Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

23.06.2013

12:07 Uhr

Bericht der Netzagentur

Stromnetze halten dem Winter stand

Trotz aller Warnungen von Kritikern ist ein großer Blackout im deutschen Stromnetz bisher ausgeblieben. Der neue Netzbericht zum vergangenen Winter zeigt aber, dass gerade im Süden die Lage schwierig ist.

Einem Bericht der Netzagentur zufolge hielten die Stromnetze dem langen Winter stand. ap

Einem Bericht der Netzagentur zufolge hielten die Stromnetze dem langen Winter stand.

BerlinDie Lage im deutschen Stromnetz hat sich im vergangenen Winter auch dank neuer Leitungen etwas entspannt. „Insgesamt verlief der Winter 2012/13 weniger angespannt als der Winter 2011/12“, heißt es im noch unveröffentlichten Bericht der Bundesnetzagentur zur Winterversorgung, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. „Dennoch kam es an einigen Tagen zu Belastungssituationen, die durch teilweise umfangreiche Eingriffe der Übertragungsnetzbetreiber beherrscht werden konnten.“

Trotz der verbesserten Lage kam es vom 1. Oktober 2012 bis 31. März 2013 zu Eingriffs-Maßnahmen mit einer Dauer von 3700 Stunden - das entspricht fast exakt der Eingriffsdauer im Winter 2011/2012. Hilfreich zur besseren Steuerung der Nord-Süd-Stromflüsse sei besonders der Umbau des Generators des Kernkraftwerks Biblis A (Hessen) zu einem sogenannten Phasenschieber gewesen. Ebenfalls entlastend sei die Inbetriebnahme der 380 Kilovolt-Leitung Hamburg - Schwerin, die den Windstrom im Norden besser zu verteilen hilft.

Nur am 29. Januar mussten Reservekraftwerke in Deutschland und Österreich in Anspruch genommen werden. Vor allem, um im Süden eine starke Windstromeinspeisung im Norden auszugleichen. Allerdings wäre der Einsatz aufgrund aktualisierter Windprognosen gar nicht mehr nötig gewesen, aber der Anfahrvorgang konnte nicht mehr gestoppt werden.

Fragen zum Netzausbau

Wie groß ist der Ausbaubedarf?

Der von den Netzbetreibern vorgestellte Entwicklungsplan sieht bis 2022 insgesamt 3.800 Kilometer neue Stromtrassen vor, dazu den Ausbau von 4.400 Kilometern bereits bestehender Leitungen. Das soll rund 20 Milliarden Euro kosten.

Um welche Leitungen geht es?

Es gibt zwei Arten von Stromleitungen: Übertragungsnetze und Verteilnetze. Das Übertragungsnetz verhält sich zum Verteilernetz in etwa so wie eine Autobahn zu einer Landstraße oder innerstädtischen Straße. Beim Ausbau der Netze geht es vor allem um die Übertragungsnetze, die den Strom etwa vom windreichen Norden in den Rest der Republik transportieren sollen.

Das Übertragungsnetz

Das Übertragungsnetz in Deutschland ist rund 35.000 km lang und wird von den vier Übertragungsnetzbetreibern Tennet, 50Hertz, Amprion und Transnet BW betrieben.

Das Verteilnetz

Das Verteilnetz in Deutschland ist hingegen rund 1,7 Millionen Kilometer lang und wird von etwa 900 Unternehmen, darunter viele Stadtwerke, betrieben.

Wer bezahlt den Ausbau?

In letzter Instanz zahlt der Stromverbraucher über eine Umlage auf den Strompreis den Netzausbau. Diese Umlage nennt sich Netzentgelt, also eine Gebühr dafür, dass der Strom der Verbraucher über die Leitungen der Netzbetreiber geschickt werden darf. Die Gebühr macht derzeit 23 Prozent des Strompreises aus.

Über diese Umlage finanziert der Staat den Netzausbau: Die Netzbetreiber erhalten von der Bundesnetzagentur auf ihre Investitionskosten 9,5 Prozent Eigenkapitalverzinsung garantiert. Sie müssen lediglich dafür sorgen, das nötige Kapital für den Ausbau aufzutreiben.

Kritisch war die Lage am 25. und 26. März, als über Stunden das Netz wegen einer regional sehr unterschiedlichen Einspeisung am Limit war. „Ursächlich war die Verbindung aus hoher Einspeisung aus Windenergie- und Photovoltaikanlagen von bis zu knapp 30 GW am 25. März 2013, vorwiegend im nördlichen Deutschland und einer hohen Nichtverfügbarkeit konventioneller Kraftwerke im Süden.“

Sehr kritisch wird die vom Regierungspräsidium Darmstadt verfügte Stilllegung des Kohlekraftwerks Staudinger I gesehen. Als Begründung werden „immissionsschutzrechtliche Gründe“ angeführt. „Diese Stilllegung ist aus Sicht der Systemsicherheit nicht vertretbar.

Kommentare (11)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

wenkar

23.06.2013, 12:27 Uhr

"Stromnetze halten dem Winter stand"... Atomkraftwerke laufen ja auch noch...

vandale

23.06.2013, 12:29 Uhr

Ein wesentlicher Punkt wird hierbei nicht beleuchtet.

"Erneuerbare Energien" geniessen gesetzlichen Vorrang bei der Stromeinspeisung, tragen jedoch keinerlei Verantwortung für die Stabilität des Netzes.

Moderne Grosskraftwerke werden immer häufiger im unwirtschaftlichen Lastfolgebetrieb, Teillastbetrieb, warmer, oder kalter Bereitschaft gehalten. Fossile Kraftwerke erwirtschaften nicht mehr ihre Vollkosten. Der Bau neuer Grosskraftwerke ist zusammengebrochen.

Letztlich wird den Kraftwerksbetreibern ein Vermögensschaden zugunsten der Oekoreligion und den "Erneuerbaren Energien" zugefügt.

Teilweise trägt die gesamte Gesellschaft den Schaden mehr, oder minder durch die verminderten Unternehmenssteuern.

Selbst wenn man, wie Deutsche Journalisten, dem Rechtsstaat wenig Verständnis entgegenbringt, so ist das ein enormer Schaden den die Versorger mit zunehmender Oekostromeinspeisung immer weniger zu tragen in der Lage sein werden. Früher, oder später wird man Kapazitätsmärkte schaffen müssen. Dann können die Kosten für die Kapazitätsbereitstellung einen kleinen 2-stelligen Milliardenbetrag ausmachen den die Kundschaft zusätzlich tragen muss.

Vandale

Account gelöscht!

23.06.2013, 12:44 Uhr

Meine Rede.Bei uns im Neubaugebiet überall Solaranlagen auf dem Dach.Der Vermieter hat unser Dach einfach an fremde Investoren vermietet,die darauf dann Solarpanele setzten.Immer bei schlechtem Wetter oder Bewölkung schwankt dann das Stromnetz.Das war vorher nicht.
Meine Meinung ist und bleibt:Wer Solarstrom herstellt soll ihn auch selbst verbrauchen.Es darf nicht sein,dass die Allgemeinheit dafür bezahlt.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×