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25.09.2013

14:44 Uhr

Cevian

Investor fliegt auf Thyssen-Krupp

Ein Finanzinvestor hat seinen Anteil am Industriekonzern Thyssen-Krupp aufgestockt – und schließt auch einen weitere Aktienkauf nicht aus. Thyssen-Krupp-Chef Hiesinger schmeichelt dem Großaktionär aus gutem Grund.

Thyssen-Krupp: Gigant aus dem Ruhrgebiet

Video: Thyssen-Krupp: Gigant aus dem Ruhrgebiet

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DüsseldorfDer angeschlagene Thyssen-Krupp -Konzern ist ins Visier von Finanzinvestoren geraten. Neuer Großaktionär bei den Stahlkochern ist der schwedische Investor Cevian, der sich bereits über fünf Prozent der Stimmrechte gesichert hat, wie er am Mittwoch mitteilte. Doch dabei soll es nicht bleiben: „Cevian schließt nicht aus, seinen Anteil in Zukunft zu erhöhen“, sagte eine Cevian-Sprecherin am Mittwoch – an eine komplette Übernahme sei aber nicht gedacht, betonte sie.

„Mit Cevian Capital als neuem Investor gewinnen wir einen renommierten, europäischen Großaktionär, der auch in Deutschland über umfangreiche industrielle Erfahrung verfügt“, empfing Thyssen-Krupp-Chef Heinrich Hiesinger Cevian mit offenen Armen. „Wir freuen uns, dass Cevian auf den vom Vorstand eingeschlagenen Weg vertraut und damit die strategische Weiterentwicklung des Konzerns unterstützt.“ Die schmeichelnden Worte haben einen Grund: Die Vorbereitungen für eine Kapitalerhöhung laufen beim Konzern und Großinvestoren gelten als potenzielle Interessenten für frische Aktien.

Die größten Stahlhersteller der Welt

Platz 1: Arcelor-Mittal

Der mit Abstand größte Stahlproduzent der Welt ist Arcelor-Mittal. Der Konzern mit europäischen und indischen Wurzeln stellte 2015 gut 97 Millionen Tonnen Stahl her.

Quelle: World Steel Association

Platz 2: Hesteel Group

Der zweitgrößte Hersteller kommt aus China: Die Hebei Iron and Steel Group stellte 2015 rund 47,8 Millionen Tonnen Stahl her. Auch dieser Konzern ging aus einer Fusion hervor, die Unternehmen Tangsteel und Hansteel schlossen sich 2008 zusammen.

Platz 3: Nippon Steel & Sumitomo Metal

Auf Platz drei abgerutscht ist der japanische Konzern Nippon Steel & Sumitomo Metal. Die beiden japanischen Hersteller hatten sich im Oktober 2012 zusammengeschlossen und kamen 2015 zusammen auf ein Produktionsvolumen von 46,3 Millionen Tonnen Stahl, knapp 3 Millionen weniger als im Vorjahr.

Platz 4: Posco

Mit einer Produktion von rund 42 Millionen Tonnen Stahl ist Posco der viertgrößte Hersteller. Das Unternehmen ist der größte südkoreanische Anbieter und macht viele Geschäfte mit China.

Platz 5: Baosteel Group

Auf Platz fünf folgt ein weiterer chinesischer Konzern: Baosteel Group. Das Unternehmen mit Sitz in Shanghai produzierte knapp 35 Millionen Tonnen Stahl. Schlagzeilen machte der Hersteller im Jahr 2000 mit seinem Börsengang, der damals in China Rekorde brach.

Platz 16: Thyssen-Krupp

Im Vergleich zu Arcelor-Mittal, Hesteel & Co. ist Thyssen-Krupp ein Leichtgewicht. 2015 ging es für den größten deutschen Stahlproduzent mit einer Produktion von 17,3 Millionen Tonnen aber immerhin drei Plätze hinauf auf Rang 16. Ähnlich viel produziert der Konkurrent Gerdau aus Brasilien (17 Millionen Tonnen).

Ein Börsianer lobte die Beteiligung des Investors als sehr positives Zeichen, da Cevian für seine aktive Rolle bekannt sei. Die Frage nach einem Mandat im Aufsichtsrat stelle sich aber „zurzeit nicht“, sagte die Sprecherin. Dennoch: Der Einstieg könnte Spekulationen auf eine Zerteilung des Konzerns befeuern, erklärten Analysten der DZ Bank. Anders als das Stahl- wirft das Technologiegeschäft des Konzerns solide Gewinne ab. Der Einstieg von Cevian sei „bei anderen Unternehmen in der Vergangenheit nicht zum Nachteil der Aktionäre gewesen“, sagte Commerzbank-Analyst Ingo-Martin Schachel. „Im Gegenteil, es ist in der Regel nach Cevians Einstieg zu einer nachhaltigen Wertsteigerung gekommen.“ Darauf hoffen nun auch die Anleger: Thyssen-Krupp-Aktien legten am Morgen um 3,54 Prozent auf 18,12 Euro zu.

Thyssen-Krupp bereitet Finanzkreisen zufolge eine Kapitalerhöhung vor. Das Management habe dazu bereits vor Wochen mit Finanzinvestoren Kontakt aufgenommen, hatte Reuters von Insidern erfahren. Cevian würde wohl bei einer Kapitalerhöhung mitziehen - die zugleich den Anteil der klammen Krupp-Stiftung verwässern könnte. Diese verfügt mit einem Anteil von zuletzt 25,33 Prozent über eine Sperrminorität und gilt damit als Bollwerk gegen eine Übernahme oder Zerschlagung des Konzerns. Die Cevian-Sprecherin sagte auf die Frage, ob der Investor sich an einer Kapitalerhöhung beteiligten werde, lediglich „kein Kommentar“. Von der Krupp-Stiftung war zunächst keine Stellungnahme zum Einstieg Cevians zu erhalten.

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