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06.02.2013

07:40 Uhr

Billigstrom

Verkaufsgerüchte um Flexstrom

VonJürgen Flauger, Sönke Iwersen

ExklusivDer Stromdiscounter Flexstrom fiel zuletzt vor allem durch Negativmeldungen auf. Nun haben mehrere Konkurrenten einen Kauf des Unternehmens geprüft. Dazu gehörten auch Tochterfirmen von Großkonzernen.

Das Logo des Stromanbieters Flexstrom am Eingang des Hauptsitzes in Berlin. dapd

Das Logo des Stromanbieters Flexstrom am Eingang des Hauptsitzes in Berlin.

BerlinDer seit Monaten in der öffentlichen Kritik stehende Billigstromanbieter Flexstrom steht möglicherweise vor einem Eigentümerwechsel. Das Berliner Unternehmen wurde bereits mehreren Konkurrenten zum Kauf angeboten, erfuhr das Handelsblatt (Mittwochausgabe) von Personen, die mit den Gesprächen vertraut sind. Unter anderem wurden die RWE-Tochter Eprimo sowie der Eigentümer des unabhängigen Gasanbieters Goldgas, der Finanzinvestor BluO, angesprochen, wie es in Kreisen heißt, die mit den Gesprächen vertraut sind. Mindestens ein weiterer großer unabhängiger Strom- und Gasanbieter soll sich die Flexstrom-Gruppe angeschaut haben.

Flexstrom-Sprecher Dirk Hempel äußerte sich ausweichend: „Richtig ist, dass uns seit Jahren Anfragen immer mal wieder von möglichen strategischen Partnern erreichen“, sagte er. „Die Flexstrom-Eigentümer stehen weiter voll und ganz zu ihrem Unternehmen.“

Flexstrom ist mit knapp 600 000 Kunden einer der größten unabhängigen Strom- und Gasanbieter Deutschlands. Das Unternehmen war erst 2003 gegründet worden und mit Billigangeboten jahrelang rapide gewachsen.  Die letzten vorliegenden Zahlen aus dem ersten Halbjahr 2012 zeigen aber, dass sich das Wachstum deutlich verlangsamt hat. Seit dem 31.12.2011 konnte die Gruppe die Kundenzahl nur noch um 7500 auf knapp 570.000 steigern. Die Stammmarke Flexstrom büßte rund 35.000 Kunden ein. Die Tochter Optimal Grün, die erst seit Oktober 2011 zur Flexstrom-Gruppe gehört, verlor im ersten Halbjahr 2012 ebenfalls 35.000 Kunden — das entspricht gut einem Drittel ihres Kundenstammes. Dabei hatte Flexstrom Optimal Grün 2011 für 20 Millionen Euro erworben.

Wie viel Haushalte für die EEG-Umlage pro Person monatlich zahlen müssen

Singles

2011 mussten Alleinstehende noch 6,34 Euro pro Monat auf ihre Stromrechnung zur Finanzierung der Energiewende draufbezahlen. Das entsprach 0,51 Prozent ihres Einkommens. 2013 werden es laut IW Köln nach der Erhöhung der EEG-Umlage 9,49 Euro oder 0,72 Prozent des Einkommens sein.

Paare ohne Kinder

2011 mussten Paare ohne Kinder noch 6,47 Euro pro Monat auf ihre Stromrechnung zur Finanzierung der Energiewende draufbezahlen. Das entsprach 0,31 Prozent ihres Einkommens. 2013 werden es laut IW Köln nach der Erhöhung der EEG-Umlage 9,68 Euro oder 0,44 Prozent des Einkommens sein.

Alleinerziehende

2011 mussten Alleinerziehende noch 5,94 Euro pro Monat auf ihre Stromrechnung zur Finanzierung der Energiewende draufbezahlen. Das entsprach 0,6 Prozent ihres Einkommens. 2013 werden es laut IW Köln nach der Erhöhung der EEG-Umlage 8,88 Euro oder 0,85 Prozent ihres Einkommens sein.

Paare mit Kindern

2011 mussten Paare mit Kindern noch 5,65 Euro pro Monat auf ihre Stromrechnung zur Finanzierung der Energiewende draufbezahlen. Das entsprach 0,34 Prozent ihres Einkommens. 2013 werden es laut IW Köln nach der Erhöhung der EEG-Umlage 8,45 Euro oder 0,48 Prozent ihres Einkommens sein.

Käufer und Verkäufer waren dabei identisch. Die Männer, die Optimal Grün gründeten und verkauften, waren dieselben Männer, denen auch Flexstrom gehört: Robert und Thomas Mundt halten jeweils knapp 45 Prozent an der Muttergesellschaft Flexstrom. Robert Mundt ist Vorstandsvorsitzender, sein Bruder Thomas Mundt sitzt im Aufsichtsrat. Jeweils fünf Prozent halten Finanzvorstand Martin Rothe und Andreas Felix, der Geschäftsführer von Löwenzahn Energie, einer weiteren Tochtergesellschaft von Flexstrom.

Im November wollte sich Flexstrom 35 Millionen Euro über eine Mittelstandsanleihe besorgen, gab das Vorhaben aber kurz darauf wieder auf.

Kommentare (20)

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06.02.2013, 07:57 Uhr

...ist vielleicht ein guter Ansatz, mittels überschaubarem Aufwand an einen umfangreichen Kundenstamm zu gelangen und dabei gleichzeitig einen Mitbewerber auszuschalten... ...ich hoffe in diesem Zusammenhang, daß allen, die Vorausleistungen erbracht haben, diese nicht wie bei Teldafax vorloren gehen...
Andererseits gehe ich weiterhin davon aus, daß im anderen Fall in kürze bei FlexStrom selbst die Lichter ausgehen...

HofmannM

06.02.2013, 08:55 Uhr

Welcher Käufer ist denn so verrückt eine solche Firma, wie Flexstrom, zu kaufen?!
Diese Firma ist mit Klagen überzogen. (Entschädigungskosten). Weiterhin ist eine abgewirtschaftet Geschäftsinfrastruktur nur mit sehr viel Kapital wieder herzustellen!
Da lässt doch die Konkurrenz daa Felxstrmunternehmen lieber untergehen und gewinnt (sammelt) danach deren Kunden am Markt auf!
So oder so werden die Kunden von Flexstrom auf dem Markt wieder tätig sein. Das sind überwiegend Wechselkunden. Die sind dieses Jahr hier und nächstes Jahr wieder wo anders. Das sind alles andere als wirtschaftliche Stammkunden!!!

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06.02.2013, 09:13 Uhr

Das ist doch eine total verbrannte Marke. Welches seriöse Unternehmen sollte daran Interesse haben? Das negative Sentiment gegenüber Flexstrom würde die seriöse Marke infizieren.

Wahrscheinlich ist es so wie bei Teldafax: Es werden irgendwelche, wahrscheinlich nicht existenten, Interessenten kolportiert um Kunden und Geldgeber zu beruhigen.
Bei Teldafax war immer von ominösen russischen Magnaten im Hintergrund die Rede. Gekauft hat den Laden natürlich keiner, denn auch Russen sind nicht total verrückt.

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