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29.01.2016

19:23 Uhr

Chevron

Ölpreisverfall setzt Rohstoffriesen immer stärker zu

Das Leiden eines Ölmultis: Der Branchenriese Chevron muss einen dreistelligen Millionenverlust vermelden. Und kündigt bereits weitere Stellenstreichungen und Investitionskürzungen an.

Der Ölkonzern stellt sich auf weitere harte Sparmaßnahmen ein. Reuters

Chevron

Der Ölkonzern stellt sich auf weitere harte Sparmaßnahmen ein.

San RamonDie gesunkenen Ölpreise setzen dem US-Branchenriesen Chevron immer heftiger zu. Im vierten Quartal schlug ein Verlust in Höhe von 588 Millionen Dollar (539 Mio Euro) zu Buche, wie der gemessen am Börsenwert zweitgrößte US-Ölkonzern am Freitag mitteilte. Im entsprechenden Vorjahreszeitraum hatte das Unternehmen noch einen Gewinn von 3,5 Milliarden Dollar erzielt. Der Umsatz sank um mehr als ein Drittel auf 29 Milliarden Dollar.

Chevron hat im vergangenen Jahr bereits mit drastischen Sparmaßnahmen reagiert und einen massiven Abbau von Stellen und Investitionen beschlossen. „Ich erwarte auch 2016 wieder ähnlich große Ausgabenkürzungen“, kündigte Vorstandschef John Watson an. Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2015 brach der Gewinn um fast drei Viertel auf unter dem Strich 4,6 Milliarden Dollar ein. Die Chevron-Aktie verlor vorbörslich zunächst um fast zwei Prozent.

Das Auf und Ab beim Ölpreis im Jahr 2015

Überangebot

Ein weltweites Überangebot bei schwächelnder Nachfrage setzen dem Ölpreis immer stärker zu. Noch im Juni 2014 kostete ein Barrel (Fass zu je 159 Liter) Nordseeöl der Sorte Brent 115,71 Dollar. Derzeit liegt der Preis mit rund 40 Dollar nicht einmal halb so hoch.

Die Gründe

Ein Grund für das Überangebot ist der Schieferölboom in den USA. Ein anderer ist die Förderpolitik der Opec, die anders als in früheren Jahren den Preis nicht durch die Senkung von Fördermengen stützen will. Sie kämpft stattdessen mit Rabatten um ihre Marktanteile.

7. Januar

Der Brent-Preis fällt zum ersten Mal seit Mai 2009 unter 50 Dollar je Fass.

13. Januar

Mit 45,19 Dollar erreicht Brent den niedrigsten Stand seit März 2009. Damit nähert er sich dem im Sog der Finanzkrise im Dezember 2008 erreichten Tief von 36,20 Dollar. Das war so wenig wie zuletzt im Juli 2004.

3. Februar

Spekulationen auf einen deutlichen Rückgang des Überangebots treiben den Preis für Brent wieder über 55 Dollar.

6. Mai

Export-Ausfälle in Libyen schüren Spekulationen auf einen Versorgungsengpass: Der Ölpreis steigt bis auf 69,63 Dollar.

3. Juli

Ein Bericht über den neuerlichen Anstieg von Ölbohrungen in den USA setzt den Preis wieder unter Druck: Brent fällt bis auf knapp 60 Dollar. Am darauffolgenden Montag, den 6. Juli, sinkt der Preis wieder klar unter die 60-Dollar-Marke.

3. August

Erstmals seit Januar rutscht Brent wieder unter die 50-Dollar-Marke. Auslöser ist ein Rekordanstieg der Ölproduktion der Opec-Länder im Juli.

24. August

Aus Sorgen vor einer deutlichen Abkühlung der chinesischen Wirtschaft machen Anleger einen großen Bogen um Öl. Brent verbilligt sich um bis zu 6,5 Prozent auf 42,51 Dollar. Damit kostet Brent so wenig wie zuletzt im März 2009, als der Preis einen Tiefstand von 41,30 Dollar erreichte.

8. Dezember

Nachdem die Opec am Freitag ihre Förderpolitik bestätigt hat und in der Abschlusserklärung nicht einmal mehr eine Zahl für die Obergrenze der Produktion auftaucht, gehen die Notierungen erneut in die Knie: Brent fällt auf bis zu 39,81 Dollar und ist damit so billig wie zuletzt im Februar 2009.

9. Dezember

Auch an den Zapfsäulen kommt der Kursverfall am Rohstoffmarkt langsam an: Bei mehreren Internet-Vergleichsportalen kratzt der Preis für ein Liter Diesel erstmals seit 2009 wieder an der Ein-Euro-Marke.

Auch andere Branchengrößen leider unter dem Ölpreisverfall. Beim britisch-niederländischen Energieriesen Shell sackte allein im Schlussquartal 2015 der bereinigte Gewinn - eine für das Unternehmen wichtige Kennziffer - nach vorläufigen Zahlen auf 1,6 bis 1,9 Milliarden US-Dollar ab. Ein Jahr zuvor waren es noch 3,3 Milliarden Dollar gewesen. Der weltgrößte börsennotierte Ölkonzern ExxonMobile will seine Zahlen in der kommenden Woche vorlegen.

Von

dpa

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