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25.01.2017

18:05 Uhr

BP-Energieprognose

Tankstelle wird zum Brennpunkt der Energiewende

VonFranz Hubik

Nirgendwo wird so viel Erdöl verbrannt wie im Verkehrssektor. Die Zapfsäule ist der heilige Gral der Ölmultis. Doch auf lange Sicht löst die Petrochemie Autos und Flugzeuge als Wachstumstreiber ab. Eine Zeitenwende.

Tankstellen sind das Aushängeschild der Ölkonzerne. dpa

Zapfsäule

Tankstellen sind das Aushängeschild der Ölkonzerne.

BerlinErdöl ist aus unserem Leben kaum noch wegzudenken. Der Rohstoff steckt in unzähligen Produkten unseres Alltags. Die Sohlen unserer Schuhe bestehen ebenso aus Erdöl wie Plastiktüten, Zahnbürsten oder Computertastaturen. Mit Ölkonzernen wie BP, Shell oder Exxon verbinden die meisten von uns aber vor allem eines: die Zapfsäule. Das hat einen guten Grund: Nirgendwo wird weltweit mehr Öl verbrannt als im Verkehrssektor. Mehr als 60 Prozent der weltweiten Ölnachfrage basiert darauf, dass unsere Autos mit Benzin und Diesel betankt werden und Flugzeuge mit Kerosin.

Tankstellen sind das Aushängeschild der Ölkonzerne. Der britische Multi BP geht zwar davon aus, dass das zunächst auch so bleiben wird. Denn das Wachstum der Ölnachfrage werde auch in den nächsten Jahren noch zu zwei Dritteln vom Transportsektor befeuert, schreiben die Analysten des Konzerns in ihrer alljährlichen langfristigen Energieprognose. Doch in dem Energy-Outlook, den BP am Mittwoch veröffentlichte, kündigt sich parallel eine Zeitenwende an.

Ab 2035 dürfte der wichtigste Wachstumstreiber bei der Ölnachfrage nicht mehr der Verkehrssektor, sondern die Industrie sein. Konkret soll in den nächsten zwei bis drei Jahrzehnten nicht mehr das Betanken von Autos, Lastwagen oder Flugzeugen die wichtigste Quelle bei der Ölnachfrage sein, sondern die Herstellung von Plastik, Fetten, Ölen, Medikamenten und anderen petrochemischen Produkten. Diese Entwicklung sei „ein ziemlicher Wandel“ in Bezug auf vergangene Energieprognosen, sagt Spencer Dale, Chefökonom von BP.

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Die Bedeutungsverschiebung von Transport hin zu Petrochemie ist für Ölkonzerne ein „zweischneidiges Schwert“, sagte John Feddersen dem Handelsblatt. Aus der Sicht des Direktors des Energieberatungsunternehmens Aurora Energy Research reduziere diese Entwicklung zwar den Einfluss der Klimapolitik auf das Geschäftsmodell der Multis, weil die petrochemische Nutzung von Öl nahezu keine weiteren CO2-Emissionen verursache.

Gleichzeitig ist damit aber das vertikal integrierte Geschäftsmodell der Konzerne bedroht – von der Ölförderung bis zum Absatz an der Tankstelle. „Die Ölkonzerne werden sich anpassen müssen“, sagt Feddersen. Denn bisher haben die meisten Rohstoffriesen entweder gar kein oder nur ein relativ unbedeutendes Petrochemie-Geschäft. Der Fokus der Unternehmen liegt aktuell fast ausschließlich auf dem Kraftstoffgeschäft, so Feddersen. Der Ökonom ist überzeugt: Tankstellen werden immer stärker zum „Brennpunkt der Energiewende im Verkehrssektor“.

Elektroautos, rückläufiger Spritverbrauch, neue Mobilitätskonzepte: Schon jetzt gerät das Geschäftsmodell von klassischen Tankstellen zunehmend unter Druck. Denn allein binnen des nächsten Jahrzehnts wird der Kraftstoffverbrauch nach Berechnungen der Unternehmensberatung Roland Berger aufgrund von effizienteren Motoren um gut 30 Prozent zurückgehen. Neue Mobilitätsangebote wie Carsharing wirken sich zudem negativ auf das Geschäftsmodell von Tankstellen aus. Der Grund: Wer sich sein Auto teilt, braucht weniger Sprit.

Kommentare (3)

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25.01.2017, 18:54 Uhr

Hallo Redaktion,
Sie sind auf E-Fahrzeuge fixiert, beachten Sie die Entwicklung auf den Gas Sektor, insbesondere LNG.

Rainer von Horn

26.01.2017, 08:14 Uhr

Wenn die "Energiewende" auch künftig so inkometent gehändelt wird wie bisher, will heissen mit prioritärem Blick auf die Energieumlagen und die Steuern hierauf, bei gleichzeitigem Verweigern bei Klimazielen, dann könnte für die Ölmultis ein tragfähiges Geschäftsmodell darin bestehen, das Öl in Großanlagen zu verstromen und den Strom an "ökologisch bewusste Autofahrer" an den Tankstellen zu verkaufen, wobei Funkenschlag in der Nähe vom fossilen Zapfhahn vermieden werden sollte.

Seit 2009 hat sich nämlich beim CO2-Ausstoß in Deutschland tendenziell nichts mehr verringert, dafür haben sich Umlagen und Steuern auf Strom verdoppelt, ohne daß dies die Öko-Politik oder windrad- und solarzellenbetreibenden Umweltschützer denn irgendwie jucken würde.

Account gelöscht!

26.01.2017, 09:23 Uhr

Ich weis zwar nicht, wo die Grün-Sozialistische Merkel Energiewende noch einen Blumentopf gewinnen will aber sei es drum. Deutschland geht halt weiter ihren Mangel und Armutsweg mit der Dekarbonierung der Gesellschaft auch "Große Transformtion" genannt. Googeln Sie ruhig mal danach und auch gleich nach WBGU. Die neue Grüne Kommunisten Welt lässt hier grüßen.

Der Rest der Welt geht weiter den Wohlstandschaffenden Weg des Leben mit der Karbonisierung = Kohle, Gas, Oel und Kernkraft.

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