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01.11.2016

15:40 Uhr

BP bricht ein, Shell überrascht

Ölkonzerne unter Druck

Der niedrige Ölpreis zwingt die Ölmultis, sich anzupassen. Das gelingt Shell überraschend gut. BP erleidet hingegen einen Gewinneinbruch, schneidet aber besser ab als befürchtet.

Druck auf der Zapfpistole wie auch auf dem Markt: Der niedrige Ölpreis belastet die Ölmultis. dpa

BP

Druck auf der Zapfpistole wie auch auf dem Markt: Der niedrige Ölpreis belastet die Ölmultis.

LondonDie niedrigen Preise für Rohöl machen den großen Ölkonzernen zu schaffen. Der britische Ölmulti BP musste im dritten Quartal eine Halbierung seines Gewinns hinnehmen, wie er am Dienstag in London mitteilte. BP erwirtschaftete einen bereinigten Gewinn zu Wiederbeschaffungskosten von 933 Millionen US-Dollar (rund 850 Mio Euro). Im Vorjahreszeitraum hatte das Unternehmen noch 1,8 Milliarden Dollar Gewinn erzielt. Analysten hatten jedoch mit einem noch stärkeren Rückgang gerechnet. BP will seinen Aktionären weiter 10 Cent Dividende je Aktie zahlen. An der Börse fiel die Aktie dennoch zunächst um rund drei Prozent.

Der Konkurrent Royal Dutch Shell überraschte hingegen mit einem Gewinnsprung. Dank einer höheren Produktion wegen der Übernahme des Wettbewerbers BG sowie Sparmaßnahmen verdiente der britisch-niederländische Konzern unterm Strich im dritten Quartal 1,45 Milliarden Dollar. Vor einem Jahr hatten hohe Abschreibungen für einen Verlust von mehr als 6 Milliarden Dollar gesorgt.

Exxon, Chevron, Total: Quartalsgewinn der Ölmultis bricht ein

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Quartalsgewinn der Ölmultis bricht ein

Die Ölkonzerne haben in den vergangenen drei Monaten deutlich weniger verdient als in den ersten beiden Quartalen dieses Jahres. Grund ist der anhaltend niedrige Ölpreis. Die Folge: drastische Investitionskürzungen.

Der für die Analysten wichtige bereinigte Gewinn zu Wiederbeschaffungskosten – ohne Lagerbestandsveränderungen und Bewertungseffekte – stieg um 18 Prozent auf 2,8 Milliarden Dollar, wie Shell am Dienstag berichtete. Das war eine Milliarde mehr als von Experten erwartet. Die Aktie legte zweitweise um vier Prozent zu. Den Anteilseignern will Shell weiter 0,47 Dollar Dividende je Aktie zahlen.

Konkurrent BP machte für den Gewinneinbruch den niedrigen Ölpreis und kleinere Gewinnspannen verantwortlich. Positiv wirkten sich demnach eine verbesserte Kostenposition und steuerliche Effekte aus. „Wir machen weiterhin gute Fortschritte, uns dem herausfordernden Preis- und Marktumfeld anzupassen“, schrieb BP-Finanzchef Brian Gilvary in einer Mitteilung.

Shell-Chef Ben van Beurden warnte vor anhaltender Unsicherheit durch den niedrigen Ölpreis. „Die Aussichten bleiben ungewiss“, schrieb er in einer Mitteilung. Shell kämpft seit längerem mit Kostensenkungen, Zurückhaltung bei Investitionen und dem Verkauf von Unternehmensteilen gegen den Ölpreisverfall. Der Konzern hat im Februar die milliardenschwere Übernahme der BG Group abgeschlossen. Sie ist für Shell unter anderem wegen ihrer Gasfelder in Brasilien interessant. Der Konzern hatte angekündigt, im Zuge der Übernahme 12.500 Stellen abzubauen.

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Von

dpa

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