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13.03.2017

10:17 Uhr

Betrug in Südkorea

Buchprüfer werfen ABB Versagen vor

Nach dem millionenschweren Betrugsfall in Südkorea werden Vorwürfe gegen den Elektrokonzern ABB laut. Die Buchprüfer von Ernst &Young monieren, die Finanzberichterstattung sei nicht ausreichend kontrolliert worden.

Die Buchprüfer von Ernst & Young werfen dem Konzernschwere Versäumnisse bei der Kontrolle der Finanzberichterstattung vor. Reuters, Sascha Rheker

ABB

Die Buchprüfer von Ernst & Young werfen dem Konzernschwere Versäumnisse bei der Kontrolle der Finanzberichterstattung vor.

FrankfurtDie Wirtschaftsprüfer von Ernst & Young legen dem Management des Elektrokonzerns ABB nach einem Betrugsfall in Südkorea schweres Versagen zur Last. Der Konzern habe die Finanzberichterstattung nicht effektiv kontrolliert, erklärten die Buchprüfer in dem am Montag veröffentlichten Geschäftsbericht der Schweizer.

Speziell in Korea habe es eine ungeeignete Trennung von Pflichten und unangemessenen Zugang zur örtlichen Ressourcenplanung gegeben, kritisierte Leslie Clifford als verantwortlicher Auditor in seinem Prüfungsvermerk. Ein örtlicher Finanzdirektor hatte Firmengelder veruntreut, Unterlagen gefälscht und sich dann abgesetzt. Erst als er verschwunden war, fiel ABB auf, dass er einen Schaden von 103 Millionen Dollar vor Steuern angerichtet hatte.

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ABB habe bei der Zugangskontrolle zu Vertragsunterlagen versagt, was zu unautorisierten Kontrakten und letztlich unentdeckten Verbindlichkeiten geführt habe, monierten Clifford. Das Management habe zudem keine ausreichende Übersicht über die örtlichen Finanzaktivitäten gehabt. „Nach unserer Ansicht hat ABB wegen der erwähnten substanziellen Schwächen nicht für eine effektive Kontrolle des Finanzsystems gesorgt“, schließt Clifford.

Der durch den Betrug entstandene Schaden bekommt ABB voraussichtlich teilweise von Versicherungen ersetzt. Vor Steuern belaufe sich die Belastung damit auf 73 Millionen Dollar, erklärte ABB im Geschäftsbericht. 2016 verbuchte ABB einen Nettogewinn von 1,9 (Vorjahr: 1,93) Milliarden Dollar. Ursprünglich hatte der Siemens-Rivale für 2016 einen Überschuss von 1,96 Milliarden Dollar ausgewiesen.

Konzernchef Ulrich Spiesshofer hatte nach dem Auffliegen des Falles erklärt: „ABB hat eine Nulltoleranzstrategie in Bezug auf unethisches Verhalten und unterhält die höchsten Standards in Sachen Integrität und ethischen Geschäftsverhaltens.“ Der ohnehin scheidende Finanzchef Eric Elzvik gibt seinen Posten am 1. April an den bisherigen Nokia-Finanzvorstand Timo Ihamuotila ab. Dass Elzvik die Eidgenossen im zweiten Quartal verlässt, war bereits im Oktober angekündigt worden.

Von

rtr

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