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01.08.2013

17:12 Uhr

British Gas

Energieversorger von der Insel verschenkt Strom

VonDana Heide

Die Energiewende treibt manch seltsame Blüten, doch diese ist einer der erfreulicheren. Der britische Energieversorger British Gas verschenkt demnächst Strom an seine Kunden – aber nur an Samstagen.

Samstags kostenlos Wäsche waschen – das ist für 600.000 Menschen im Vereinigten Königreich demnächst möglich. dpa

Samstags kostenlos Wäsche waschen – das ist für 600.000 Menschen im Vereinigten Königreich demnächst möglich.

DüsseldorfSamstags waschen Kunden des britischen Energieversorgers British Gas demnächst kostenlos ihre Wäsche, sie müssen weder den Strom für den Fernsehabend noch jenen für die Zubereitung des Mittagsessens bezahlen. Derzeit testet das Unternehmen in einem Pilotprojekt die neuen Tarife, ab Anfang nächsten Jahres sollen dann alle Kunden mit einem sogenannten Smart Meter, einem intelligenten Strommesser, samstags kostenlos Strom geliefert bekommen. Sie müssen sich allerdings dazu verpflichten, einen Teil ihres Stromverbrauches auf das Wochenende zu verschieben.

Das Unternehmen will so die Verbrauchszeiten seiner Kunden verschieben. Am Wochenende braucht die Industrie wesentlich weniger Strom – und in Zeiten von immer mehr erneuerbaren Energien bleiben die Energieversorger so immer öfter auf ihrem Strom sitzen. Denn Wind- und Solaranlagen können eben nicht so einfach reguliert werden wie etwa Atom- und Gaskraftwerke. Sie produzieren Strom, wenn der Wind bläst und die Sonne lacht. Private Haushalte sollen mit den neuen Tarifen einen Anreiz bekommen, etwa ihre Wäsche lieber am Wochenende zu waschen als unter der Woche und so den Verbrauchsabfall der Industrie auszugleichen.

Die wichtigsten Antworten zu Smart Metern

Was sind Smart Meter?

Ein Smart Meter, oder intelligenter Stromzähler, hat im Vergleich zu herkömmlichen Zählern zwei Vorteile. Zum einen zeichnet er den Stromverbrauch im Minutentakt auf. Außerdem kann er die erfassten Daten direkt zum Messstellenbetreiber, Messdienstleister, Energieversorger oder eben den Computer des Stromverbraucher übertragen.

Für wen sind die Smart Meter Pflicht?

Seit Januar 2010 müssen Smart Meter in Neubauten und bei Grundsanierungen eingebaut werden. Außerdem sind Haushalte mit einem Stromverbrauch von mehr als 6.000 Kilowattstunden sowie Betreiber von Photovoltaik-Anlagen mit mehr als 7 Kilowatt verpflichtet, einen solchen intelligenten Strommesser zu nutzen.

Wo liegen die Gefahren?

Weil Smart Meter den Stromverbrauch in einer hohen Frequenz aufzeichnen, entstehen viele persönliche Daten. So kann man etwa ablesen, wie lange und wann jemand geduscht, also eine große Menge an Warmwasser genutzt hat. Da die Geräte via Internet etwa mit dem Energieversorger verbunden werden können, entsteht auf diese Weise ein mögliches Einfallstor für Hacker.

Was kann alles abgelesen werden?

Die FH Münster testete im Jahr 2011 ein Gerät, welches den Strom im Sekundentakt maß. Anhand dieser Aufzeichnungen konnten die Forscher sogar herausfinden, was der Stromverbraucher im Fernsehen sah. Denn die modernen LCD-Fernseher sind mit einer Hintergrundbeleuchtung ausgestattet, die sich je nach Helligkeit der Szene an- und abschaltet. Auf diese Weise entsteht ein Code, an dem man durch Vergleich ablesen kann, welche Sendung in dem Moment geschaut wird. Inzwischen sind aber vor allem Geräte im Einsatz, die im 15-Minuten-Takt messen. Mit ihnen ist so etwas nicht mehr möglich.

Wie sieht es in anderen Ländern aus?

Italien gilt als Vorreiter bei der Installation von Smart Metern. Aber auch andere Ländern treiben die Umrüstung voran, etwa Dänemark, Finnland, Deutschland, Spanien und das Vereinigte Königreich.

