Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

02.02.2016

15:04 Uhr

BP, Exxon, Shell

Alle Öl-Giganten schmieren ab

VonCarsten Herz

Der Energieriese BP fährt wegen des Ölpreisverfalls den höchsten Verlust seit über 20 Jahren ein. Erneut werden die Investitionen gedrosselt. Die dramatischen Zahlen sind auch ein schlechtes Omen für die Konkurrenten.

Die niedrigen Treibstoffpreise freuen Verbraucher, lasten aber auf Ölkonzernen wie BP. AFP

BP und der Ölpreis

Die niedrigen Treibstoffpreise freuen Verbraucher, lasten aber auf Ölkonzernen wie BP.

LondonBob Dudley ist ein Veteran der Branche. Der Amerikaner an der Spitze des britischen Ölgiganten BP kennt die Krise in den 80er-Jahren noch aus eigener Anschauung und warnte bereits vor einem Jahr vor einem „tosenden Sturm“, der angesichts des Ölpreisverfalls auf die Branche zusteuere. Umso genauer hörten die Experten nun wieder hin, als der 60-jährige Manager mit der langen Erfahrung und den schütteren Haaren bei der Vorlage der Jahreszahlen an diesem Dienstag seine Sicht auf die Entwicklung der Branche kundtat. Und erneut wählte Dudley deutliche Worte.

„Der Konzern muss sich rasch dem veränderten Marktumfeld anpassen“, mahnte der BP-Chef am Dienstag, als er in der Firmenzentrale am feinen Londoner St. James's Square über die Lage der Branche sprach. Was der Vorstandsboss nicht sagte, aber jeder an den Ziffern sah: Noch hat BP bei dieser Übung durchaus Luft nach oben.

BP mit Milliarden-Minus: Ölpreis-Verfall ist schlimmer als Deepwater Horizon

BP mit Milliarden-Minus

Ölpreis-Verfall ist schlimmer als Deepwater Horizon

Der Ölpreis bleibt im Keller – und BP schreibt Milliarden ab. Der Ölmulti macht 2015 ein Minus von 6,5 Milliarden Dollar. Das ist der höchste Verlust seit mindestens 20 Jahren. Wie geht es jetzt weiter?

Es ist eine tiefe Bremsspur, die der freie Fall der Ölpreise in den Büchern des britischen Energiemultis hinterlässt. Mit 6,5 Milliarden Dollar fährt BP den höchsten Jahresverlust seit mindestens 20 Jahren ein. Selbst 2010, als BP Belastungen aus der verheerenden Öl-Katastrophe im Golf von Mexiko verbuchte, war das Ergebnis nicht so schlecht. Allein im Schlussquartal summierten sich die Wertberichtigungen wegen des Ölpreis-Verfalls auf 2,6 Milliarden Dollar, wie Dudley zähneknirschend darlegte. Der Ölpreis ist vergangenes Jahr wegen des weltweiten Überangebots um rund ein Drittel eingebrochen. Seit Mitte 2014 beträgt das Minus sogar 70 Prozent.

Der um Sondereffekte bereinigte Gewinn zu Wiederbeschaffungskosten schrumpfte im vierten Quartal 2015 auf 196 Millionen US-Dollar – drastisch weniger als erwartet und auch schwächer als der Rivale Shell. Im Vorjahreszeitraum hatte der Gewinn von BP noch 2,2 Milliarden Dollar betragen.

Die Chronik des Ölpreisverfalls

Der Verfall

Ein weltweites Überangebot bei schwächelnder Nachfrage setzt dem Ölpreis immer stärker zu. Noch im Juni 2014 kostete ein Barrel (Fass zu je 159 Liter) Nordseeöl der Sorte Brent 115,7 Dollar. Derzeit kostet ein Fass Öl aus der Nordsee weniger als 33 Dollar.

Die Gründe

Ein Grund für das Überangebot ist der Schieferölboom in den USA. Ein anderer ist die Förderpolitik der Opec, die anders als in früheren Jahren den Preis nicht durch die Senkung von Fördermengen stützen will oder kann. Stattdessen kämpfen die Kartellmitglieder mit Rabatten um ihre Marktanteile. Diese Preis-Meilensteine durchschritt die Ölsorte Brent seit Anfang 2015:

7. Januar 2015

Der Brent-Preis fällt zum ersten Mal seit Mai 2009 unter 50 Dollar je Fass.

13. Januar 2015

Mit 45,19 Dollar erreicht Brent den niedrigsten Stand seit März 2009.

3. Februar 2015

Spekulationen auf einen deutlichen Rückgang des Überangebots treiben den Preis für Brent wieder über 55 Dollar.

