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02.06.2015

14:43 Uhr

Chemiekonzern

RAG-Stiftung wünscht sich Zukäufe bei Evonik

Die wirtschaftliche Lage beim Chemiekonzern Evonik sei robust, sagt Werner Müller, Chef des Mehrheitseigners RAG-Stiftung. Er wünscht sich Mut für Investitionen und ermuntert das Unternehmen zu Zukäufen.

Die RAG-Stiftung ist mit rund 68 Prozent größter Aktionär des Chemieriesen Evonik. picture-alliance/ dpa

RAG-Stiftung

Die RAG-Stiftung ist mit rund 68 Prozent größter Aktionär des Chemieriesen Evonik.

EssenDie milliardenschwere RAG-Stiftung hat ihre Mehrheitsbeteiligung Evonik zu Zukäufen ermuntert. Er stehe mit dem Evonik-Vorstand in Gesprächen zu „Chancen und Risiken externen Wachstums“, sagte Stiftungschef Werner Müller am Dienstag in Essen. „Es wäre begrüßenswert, wenn ein Schritt gelingt“, betonte er. Dabei bestehe aber keinerlei Zeitdruck – „und es muss auch nicht unbedingt ein großer Schritt sein.“ Spekulationen um eine Übernahme des Spezialchemiekonzerns Clariant erteilte Müller hingegen eine klare Absage: „Das Thema ist für mich gegessen.“ Clariant-Aktien schickte er damit auf Talfahrt, die Anteilsscheine verloren knapp fünf Prozent.

Evonik hält bereits seit Monaten nach Übernahmezielen Ausschau. Konzernchef Klaus Engel hatte immer wieder betont, der Essener Konzern wolle bei einer Konsolidierung der Branche nicht an der Seitenlinie stehen. Insidern zufolge hatte Evonik in der Vergangenheit sowohl ein Auge auf Clariant als auch auf die niederländische DSM geworfen – für eine Offerte entschieden sich die Essener aber in beiden Fällen nicht.

Das ist die RAG-Stiftung

Gegründet 2007

Die 2007 gegründete RAG-Stiftung ist Mehrheitseigentümerin des Spezialchemiekonzerns Evonik. Sie steuert den schrittweisen und für die Mitarbeiter sozialverträglichen Ausstieg aus dem deutschen Steinkohlebergbau.

Erträge für Ewigkeitslasten

Die Stiftung erwirtschaftet aus Evonik-Dividenden und einem geplanten Börsengang des Unternehmens Erträge für die sogenannten Ewigkeitslasten der Kohleförderung. Dabei geht es vor allem um das dauerhafte Abpumpen von Wasser aus den mehreren tausend Stollen unter dem Ruhr- und Saargebiet.

Milliarden-Kapitalstock

Nach aktuellen Berechnungen ist dafür ein Vermögen von 12,4 Milliarden Euro als Kapitalstock erforderlich. Sollte es nicht gelingen, dieses Vermögen bis zum Kohleausstieg Ende 2018 aufzubauen, müsste die öffentliche Hand einspringen. Sitz der Stiftung ist Essen.

Kulturförderung als weitere Aufgabe

Weitere Aufgabe der Stiftung ist die Förderung von Bildung, Wissenschaft und Kultur an Ruhr und Saar, soweit diese in Zusammenhang mit dem deutschen Steinkohlenbergbau steht. Diese Förderung ist laut Satzung aber klar nachrangig gegenüber der Abdeckung der Ewigkeitslasten. Der Etat für Kulturförderung beträgt nur rund eine Million Euro jährlich.

Für Müller hat sich das Thema Clariant nach eigenen Worten erledigt. Der Evonik-Vorstand müsse bei Übernahmen sehr genau darlegen, wie diese bei Evonik für einen Wertzuwachs sorgen können, sagte Müller, der auch Chef des Evonik-Aufsichtsrats ist. Er sehe dies im Fall Clariant nicht. Im Evonik-Umfeld hatte es zuletzt geheißen, der Konzern suche nach Zielen, die das Geschäft in Asien und Nordamerika deutlich voranbringen könnten.

Die wirtschaftliche Lage von Evonik sei sehr robust, unterstrich Müller. Die Stiftung plane derzeit keine Verkäufe von Evonik-Aktien, langfristig werde sie den Anteil aber abschmelzen. Er erwarte zudem, dass Evonik bis 2017 in den Dax aufsteigen werde. Die RAG-Stiftung ist mit rund 68 Prozent der größte Evonik-Aktionär. Die Beteiligung ist zugleich ihr größter Gewinnbringer – rund 316 Millionen des im vergangenen Jahr erwirtschafteten Überschusses der Stiftung von 351 Millionen Euro stammten aus Evonik-Dividenden.

Die Stiftung soll ab 2019 für die Folgekosten des auslaufenden deutschen Steinkohlebergbaus aufkommen. Die verbliebenen Steinkohlezechen sind unter ihrem Dach gebündelt. Das Stiftungsvermögen sei seit 2012 von elf Milliarden auf aktuell über 16 Milliarden Euro vermehrt worden, sagte Müller. Damit gehe er davon aus, dass die Steuerzahler nicht mit den Folgekosten des Bergbaus belastet würden.

Von

rtr

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