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24.04.2015

11:56 Uhr

Braunkohle

Mibrag legt Kraftwerkspläne auf Eis

Die Mitteldeutsche Braunkohlegesellschaft (Mibrag) hat den Bau eines Braunkohlekraftwerks in Sachsen-Anhalt gestoppt. Grund dafür seien die politischen Voraussetzungen, die den Betrieb unwirtschaftlich machten.

Beschäftigte der Mitteldeutschen Braunkohlengesellschaft auf dem Betriebsgelände des Unternehmens in Profen (Sachsen-Anhalt). Ursprünglich wollte die Mibrag das Kraftwerk in den Jahren 2017/18 ans Netz bringen. dpa

Mibrag-Protestkundgebung

Beschäftigte der Mitteldeutschen Braunkohlengesellschaft auf dem Betriebsgelände des Unternehmens in Profen (Sachsen-Anhalt). Ursprünglich wollte die Mibrag das Kraftwerk in den Jahren 2017/18 ans Netz bringen.

HalleDie Mitteldeutsche Braunkohlengesellschaft (Mibrag) legt den Bau eines Braunkohlekraftwerks bei Profen in Sachsen-Anhalt auf Eis. Unter den gegenwärtigen politischen Rahmenbedingungen sei es nicht möglich, ein Kraftwerk, für das 1,5 Milliarden Euro investiert werden und das 40 Jahre laufen sollte, wirtschaftlich zu betreiben, sagte Mibrag-Geschäftsführer Joachim Geisler der in Halle erscheinenden „Mitteldeutschen Zeitung“ vom Freitag.

Die Mibrag wollte das Kraftwerk Profen in den Jahren 2017/18 ans Netz bringen. Um es mit Kohle zu versorgen, hatte das Unternehmen bereits begonnen, den Neuaufschluss eines Tagebaus bei Lützen vorzubereiten. Ob auch der damit vom Tisch ist, ließ Geisler offen. "Hier muss man die weitere Entwicklung abwarten", sagte er der Zeitung. Gegen beide Projekte hatte es im Burgenlandkreis in den vergangenen Jahren heftige Bürgerproteste gegeben.

Das Finale im „Fracking-Kampf“ (2)

Fracking auf Sparflamme

Für die einen ist Fracking das neue Atom. Böse und unbeherrschbar. Für die anderen verspricht die unkonventionelle Gasförderung aus tiefen Gesteinsschichten eine Art moderneren Goldrausch. In den USA purzelten dadurch die Energiepreise. In Deutschland gibt es bisher keine gesetzliche Regelung, es wäre also möglich. Nach einem 2013 gescheiterten Anlauf will das Kabinett nun ein Gesetzespaket beschließen: Damit dürfte es Fracking vorerst nur auf Sparflamme geben, aber es gibt eine hochumstrittene Hintertür.

Warum sind die Gräben so tief? (1)

Wesentlich dazu beigetragen hat der Dokumentarfilm „Gasland“ (2010) über die US-Fracking-Revolution. In einem Fördergebiet in Colorado kam Wasser aus dem Hahn, das sich entzünden ließ. Doch der brennende Hahn hatte letztlich nichts mit Fracking zu tun, sondern es ging wohl nur um bodennahes Methan, das in der Gegend das Wasser belastete und sich entzünden ließ.

Warum sind die Gräben so tief? (2)

Doch der Film veränderte auch in Deutschland massiv die öffentliche Meinung – gerade in möglichen Fördergebieten wie Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. Bis hin zu den Bierbrauern reicht die Protestfront. Wasserführende Schichten liegen zwar meist weit höher als die Fracking-Zonen, aber viele befürchten durch Förderung und Rückflüsse eine Verunreinigung.

Wird in Deutschland nicht längst großflächig Gas „gefrackt“?

Ja. Seit 1961 wird in Deutschland mit Hilfe der Fracking-Technik aus tiefen Hohlräumen Gas gefördert – dies bleibt unter strengen Auflagen wie Umweltverträglichkeitsprüfungen weiterhin erlaubt. Die Regierung grenzt es nun ab von dem noch neuen unkonventionellen Fracking, bei dem mit Quarzsand und Chemikalien vermischtes Wasser unter hohem Druck in Schiefer- und Kohleflözgestein gepresst wird. Dadurch wird das Gestein auf großer Fläche aufgebrochen, so dass aus feinen Rissen das dort lagernde Gas entweicht, und eben nicht aus Hohlräumen.

Wie groß ist das Förderpotenzial?

Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) betont, dass die technisch gewinnbare Menge an unkonventionellem Schiefergas bis zu 1,3 Billionen Kubikmeter betragen kann. Der jährliche Verbrauch liegt bei 85 bis 90 Milliarden in Deutschland - somit könnte der Verbrauch theoretisch bis zu 14 Jahre gedeckt werden. Fracking könnte auch helfen, unabhängiger von Russland zu werden. Unternehmen werden aber nur investieren, wenn sie nach der zunächst geplanten Erprobungsphase auf kommerzielle Förderung hoffen können.

Welche Auflagen wird es geben?

Geplant ist ein Fracking-Verbot für folgende Bereiche: Naturschutz-, Wasser- und Heilquellenschutzgebiete; Einzugsgebiete von Talsperren und Seen, die der Wasserversorgung dienen; für die Einzugsgebiete von Wasserentnahmestellen zur Wasserversorgung sowie im Bereich von Brunnen. Die 16 Bundesländer können das Verbot noch erweitern auf Mineralwasservorkommen und auf Wasserentnahmestellen für die Herstellung von Getränken wie zum Beispiel Bier. Außerhalb der Gebiete wird Fracking in einer Tiefe von 0 bis 3000 Metern untersagt, unkonventionelle Gas-Vorkommen liegen meist bei 1000 bis 2000 Metern.

Ein von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) vorgelegtes Eckpunktepapier sieht vor, den jährlichen CO2-Ausstoß der deutschen Kraftwerke zur Stromproduktion bis 2020 um 22 Millionen Tonnen zu senken, um nationale Klimaschutzziele einzuhalten. Das Vorhaben könnte zur Abschaltung besonders klimaschädlicher Braunkohlekraftwerke oder zumindest einer Klima-Strafabgabe für diese führen.

Mibrag ist ein Bergbauunternehmen mit Hauptsitz in Zeitz in Sachsen-Anhalt. Das Unternehmen mit rund 3000 Beschäftigten fördert Braunkohle im Länderdreieck Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Es betreibt zudem drei Kraftwerke.

Von

afp

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