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27.09.2013

10:28 Uhr

Bergbau

Rohstoffhunger im Land der Elche

VonAnna Lehmann

Auf mehr europäische Rohstoffe pocht die EU und Firmen erhören den Ruf. Gegen eine geplante Nickelmine im Nirgendwo Schwedens wehren sich aber die Anwohner. Wenn Reichsinteressen auf Rentierhirten treffen.

Der Rohstoff-Hunger erreicht Lappland: Doch Knud Persson und andere Sami wehren sich.

Der Rohstoff-Hunger erreicht Lappland: Doch Knud Persson und andere Sami wehren sich.

StorumanZweimal haben sie die Kirche schon gebucht und zweimal haben sie die Hochzeit abgesagt. „Dieses Jahr haben wir es gar nicht erst probiert.“ Marie Persson lacht als das Boot an der kleinen Kirche am Ufer des Gardiken vorbeituckert. Zum Heiraten fehlt ihr schlicht die Zeit. Auch heute passt ihr Verlobter auf die beiden Kinder zu Hause auf. Marie Persson ist zusammen mit ihrem Vater Knud Persson unterwegs zur Insel Rönnbäcksnäset. Sie liegt inmitten des Stausees und ist nur zeitweilig bewohnt von Elchen, Bären und Rentieren.

Die Firma Nickel Mountain, eine Tochter der norwegischen Aktiengesellschaft IGE Resources, will hier künftig jährlich rund 26.000 Tonnen Nickel fördern. Drei Tagebaue sollen dafür entstehen - bis zu 70 Hektar große und 350 Meter tiefe Löcher. Die Insel soll halb abgetragen und in den Stausee verklappt werden.

Marie Persson und einige andere Einwohner der Gemeinde Storuman im Nordwesten Schwedens wollen das verhindern. „Das zerstört die gesamte Gegend hier“, sagt sie und deutet die Insel und die Wälder an den Ufern. „Und es geschieht gegen den Willen aller hier lebenden Sami.“

Die Sami gegen die Bergbauindustrie und den schwedischen Staat – dieser Kampf ist derzeit in zwei Regionen Lapplands entbrannt. Auch in Kallak nahe der Stadt Jokkmokk im Norden protestieren Sami zusammen mit Umweltaktivisten. Der Streit hat jetzt auch die Vereinten Nationen erreicht. Das Samiparlament hat Schweden im September vor einem UN-Ausschuss verklagt.

Die Sami in Kallak und Rönnbäcken sehen ihre Kultur und ihre Lebensweise – das Jagen, Fischen und die Rentierwirtschaft – durch die Bergbauindustrie bedroht. Die Bergbaunation Schweden hingegen will mehr Erze aus den heimischen Böden holen und die Wirtschaft mit dem Export und der Verarbeitung der Metalle in Schwung halten. Im weltweiten Wettbewerb um Rohstoffe hat die EU-Kommission 2008 eine eigene Initiative gestartet und visiert eine dauerhafte Versorgung mit Rohstoffen aus europäischen Quellen an.

In der nationalen Berbaustrategie, die Schwedens konservativ-moderate Regierung zu Jahresbeginn präsentierte, peilt sie an, die Anzahl der heimischen Minen bis 2020 zu verdoppeln. Die meisten neuen Minen, heißt es, sollen im nördlichen Schweden eröffnet werden, wo es viele Orte von kulturellem und ökologischem Wert gebe und wo traditionellerweise auch die Rentierhaltung erfolge. „Die Ausweitung der Bergbauaktivitäten muss deshalb im Konsens mit anderen Interessen erfolgen.“ Heißt es.

Kommentare (14)

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jkh

27.09.2013, 10:50 Uhr

In Fetten Jahren überleben kann jeder dummkopf, ebenso wie das eigene Pulver verschießen. Dabei sollte man doch lieber mal die Chinesen machen lassen, so wie die amis das bei den seltenen Erden seit Jahzehnten vormachen.
Wir verkaufen Know how. In die Aufbereitung und Rückgewinnung sowie ökonimischere Verwendung muss investiert werden und nicht in die Vernichtung von allem.
Den leichten Weg kann jeder vollpfosten gehen.

Freidenker

27.09.2013, 11:02 Uhr

Ich wünsche den Sami viel ERfolg und GLück!!!

Die Menschen sind verblödet, ruinieren sich ihr eigenes Umfeld, die Natur sowieso und fressen jetzt schon ihren eigenen CHEMIEDRECK!! Und das ALLES NUR WEGEN DER UNERSÄTTLICHEN GIER DER KONZERNE!!

Mich kotzt diese verblödete Menschheit, die da auch noch mitmacht, an! Es gibt genug ALTERNATIVEN UDN WOHLSTAND FÜR ALLE!!

EU_Feind

27.09.2013, 11:04 Uhr

Die EU ist ein einziger Handlanger des KAPITALS!! UNDEMOKRATISCH; VERLOGEN UND KORRUPT DAZU!!

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