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09.07.2013

17:34 Uhr

Binnenschiffe stauen sich

Schleusen-Streit setzt Firmen zu

Stillstand an den Schleusen: Die Schifffahrt auf dem westdeutschen Kanalnetz ist zum Erliegen gekommen. Schuld dran ist ein Streik der Schleusenwärter. Unternehmen planen bereits um.

Mit der Aktion will die Gewerkschaft Verdi Druck machen auf die laufenden Verhandlungen mit dem Bund über den Umbau der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung. dpa

Mit der Aktion will die Gewerkschaft Verdi Druck machen auf die laufenden Verhandlungen mit dem Bund über den Umbau der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung.

Würzburg/StuttgartNach der Ausweitung der Streiks an den Schleusen droht Deutschlands Binnenschifffahrt streckenweise Stillstand. Allein im Ruhrgebiet steckten rund 80 Schiffe im Stau, weil die beim Bund angestellten Schleusenwärter ihre Arbeit niedergelegt haben. Hintergrund des Streiks ist ein geplanter Umbau der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung (WSV), von dem die Gewerkschaft Verdi einen massiven Stellenabbau befürchtet. Den Stillstand bekommen zunehmend auch Unternehmen zu spüren.

Nach ihren Kollegen in Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen traten am Dienstag auch WSV-Beschäftigte in Bayern, Niedersachsen und Bremen in den Ausstand. Von der Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt hieß es, die Schifffahrt auf dem westdeutschen Kanalnetz sei zum Erliegen gekommen. Vor allem der Mittellandkanal - eine wichtige West-Ost-Verbindung - sei von den Folgen des Streiks erheblich betroffen. Auch am unteren Ende des Neckars zwischen Mannheim und Heilbronn steckten Dutzende Schiffe fest.

Unternehmen beginnen, unter dem Stillstand an den Schleusen zu ächzen. Viele Firmen, etwa im Ruhrgebiet, werden normalerweise per Schiff mit Rohstoffen versorgt, oder sie lassen über Wasser fertige Produkte abtransportieren. Die Binnenschiffer sehen die Streiks daher auch mit großer Sorge. Der Bundesverband der Deutschen Binnenschifffahrt (BDB) kritisierte den auf eine Woche ausgelegten Arbeitskampf als unangemessen hart. Geschäftsführer Jens Schwanen warf Verdi vor, einzelne Unternehmer in existenzielle Nöte zu bringen.

„Wir befürchten, dass uns Kunden abspringen“, sagte Dirk Götz, Geschäftsführer der Reederei Ludwig & Jakob Götz in Neckarsteinach, der dpa. Der Autobauer Daimler, der vom Hafen in Stuttgart Teile in die Produktionen nach Übersee verschifft, hat nach Angaben einer Sprecherin bereits umgeplant und Transporte auf Lkw und Züge verlagert. Der Streik soll auf das gesamte Bundesgebiet ausgedehnt werden. Ausgenommen sind alle Beschäftigten, die mit der Bewältigung der Flutfolgen befasst sind.

Die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung kümmert sich um den Verkehr auf den Kanälen und Flüssen, die Bundeswasserstraßen sind. Außerdem unterhält die Behörde dort die anliegenden rund 450 Schleusen sowie Schiffshebewerke und Kanalbrücken. Verdi befürchtet, dass dem geplanten Umbau bis zu ein Viertel der 12 000 Arbeitsplätze zum Opfer fallen könnten.

Von

dpa

Kommentare (1)

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Hans-W.Duenner

10.07.2013, 13:54 Uhr

Rohrkrepierer WSV-Reform: Verursacher des für mehrere Wochen angekündigten bundesweiten Streik ist Bundesverkehrsminister Ramsauer, dessen verkorkste WSV-Reform über die Köpfe der Betroffenen hinweg unter Auslassung demokratischer Beratungsinstanzen par ordre du mufti durchgesetzt wurde. Ramsauer zeigte sich dabei absolut beratungsresistent, denn weder die Warnungen der Gewerbeverbände aus Schifffahrt und Häfen oder eindeutige Beschlüsse der Länderverkehrsminister noch Bedenken sachkundiger Oppositionspolitiker konnten ihn von seinem Vorhaben abbringen.Die Folgen dieser verkehrspolitisch fragwürdigen Entscheidungsstrategien werden nun auf dem Rücken der vor allem mittelständischen Binnenschifffahrtsunternehmer ausgetragen, die seit vier Jahren unter einer katastrophalen Markt- und Frachtenentwicklung leiden und nun durch die Folgen des Hochwassers und weitere streikbedingte Umsatzausfälle in ihrer Existenz bedroht sind. Aber auch die vom Hochwasser betroffenen Binnenhäfen sind dringend auf leistungsfähige Wasserstraßen angewiesen, um ihre Stammkunden zu bedienen. Ein mehrwöchiger Streik könnte die Verlader veranlassen, ihre Transportmengen dauerhaft auf andere Verkehrsträger zu verlagern - ein Szenario, das Bundesverkehrsminister Ramsauer am Ende seiner Amtszeit im Wahlkampf wohl kaum gebrauchen kann – hat er doch gegenteilige Entwicklungen zu Gunsten der Binnenschifffahrt versprochen. Die WSV Reform droht damit zum wirtschafts- und verkehrspolitischen Rohrkrepierer zu werden, den Peter Ramsauer selbst zu verantworten hat.
Hans-Wilhelm Dünner

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