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17.08.2016

13:14 Uhr

BHP Billiton mit Rekordverlust

Wie Australien seine Kohle verbrannt hat

VonUrs Wälterlin

Der Rohstoffboom in Australien ist endgültig vorbei. Zuletzt musste BHP Billiton einen Rekordverlust verkraften. Die Opfer vom Ende des großen Rauschs sind jene, die ihn möglich gemacht haben: Tausende Minenarbeiter.

Der britisch-australische Konzern hat kürzlich einen Rekordverlust verkündet. AFP; Files; Francois Guillot

Eisenerzgrube von BHP Billiton in Australien

Der britisch-australische Konzern hat kürzlich einen Rekordverlust verkündet.

CanberraWer sehen will, welche Folgen das Ende des Rohstoffbooms in Australien hat, geht am besten zur Toilette. In den Waschräumen abgelegener Minen-Camps sind die Seifenspender leer. Kumpel, die noch vor kurzem Hunderte von Litern an Flüssigseife mit Rosenduft im Jahr verbraucht haben, müssen wieder mit Billigware aus dem Supermarkt vorliebnehmen.

„Sparen ist angesagt, an allen Ecken und Enden“, erzählt Tom. Der 36 Jahre alte Australier lebt in Perth – und arbeitet als Lastwagenfahrer. „Aber ich will ja nicht klagen. Ich habe immerhin noch einen Job“, winkt er ab. Er ist auf dem Weg zur Arbeit – gut 2500 Kilometer weiter im Norden gelegen. Seinen vollständigen Namen mag Tom nicht nennen. „Wir schließen untereinander Wetten ab, wer als nächstes über die Klinge springt. Fast die Hälfte unserer Kumpel musste schon gehen. Da will ich nicht auffallen.“

Der Niedergang der Rohstoffindustrie in Australien schreitet voran. So hat der weltweite Rohstoffgigant BHP Billiton mit 6,4 Milliarden US-Dollar (umgerechnet 5,7 Milliarden Euro) den größten Jahresverlust der Unternehmensgeschichte eingefahren. Der Umsatz von 30,1 Milliarden Dollar fiel um 31 Prozent geringer aus als im Vorjahr. Marktbeobachter hatten dieses katastrophale Ergebnis erwartet.

Noch im vergangenen Jahr hatte der Konzern einen Gewinn von 1,9 Milliarden Dollar erwirtschaftet. Eine lächerlich kleine Summe im Vergleich zum Rekordgewinn von 2010/2011. Damals meldete der Bergbaukonzern, der seine Geschäftsrisiken breit gestreut hat, satte 23,6 Milliarden Dollar Gewinn. Obwohl Sonderabschreibungen und weitere Faktoren maßgeblich zu diesem vernichtenden Ergebnis beigetragen haben, offenbaren die Geschäftszahlen eines: Der Rohstoffboom in Down Under – dem traditionell wichtigsten Produktionsstandort des australisch-britischen Konzerns – ist endgültig vorbei.

BHP Billiton: Bergbauriese meldet Rekordverlust

BHP Billiton

Bergbauriese meldet Rekordverlust

Das weltgrößte Bergbau-Unternehmen BHP Billiton hat mit einem Verlust von 6,4 Milliarden Dollar das schlechteste Ergebnis seiner Firmengeschichte eingefahren. Nun sollen Sparmaßnahmen wieder Geld in die Kasse bringen

Nach 20 Jahren steten Wachstums spürt die Volkswirtschaft seit Monaten schmerzlich das Wegbrechen zwei wichtiger Treiber: die Steuern und die Rekordgehälter aus dem Rohstoffabbau.
Die Niedrigpreise für einen Großteil an Mineralien – darunter die beiden wichtigsten Exportprodukte Eisenerz und Kohle –hohe Lagerbestände, und das Bestreben Pekings, das wirtschaftliche Wachstum Chinas zu drosseln – all diese Faktoren setzen Australien mächtig zu. So muss der Fiskus in diesem Jahr mit deutlich weniger Abgaben zurechtkommen.

Auch die Privatwirtschaft ist betroffen: Alle Rohstoffkonzerne in Down Under müssen sparen. Jene zumindest, die das überhaupt noch können. Denn eine große Zahl an kleinen und mittleren Betriebe ist vorerst stillgelegt. Das Problem: Allein die Förderkosten liegen über dem Preis, den der Markt pro Tonne noch zahlt. Kumpel, die noch vor kurzem mit absurd hohen Gehältern in die Gruben gelockt wurden, sind entweder wieder in ihrem alten Berufen, oder arbeitslos.

