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02.08.2013

15:57 Uhr

Barrick Gold

Größter Goldförderer macht Minen dicht

VonSebastian Ertinger

Der fallende Goldpreis trifft Bergbaukonzerne wie Barrick Gold. Der weltgrößte Förderer des Edelmetalls kappt nach hohen Abschreibungen und Milliardenverlusten die Produktion – und will Minen stilllegen oder verkaufen.

Pascua-Lama-Mine an der chilenisch-argentinischen Grenze: Barrick Gold muss Milliarden auf das Projekt abschreiben. ap

Pascua-Lama-Mine an der chilenisch-argentinischen Grenze: Barrick Gold muss Milliarden auf das Projekt abschreiben.

DüsseldorfDer weltgrößte Goldförderer Barrick Gold will die Produktion in 12 seiner 27 Minen drosseln oder die Förderstätten ganz verkaufen. Der kanadische Konzern hat im zweiten Quartal einen Verlust von 8,6 Milliarden Dollar angehäuft. Grund hierfür sind drastische Wertberichtigungen auf Minen und Förderanlagen.

Das Unternehmen mit Hauptsitz in Toronto schreibt insgesamt 8,7 Milliarden Dollar ab, vor allem wegen Verzögerungen beim Ausbau der Pascua-Lama-Mine in den Anden. Zudem kappt der Goldförderer die Dividendenauschüttung um drei Viertel und streicht die Zahl der Stellen in der Verwaltung um 30 Prozent zusammen.

„Wenn wir eine ganze Reihe von Minen haben, mit denen wir beim derzeitigen Goldpreis kein Geld verdienen, dann müssen wir das angehen“, sagt Vorstandschef Jamie Sokalsky. „Und das bedeutet ein geringes Produktionsvolumen.“ Barrick Gold ist damit ein weiterer Bergbaukonzern, der wegen des schwachen Goldpreises und gestiegener Kosten die Produktion herunterfahren und den Wert seiner Förderprojekte deutlich nach unten korrigieren muss.

Was Sie über Gold wissen sollten

Was ist Gold?

Gold ist ein seltenes Metall mit einem Schmelzpunkt von 1064 Grad Celsius. Der Siedepunkt liegt bei 2856 Grad. Die chemische Abkürzung für Gold ist „Au“ und stammt vom lateinischen Wort „Aurum“ ab. Es hat mehrere Eigenschaften, die es für die Menschheit über die Jahre nützlich gemacht hat. Gold leitet extrem gut. Außerdem reagiert es nicht mit Wasser oder Sauerstoff.

Wie viel Gold wurde in der Geschichte gefördert?

Nach Schätzungen wurden in der gesamten Menschheitsgeschichte bis heute um die 166.600 Tonnen Gold aus Minen geholt. Ein Großteil davon – etwa zwei Drittel – seit 1950.

Wie viel Gold gibt es noch auf der Erde?

Die letzten Zahlen der US Geological Society gingen im Januar 2011 von weltweit 51.000 Tonnen aus.

Wie viel Gold wird pro Jahr abgebaut?

In den vergangenen Jahren waren es etwa 2.500 Tonnen pro Jahr.

Wo wird weltweit am meisten Gold abgebaut?

Überall auf der Welt wird Gold gewonnen. Aber beinahe ein Drittel des Goldes wird in nur drei Ländern abgebaut. An der Spitze liegt China mit 13,1 Prozent, darauf folgen die USA und Australien mit jeweils 9,1 Prozent.

Was passiert mit dem Gold?

29 Prozent des abgebauten Goldes kommt im Investmentbereich zum Einsatz, also in Form von Münzen und Barren. Aus 59 Prozent wird Schmuck gemacht. 12 Prozent wird von der Industrie verarbeitet.

Wo sind die größten Absatzmärkte für Gold?

Mit 1059 Tonnen ist Indien der mit Abstand größte Absatzmarkt für physisches Gold (Münzen, Barren, Schmuck). Dahinter liegt China mit 770 Tonnen. Im Vergleich dazu abgeschlagen sind die USA mit 213 Tonnen und Deutschland mit 154 Tonnen.

Quelle: World Gold Council

Wer sind die größten Goldbesitzer?

Größte Goldbesitzer sind die Notenbanken. Die Vereinigten Staaten sitzen auf rund 8.100 Tonnen, gefolgt von Deutschland mit 3.400 Tonnen und dem Internationalen Währungsfonds mit 2.800 Tonnen. Die Notenbanken waren über Jahre Netto-Verkäufer. Seit dem vergangenen Jahr sind sie jedoch wieder Netto-Käufer. Das Interesse kommt vor allem aus den Schwellenländern.

Der Goldpreis ist in den vergangenen Wochen und Monaten gefallen. Am Freitag gab der Kurs nach überraschend guten US-Konjunkturdaten noch einmal deutlich nach und rutschte unter die Marke von 1300 Dollar, erholte sich dann aber wieder. Barrick Gold betreibt weltweit Goldminen, von Peru bis Papua Neuguinea. Einige der Bergwerke fördern Gold zu Kosten von 1000 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm). Die Gewinnmarge der Kanadier ist damit dramatisch geschrumpft.

„Wir sind bereit, harte Entscheidungen zu fällen“, sagte Sokalsky. Die Produktion in Minen, die nicht mehr profitabel arbeiten, solle entweder heruntergefahren oder aufgegeben werden. Auch ein Verkauf ganzer Bergwerke stehe zur Diskussion. Auf die zwölf Minen, die überprüft werden, entfällt ein Viertel der gesamten Fördermenge von Barrick.

Kommentare (6)

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Cassandra

02.08.2013, 19:34 Uhr

Ich sehe einen gewaltigen physischen Gold Short Squeeze auf uns zukommen. Das wird wohl einiger der Bullion Bankster mit ihrem Zentralbank Goldleasing zu Fall bringen, wenn sie ihre ungedeckten Lieferversprechen nicht mehr einhalten können und die Wahrheit über die realen Goldbestände zu Tage kommt.

Pequod

02.08.2013, 19:39 Uhr

Da hört sich ja fast so an wie die Geschichte des
Kohlenmunkpeters aus Wilhelm Hauffs Märchen 'Das
kalte Herz' wenn man den Verlauf der Lebensgeschichte
des Gründers Peter Munk von Barrick Gold verfolgt,
so daß man nur wünschen kann, daß das ein gutes Ende
nehmen wird.

Rechner

03.08.2013, 16:48 Uhr

In Anbetracht der Tatsache daß das von Notenbanken und Spekulanten gehortete Gold den industriellen Bedarf (incl. Schmuck) für die nächsten 50 Jahre deckt ist Goldförderung so überflüsssig wie ein Kropf.

Weshalb ich davon ausgehe daß der Goldpreis so lange fällt, bis die meisten (oder alle) Minen geschlossen worden sind.

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