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17.07.2016

17:29 Uhr

BHP Billiton, Rio Tinto, Glencore

Die Bergbauriesen steigen wieder ein

VonWolfgang Drechsler, Regine Palm

Nach dem steilen Absturz ziehen die Preise vieler Rohstoffe an. Die großen Bergbaukonzerne denken nach Jahren des Sparens nun wieder laut über neue Projekte nach. Doch hat die Branche aus ihren Fehlern gelernt?

Der Bergbaukonzern Rio Tinto investiert Milliarden in dem Land. AFP; Files; Francois Guillot

Minenprojekt in der Mongolei

Der Bergbaukonzern Rio Tinto investiert Milliarden in dem Land.

Kapstadt/Düsseldorf„Wir investieren in einer Zeit, wo die meisten aus unserem Sektor ihre Ausgaben noch weiter reduzieren“, sagte Laura Tyler, Chefgeologin bei BHP Billiton, jüngst auf eine Konferenz in Sydney. Der weltweit größte Bergbaukonzern will sein jährliches Budget für die Rohstoffsuche (Exploration) um mehr als ein Viertel auf 900 Millionen Dollar, umgerechnet rund 810 Millionen Euro, ausweiten. Im Fokus stehen vor allem Kupfer und Öl.

Noch Ende Januar hatte BHP bei seinen Schiefergas- und Ölgeschäften in den USA eine Abschreibung von über fünf Milliarden US-Dollar gemeldet, nachdem der Rohölpreis unter 30 Dollar gerutscht war. Inzwischen kostet Öl in Europa wieder um 45 Dollar je Barrel (159 Liter); damit ist es aber immer noch weniger als halb so teuer wie vor zwei Jahren.

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Besonders hochkarätige Diamanten werden für zig Millionen verkauft. Doch der breite Markt leidet unter schwacher Nachfrage, der größte Anbieter hat zuletzt die Preise zweimal gesenkt. Die Gründe dafür sind vielfältig.

Kaum anders sieht es etwa bei den Metallen aus. Viele werden noch immer rund 50 Prozent unter den Hochs von 2011 gehandelt. Der Schweizer Rohstoffkonzern Glencore verwies darauf, dass die Rohstoffpreise binnen relativ kurzer Zeit auf das Niveau vor dem Rohstoffboom zurückgefallen sind; der Boom dauerte von 2002 bis 2012. Die Minenbranche hatte daher in diesem Jahr geplante oder bereits getätigte Verkäufe in Höhe fast 30 Milliarden Dollar verkündet. Nun wächst bei den Konzernen der Optimismus, dass das Schlimmste hinter ihnen liegt.

Erste Unternehmen denken sogar wieder laut über neue Projekte nach. Der australisch-britische Bergbaukonzern Rio Tinto etwa investiert in die riesige Kupfermine Oyu Tolgoi in der Mongolei. Mit 5,3 Milliarden Dollar sollen 400 Millionen Dollar mehr als ursprünglich geplant in die Mine fließen. Die Förderung soll 2020 beginnen.

Bislang hatte der weltweit zweitgrößte Minenkonzern einen drastischen Sparkurs gefahren. Vorstandschef Sam Walsh wurde sogar nach einem Verlust von 866 Millionen Dollar und einer Dividendenkürzung zum 1. Juli gegen Jean-Sebastien Jacques ausgetauscht, den bisherigen Chef der Kupfer-Sparte. Er hat den Slogan ausgegeben: Ruhig bleiben und durchhalten. Der Konzern hat besonders unter dem Preisverfall von Eisenerz, seinem wichtigsten Rohstoff gelitten.

Die größten Goldproduzenten

Platz 10

Sibanye Gold - 44,2 Tonnen

Zum südafrikanische Goldproduzenten gehören die Minen Kloof and Driefontein in der Region West Witwatersrand und die Mine Beatrix in der Provinz Free State.

Quelle: Unternehmensangaben, GFMS, Thomson Reuters

Platz 9

Polyus Gold International - 50,9 Tonnen

Das russische Goldunternehmen hat seine Produktion seit 2004 enorm ausgeweitet. Seitdem die Matrosov-Goldmine erschlossen wurden, gehören die Moskauer zu den größten Goldproduzenten der Welt.

