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11.02.2014

12:25 Uhr

China auf der Überholspur

Keine Entwarnung für Stahlindustrie

China wird in den nächsten Jahrzehnten so viel Stahl benötigen wie der Rest der Welt zusammen. In Europa erlebt die Schwerindustrie hingegen eine Flaute. Thyssen-Krupp und Salzgitter reagieren mit Stellenabbau.

Die Stahlproduktion steckt in einem Umbruch. dpa

Die Stahlproduktion steckt in einem Umbruch.

DüsseldorfDie schwächelnden Stahlkocher in Deutschland können keine Entwarnung geben. „Es ist keine Frage, die Stahlindustrie befindet sich in einem Krisenmodus“, sagte der Präsident des deutschen Branchenverbands, Hans Jürgen Kerkhoff, am Dienstag auf der „Handelsblatt Jahrestagung Stahlmarkt 2014“ in Düsseldorf. Zwar gebe es eine leichte Erholung, die Lage sei aber weiter schwierig. Die Nachfrage von Kunden wie der Automobil- und der Bauindustrie ziehe an. Den Stahlherstellern machten jedoch der Preisdruck und hohe Rohstoffkosten zu schaffen. Der Verband bekräftigte sein Prognose, wonach die Rohstahlproduktion in Deutschland 2014 leicht zulegen wird.

Auch die jüngsten Zahlen zeigen ein gemischtes Bild. Die Rohstahlproduktion stieg zwar im Januar um gut zwei Prozent. Die Auftragseingänge waren aber im Schlussquartal 2013 um vier Prozent gefallen. Der Stahlverband führte dies zwar auch auf eine höhere Zahl von Brückentagen zurück. Es gehe aber insgesamt nur langsam bergauf.

Die Hersteller mit den deutschen Branchenführern Thyssen-Krupp und Salzgitter kämpfen seit über zwei Jahren mit einer schwachen Nachfrage und Überkapazitäten. ArcelorMittal hat sogar Werke geschlossen. In Europa lag die Nachfrage zuletzt nach Angaben des Stahlverbands knapp 30 Prozent unter dem Niveau von 2006. In Italien oder Spanien betrage das Minus 50 beziehungsweise 60 Prozent. Thyssen-Krupp baut im Stahlgeschäft Tausende Arbeitsplätze ab. Der Konzern legt am Freitag seine Quartalszahlen vor. „Auch wir erwarten eine leichte Erholung“, sagte der Chef der europäischen Stahlsparte, Andreas Goss, auf der Konferenz. Große Sprünge seien in den kommenden Jahren aber nicht zu erwarten.

Chinas Stahlhunger ist unterdessen auch in den kommenden zehn Jahren ungebrochen, während die Schwerindustrie in Europa noch eine weitere Durststrecke vor sich hat. „China bleibt der wichtigste Nachfrager von Stahl. Die chinesische Industrie wird bis 2025 mit 1,1 Milliarden Tonnen annähernd so viel Stahl benötigen wie der Rest der Welt zusammen“, ist sich Martin Theben, Leiter des Bereichs Industrielle Produktion bei PricewaterhouseCoopers (PwC) sicher. Die krisengeplagten Euro-Länder und die schwächelnde Konjunktur in den Schwellenländern stimmen die Experten der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC allerdings insgesamt pessimistischer.

Die größten Stahlhersteller der Welt

Platz 1: Arcelor-Mittal

Der mit Abstand größte Stahlproduzent der Welt ist Arcelor-Mittal. Der Konzern mit europäischen und indischen Wurzeln stellte 2015 gut 97 Millionen Tonnen Stahl her.

Quelle: World Steel Association

Platz 2: Hesteel Group

Der zweitgrößte Hersteller kommt aus China: Die Hebei Iron and Steel Group stellte 2015 rund 47,8 Millionen Tonnen Stahl her. Auch dieser Konzern ging aus einer Fusion hervor, die Unternehmen Tangsteel und Hansteel schlossen sich 2008 zusammen.

Platz 3: Nippon Steel & Sumitomo Metal

Auf Platz drei abgerutscht ist der japanische Konzern Nippon Steel & Sumitomo Metal. Die beiden japanischen Hersteller hatten sich im Oktober 2012 zusammengeschlossen und kamen 2015 zusammen auf ein Produktionsvolumen von 46,3 Millionen Tonnen Stahl, knapp 3 Millionen weniger als im Vorjahr.

Platz 4: Posco

Mit einer Produktion von rund 42 Millionen Tonnen Stahl ist Posco der viertgrößte Hersteller. Das Unternehmen ist der größte südkoreanische Anbieter und macht viele Geschäfte mit China.

Platz 5: Baosteel Group

Auf Platz fünf folgt ein weiterer chinesischer Konzern: Baosteel Group. Das Unternehmen mit Sitz in Shanghai produzierte knapp 35 Millionen Tonnen Stahl. Schlagzeilen machte der Hersteller im Jahr 2000 mit seinem Börsengang, der damals in China Rekorde brach.

Platz 16: Thyssen-Krupp

Im Vergleich zu Arcelor-Mittal, Hesteel & Co. ist Thyssen-Krupp ein Leichtgewicht. 2015 ging es für den größten deutschen Stahlproduzent mit einer Produktion von 17,3 Millionen Tonnen aber immerhin drei Plätze hinauf auf Rang 16. Ähnlich viel produziert der Konkurrent Gerdau aus Brasilien (17 Millionen Tonnen).

Sie korrigierten daher ihre Prognose für die weltweite Stahlnachfrage nach unten und rechnen bis 2025 durchschnittlich noch mit einem Plus von 3,5 Prozent pro Jahr, wie PwC am Dienstag mitteilte. Im Vorjahr hatten die Stahlexperten noch einen jährlichen Anstieg um 3,8 Prozent vorausgesagt.

Während in China der Stahlbedarf pro Jahr im Schnitt um 4,3 Prozent zulegen werde, wachse er in den 28 EU-Ländern bis 2025 im Schnitt lediglich um 1,25 Prozent pro Jahr. Deutschland bleibe Wachstumsmotor in Europa mit einem jährlichen Zuwachs um 1,64 Prozent.

Von

rtr

Kommentare (1)

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Aktionar

11.02.2014, 11:38 Uhr

Bernecker hatte am Jahresende ja die Deutsche Bank mega hochgelobt und die Stahlindustrie als Indikator des Aufschwungs dargestellt.

Man sollte Banken und Stahl im Auge behalten.

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