600.000 Kunden könnten ihren Strom demnächst samstags umsonst beziehen – alle Kunden von British Gas, die ein Smart Meter installiert haben. Bisher nutzen nur einige wenige Verbraucher diese Möglichkeit innerhalb eines Testprojekts. „Die ersten Ergebnisse sind sehr positiv“, heißt es in einem Statement von British Gas für Handelsblatt Online.

Centrica, die Muttergesellschaft des Unternehmens, bietet bereits in Nordamerika einen solchen Tarif an. Der sei „sehr beliebt“ bei den Kunden, heißt es von British Gas.

Auch in Deutschland bieten einige Energieversorger Tarife an, die auf den unterschiedlichen Stromverbrauch im Tagesverlauf eingehen, wenn auch nicht so drastisch wie British Gas. Beim Düsseldorfer Stromkonzern Eon etwa zahlen einige Smart-Meter-Kunden in der Zeit von 21 bis 7 Uhr weniger für ihren Strom. Auch der Essener Konkurrent RWE hat eine solche Variante im Angebot. „Sparzeit“ ist bei RWE wochentags von 20 bis 8 Uhr und am gesamten Wochenende. Dann zahlen RWE-Kunden mit Smart Meter laut Unternehmen den günstigeren Preis von 20,4 Cent pro Kilowattstunde, in der übrigen Zeit gilt der Basispreis von 29,9 Cent pro Kilowattstunde.

Kommentare (5)

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Account gelöscht!

01.08.2013, 17:50 Uhr

Das IST eine seltsame Blüte. Und sie wird noch seltsamer, wenn wir die Erneuerbaren Energien weiter ausbauen. Bei windigem Wetter müssen wir Wäsche waschen und trocknen, gleichzeitig Fernseher, Radio und Computer laufen lassen usw. Bei Windstille wird Stromverbrauch zum Luxusgut. Das sind mal richtig gute Aussichten. Da lohnt es sich doch, jedes Jahr einen zweistelligen Milliardenbetrag für Erneuerbare Energien auszugeben. Schließlich freuen sich auch die Stahl-, Beton- und Kupferproduzenten, die gigantische Mengen an uns verkaufen können, um Windräder aufzustellen und die Leitungen dafür zu verlegen. Man muss doch auch mal an die anderen denken! Außerdem können die anderen Länder endlich mal über uns lachen.

Account gelöscht!

01.08.2013, 18:37 Uhr

Neben NSA Bespitzelungsmethoden sind die Smartmeter eine optimale Ergänzung zum Rundumsorglospaket für die Überwachung der Bürger. Natürlich wieder unter ehrenwerten Absichten angespriesen um Energie zu sparen, schrecken sie auch nicht davor zurück, Kunden mit Gratisstrom zu ködern. (Wer weiß, was im Kleingedruckten steht und wie lange der billige Tarif dann Gültigkeit hat) Man sollte immer extrem mistrauisch sein, wenn es etwas für den "kleinen Mann" umsonst gibt, denn da steckt immer etwas Falsches hinter und geht letztendlich nach hinten los. Ist ein Smartmeter erstmal installiert, hat man sich m.E. verkauft. Welche Auswirkungen hat es auf die Gesundheit, wenn Tag und Nacht zusätzlich zu allen anderen Quellen noch das S-meter hinzukommt ? Ganz davon abgesehen, möchte ich mir nicht aufzwingen lassen, wann ich wofür Strom verwenden darf. Ich spare auch Strom dadurch, dass ich keinen Wäschetrockner, Küchenmaschine und Mikrowelle habe und auch mal von Hand spüle.

doc_johnny

01.08.2013, 18:39 Uhr

Wer eine Familie hat, der wird wissen, dass die Menge an verschiebbaren häuslichen Aktivitäten begrenzt ist. Wenn Fritz morgen zum Sport muss, Maria zum Kindergeburtstag und Mama zur Tante, dann muss eben heute noch gewaschen, getrocknet und gebügelt werden.

Wie sollen wir denn am Samstag (oder eben am Freitag morgen 3 Uhr, wenn der Wind bläst) alle in der Woche fälligen Wäschen laufen lassen? Wie bitte soll man zwei oder drei Wäschen gleichzeitig trocknen?

Die Menge an "verschiebbarem" Elektrizitätsverbrauch wird masslos überschätzt. So kann eine "smarte" Gefriertruhe im Mittel maximal 1/6 kWh an Kälte speichern.

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