6. Mai 2015

Export-Ausfälle in Libyen schüren Spekulationen auf einen Versorgungsengpass: Der Ölpreis steigt bis auf 69,63 Dollar.

3. August 2015

Erstmals seit Januar rutscht Brent wieder unter die 50-Dollar-Marke. Auslöser ist ein Rekordanstieg der Ölproduktion der Opec-Länder im Juli.

24. August 2015

Aus Sorgen vor einer deutlichen Abkühlung der chinesischen Wirtschaft machen Anleger einen großen Bogen um Öl. Brent verbilligt sich um bis zu 6,5 Prozent auf 42,51 Dollar. Damit kostet das Nordsee-Öl so wenig wie zuletzt im März 2009.

8. Dezember 2015

Nachdem die Opec ihre Förderpolitik bestätigt hat und in der Abschlusserklärung nicht einmal mehr eine Zahl für die Obergrenze der Produktion auftaucht, gehen die Notierungen erneut in die Knie: Brent fällt auf bis zu 39,81 Dollar und ist damit so billig wie zuletzt im Februar 2009.

21. Dezember 2015

Brent kostet mit rund 36 Dollar so wenig wie zuletzt im Juli 2004.

4. Januar 2016

Nach der Hinrichtung eines schiitischen Geistlichen im sunnitischen Saudi-Arabien eskaliert der seit langem schwelende Konflikt zwischen dem Iran und dem Königreich. Dies macht eine gemeinsame Linie der beiden Opec-Mitglieder in der Ölpolitik unwahrscheinlich. Die Preise nehmen ihre Talfahrt wieder auf.

7. Januar 2016

Brent stürzt um sechs Prozent auf 32,16 Dollar ab und notiert damit so niedrig wie zuletzt im April 2004. Damals hatte der Preis zuletzt die 30-Dollar-Marke unterschritten.

Die Marktteilnehmer waren zwar auf einen Gewinnrückgang vorbereitet gewesen, allerdings nicht auf so einen so drastischen. Die von der Nachrichtenagentur Bloomberg befragten Analysten hatten im Schnitt mit einem bereinigten Gewinn von 815 Millionen Dollar im Schlussquartal gerechnet. Die Reaktion der Börse fiel deutlich aus. Die Aktie rutschte am Vormittag um fast 7 Prozent ins Minus.

„Das sind sehr enttäuschende Zahlen“, sagte etwa Öl-Analyst Ahmed Ben Salem von der französischen Investmentbank Oddo. Sollte der Ölpreis weiterhin um die Marke von 30 Dollar pendeln, dann seien zusätzliche Sparmaßnahmen unumgänglich.

Kommentare (10)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

02.02.2016, 15:14 Uhr

Das nennt man auch Marktbereinigung. Der Oelmarkt reinigt so zu sagen von selbst.
Angebot, Nachfrage und Wettbewerb und als Marktbereiningung/Korrektur eben auch die Insolvenz bzw. "Abschmieren".

Diese "Reinigende Gewitter", also die Bereinung durch Insolvenz hätte auch im Bankensektor = Finanzbranche längst stattfinden MÜSSEN!. Hier hat aber die korrupte Politik mit ihren Rettungsgesetzen auf Kosten der freien Gesellschaft (Sparer und Steuerzahler) das Abschieren = die Bereinigung des Marktes bis heute verhindert bzw. behindert.
Eines ist nämlich klar...die Marktbereinigung wird auch vor der Bankenbranche nicht halt machen. ist nur die Frage wieviel an Gesellschaftsvermögen die Politik noch zum Fenster hinaus und den Finanzhaien über den Mafia Boss Draghi in den Rachen wirft.

Account gelöscht!

02.02.2016, 15:20 Uhr

Öl unter 30 USD, Deutschland braucht mehr Wind, Sonnenkraft. und ganz viel
von der Energie, die sich von selbst erneuert.

Frau Annette Bollmohr

02.02.2016, 15:27 Uhr

Ja mei, die Zeiten ändern sich nun mal, und das einzig Beständige ist bekanntlich der Wandel.

Wenn mit Öl kein Geschäft mehr zu machen ist, muss man sich eben neue Geschäftsfelder erschließen.

Ist auch besser so. Stichworte Klimawandel, „schmutziges“ Öl (Terrorfinanzierung), Umweltverschmutzung etc. pp.

Ist eigentlich schon mal jemandem aufgefallen, dass gerade die Staaten, deren Wirtschaft in besonderem Maße vom Öl abhängig ist, hinsichtlich ihrer politischen und wirtschaftlichen Stabilität (und insbesondere, was die humanitäre Situation dort angeht) überdurchschnittlich oft Anlass zur Sorge geben?

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×