Diese Geschichte seiner Kollegen kennt auch Lastwagenfahrer Tom. „Der Wind hat sich gedreht“, sagt er. Vor neun Jahren ist er in die Region Pilbara im einsamen Norden von Westaustralien gezogen. Er brachte genau das mit, was die Minen-Betreiber damals dringend suchten: Er konnte „Dump Trucks“ fahren. Diese Lastwagen fassen bis zu 400 Tonnen auf der Ladefläche – die Fahrzeuge sind je nach Modell größer als ein Einfamilienhaus.

Tom steuert die Riesenlastwagen je nach Schicht am Tag und in der Nacht. Er transportiert das Eisenerz aus der Mine zu einem Fließband. 100.000 Euro verdient er damit im Jahr. Viel Geld, dafür, dass er in „einer klimatisierten Kabine sitzt und Musik der Rolling Stones über fünf Lautsprecher hört“, wie er scherzt. Die Lokomotivführer unter seinen Kollegen, die bis zu zwei Kilometer lange, mit Eisenerz beladene Züge an die Küste fahren, können sogar mit 200.000 Euro rechnen.

Tom gehört zur Gruppe der Fifo-Arbeiter. Die Abkürzung steht für „fly-in-fly-out“. Tom darf alle drei Wochen auf Kosten der Firma für 14 Tage nach Hause fliegen. An der Ostküste ist er daheim. „Aber das Leben im Camp war auch nicht schlecht. Bis vor kurzem zumindest“. Einzelkabinen, Hollywood-Filme auf Abruf, Breitband-Internet und Essen wie im Fünf-Sterne-Hotel. „Gelegentlich gab’s Hummer“, erinnert er sich an die Annehmlichkeiten, die sein Job mit sich brachte. Und das mitten in der Wüste.
Diese Glanzzeit ist vorbei. Jede Firma kürzt Ausgaben: Gehälter werden eingefroren, Materialkosten reduziert, Pakete gestrichen. „Wir sind zwar noch nicht soweit, dass die Leute in den Camps ihr eigenes Gemüse anpflanzen müssen“, sagt Geologe Kevin Kartun. Doch wenn Firmen – seien sie auch noch so klein – keine Sparprogramme auflegen, sehe das gegenüber Aktionären „nicht gut aus“, erklärt der Chef einer Bergbau-Dienstleistungsfirma. So werden nicht nur Seifenspender stillgelegt.

Kommentare (12)

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Herr Old Harold

17.08.2016, 13:36 Uhr


Wollten wir das nicht alle?

Kohle, Erdöl, Erdgas, durch grüne Energien, wie Wind und Sonne ersetzen, damit unsere Enkel auch ohne Sauerstoffmaske auf unserem Planeten noch überleben können?

Mein Urgroßvater war noch Sattler von Beruf. Nach dem Siegeszug des Automobils über das Pferdefuhrwerk musste er jedoch umlernen.

Und was mein Urgroßvater konnte, sollten die "Opfer" im australischen Kohlebergbau wohl auch können!

Das Lamento kommt mir vor, wie das Gejammere der Vorstände von Eon und RWE: "Dass die Menschen auf "Grüne Energie" umstellen, wer konnte das denn auch ahnen??".

Herr Toni Ebert

17.08.2016, 13:42 Uhr

Für mi h bedeutet das nur, dass die Chinesen wohl etwas weniger produzieren. Man könnte auch sagen, dass Asien etwas kühler läuft. Aber alles läuft in Wellen. Und oft bezahlt man die freien und unbestechlichen Journalisten auch dafür, dass sie helfen, dass Hedgefonds gewisse Aktien zu (ver-) kaufen.

Immer wenn wirtschaftliche Wenden anstehen, kauft man sich die Medien und schon kann man Aktien gut verkaufen, die bald absacken.

Im vorliegenden Fall wäre es möglich, dass Asien / AUS gerade Anlauf für die nächste Rally nimmt.

Frau Annette Bollmohr

17.08.2016, 13:50 Uhr

"Die Opfer vom Ende des großen Rauschs sind jene, die ihn möglich gemacht haben: Tausende an Minenarbeitern."

Wie so oft bisher: Die einen haben das "Sagen" und sahnen ab, der Rest kriegt die Krümel ab und darf ansonsten sehen, wo er bleibt.

Braucht jemand noch mehr Argumente für die Dringlichkeit unserer Wirtschafts- (und damit zugleich politischen) Ordnung?

Über deren überall auf der Welt immer augenfälliger werdend Folgen - die aktuelle Wirtschafts- und politische Ordnung ist hier gemeint - sollte sich jetzt mal jeder schön seine eigenen Gedanken machen (falls er davon schon etwas mitgekriegt haben sollte).

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