Platz 8

Gold Fields - 55,5 Tonnen

Der südafrikanische Minenbetreiber ging aus der britischen Holding „The Gold Fields of South Africa“ hervor und betreibt heute auch Minen in Australien, Ghana, Peru.

Platz 7

Newcrest Mining - 66,9 Tonnen

Die Unternehmen aus Melbourne fördert Gold in Australien, Indonesien und Papua Neuguinea. Mit der Übernahme von Linir Gold stieg es 2010 zu den größten Goldproduzenten der Welt auf.

Platz 6

Navoi Mining and Metallurgy Combinat - 74,1 Tonnen

Mit dem Uran- und Goldabbau gehört das Staatsunternehmen zu den größten in Uzbekistan. 2011 erwirtschaftete der Minenbetreiber einen Umsatz von 3,5 Milliarden US-Dollar.

Platz 5

Kinross Gold - 77,2 Tonnen

Auch die Kanadier gehören erst seit der Übernahme von Red Back Mining zu den größten Goldproduzenten. Sie betreiben zehn Minen in acht Ländern, unter anderem in Ghana und Mauretanien.

Platz 4

Goldcorp - 82,4 Tonnen

Der zweite kanadische Goldriese betreibt in Red Lake, Ontario, die ertragreichste Goldmine der Welt. Auch in Mexiko und Südamerika macht der Konzern gute Geschäfte. Das Silbergeschäft wurde 2004 abgestoßen.

Platz 3

Anglogold Ashanti - 126 Tonnen

Aus der Fusion der südafrikanischen Anglogold und dem ghanaischen Goldkonzern Ashanti ist einer der weltgrößten Goldproduzenten hervorgegangen. Das Unternehmen betreibt unter anderem die tiefste Goldmine der Welt, die Mponeng-Goldmine, die 3770 Meter in die Erde reicht.

Platz 2

Newmont Mining - 154 Tonnen

Der Goldrausch der Amerikaner ist längst international. Der Minenbetreiber aus Denver, Colorado, baut Gold in Kanada, Bolivien, Australien, Ghana, Indonesien, Neuseeland, der Türkei, Peru und Usbekistan ab. Weltweit Spitze ist aber ein anderes Unternehmen.

Platz 1

Barrick Gold - 223,9 Tonnen

Der weltgrößte Goldproduzent kommt aus Kanada und betreibt weltweit 28 Minen, die meisten davon in Nord- und Südamerika. Aber auch in ausgefallenen Abbaugebieten wie Tansania, Sambia und in der Dominikanischen Republik schürft das Unternehmen nach Gold.

Den Slogan bezieht Jacques aber wohl nicht auf alle Vorhaben. Denn in Westafrika hat er das milliardenschwere Eisenerz-Projekt Simandou erst einmal auf Eis gelegt. Das Unternehmen sehe „im gegenwärtigen Marktumfeld keinen Weg weiter“, sagte er der britischen Zeitung „The Times“. Wirklich verwundern kann der Rückzug nicht. Denn ein wenig Unsicherheit schwingt auch bei den neuen Vorhaben mit. Viele Rohstoffveteranen sind eben noch nicht völlig überzeugt, dass die Trendwende angesichts der schwachen Nachfrage dieses Mal wirklich von Dauer ist. Zu häufig sind die Erwartungen enttäuscht worden. Die bangen Blicke sind besonders auf China gerichtet, den größten Rohstoffverbraucher der vergangenen Jahre.

Zu den Optimisten gehörte zuletzt Tom Albanese vom indischen Konzern Vedanta. Er glaubt, dass die Rohstoffe das Tal der Tränen durchschritten haben. Vedanta will daher eine Milliarde Dollar investieren, um seine Zinkproduktion auszuweiten. Zwar sucht auch BHP nach Chancen, doch ist dessen Chef Andrew Mackenzie vorsichtiger.

Neben anhaltenden Zweifeln an der wirtschaftlichen Lage Chinas habe auch der Brexit für neue Unsicherheit gesorgt, da niemand die Auswirkungen verlässlich vorhersagen kann. „Die Bestände an den Märkten sind noch immer hoch und die Lage angespannt. Wir erwarten eine längere Phase anhaltend niedriger Preise und hoher Preisfluktuationen“, warnte Mackenzie. An einen Rückzug der Zentrale aus London denkt aber bisher wohl keiner der großen Bergbaukonzerne.

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