Ureinwohner, hatte das Geschäft letztes Jahr einer in Finanznöte geratenen Holdinggesellschaft abgekauft. Seither investierten die neuen Besitzer 30 Millionen australische Dollar in eine Auffrischung und Expansion. Hier, so ist klar, glaubt man an die Zukunft des Tourismus.

Deutschlands größte Reiseveranstalter

Platz 7

Schauinsland Reisen - 701 Millionen Euro Umsatz (Stand: 2012)

Die Duisburger haben sich von einem Transportunternehmen zu einem der größten Reiseunternehmer gemausert. Mittlerweile beschäftigt das Unternehmen 220 Mitarbeiter.

Platz 6

Aida Cruises - 1,1 Milliarden Euro Umsatz

Der Kreuzfahrtkonzern ist nicht nur der größte Arbeitgeber Mecklenburg-Vorpommerns, sondern auch einer der größten deutschen Reisekonzern. Zur Flotte des Unternehmens gehören derzeit zehn Kreuzfahrtschiffe.

Platz 5

Alltours - 1,4 Milliarden Euro Umsatz

Aus einem kleinen Reisebüro in Kleve hat Willi Verhuven einen der größten deutschen Reisekonzerne geformt. Heute sitzt die Firma in Duisburg.

Platz 4

FTI - 1,62 Milliarden Euro Umsatz

Als das Unternehmen in München gegründet wurde, konzentrierte es sich auf Reisen in den Mittelmeerraum. Inzwischen stehen über 80 Länder im FTI-Katalog.

Platz 3

Rewe-Touristik - 3,18 Milliarden Euro Umsatz

Jahn Reisen, Tjaereborg und Meier's Weltreisen - so heißen die großen Marken, die zum Rewe-Konzern gehören. Gemeinsam erwirtschaften Sie einen großen Teil des Umsatzes des Handelskonzerns.

Platz 2

Thomas Cook - 3,2 Milliarden Euro Umsatz

Durch Condor gehört das Reiseunternehmen aus London auch in Deutschland zu den größten Reiseveranstaltern.

Platz 1

Tui Deutschland - 4,47 Milliarden Euro Umsatz

Kein Touristikkonzern ist breiter aufgestellt als die Tui. Allein in Europa betreiben die Hannoveraner 3500 Reisebüros.

Doch die australische Reisebranche hat erbitterte – und überraschende – Konkurrenz: Der Rohstoffboom im Land hat zu einem Verdrängungskampf zwischen den Bergbauunternehmen und der Tourismusindustrie geführt. Zeitarbeiter in den abgelegenen Minen im australischen Westen würden Touristen aus den ohnehin knappen Unterkünften verdrängen, berichtet das Forschungsinstitut Tourism Research Australia. Einige Tourismusanbieter und Reisedestinationen würden zwar vom enormen Bedarf an Unterkünften profitieren, so das Papier. In vielen Fällen seien die Konsequenzen der Expansion der Rohstoffindustrie aber negativ für die Reisewirtschaft.

Über Wanderwege kann man den Monolithen erkunden. Urs Wälterlin

Über Wanderwege kann man den Monolithen erkunden.

Wegen der hohen Gehälter, die im Rohstoffgeschäft generell bezahlt würden, haben sich die Kosten für Flüge in abgelegener Gebiete des Landes in den letzten Jahren massiv verteuert. Die Fluglinie Qantas Airways nutze auf vielen Strecken ihr Monopol, um Wucherpreise zu verlangen, sagen Kritiker. Unterkünfte sind in Städten, die als Transferorte für Minenarbeiter dienen, kaum noch bezahlbar. So genannte Fly-in-Fly-out-Arbeiter, oder Fifos, die für drei Wochen in einer Mine arbeiten, dann für zwei Wochen in ihre Heimatstadt zurückfliegen, werden als Grund für die Situation genannt.

Dabei ist der Fremdenverkehr in Australien kein Nebengeschäft: als größte Exportindustrie des Dienstleistungssektors ist Tourismus eines der Standbeine der Wirtschaft. Über sechs Millionen Besucher begrüßt Australien pro Jahr, unter ihnen knapp 152 000 Deutsche. Fast jeder zehnte der 22 Millionen Bewohner ist direkt oder indirekt im Tourismus involviert – deutlich mehr Menschen, als der Rohstoffsektor beschäftigt.

Tourismus trug im letzten Finanzjahr mit 34,6 Milliarden australischen Dollar, oder 2,5 Prozent, zum BIP bei. In vielen Regionen, die über Jahrzehnte fast ausschließlich von Tourismus gelebt haben, leiden Anbieter aber unter Negativfaktoren, denen sie praktisch hilflos gegenüberstehen. Gerade für kleinere Betriebe sind sie existenzbedrohend geworden.

Kommentare (4)

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Account gelöscht!

21.12.2012, 10:30 Uhr

Wer hat den das verzapft? Als ob da nicht genug Platz für beides und noch mehr wäre! Und wenn man schon 1'000 A$ für eine Nacht zahlt und außerdem die Reise down under bezahlt hat (1. Klasse natürlich), dann spielt doch ein etwas teuerer Lokalflug keine Rolle mehr. Da empfiehlt sich eben ein Charterflug.

MANLY

21.12.2012, 12:02 Uhr

Urs Wälterlin schreibt 'nen Sensationsmist weil sonst sein Artikel nicht veröffentlicht wird.
Ich bin zur Zeit in Australien und habe weder überhöhte Preise für Flüge oder Hotels erlebt.
Die Sonne scheint, sonst nichts...

gyoerfi

21.12.2012, 13:36 Uhr

Mir scheint, Ihre Zeitung deren Zielgruppe interessiert sich für diesen Konfklikt nur wenn Rohstoffriesen vs. Tourismusbranche kollidieren. Sobald sich Rohstoffriesen gegen die einheimische Bevölkerung richten ist das außerhalb des Blickfelds. Da ökonomisch irrelevant.
Schade.
http://www.goodmovies.de/content_detail.php?cid=8687

Györfi

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