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18.03.2013

20:50 Uhr

Chinesisches Solarunternehmen

Suntech ringt ums Überleben

VonDana Heide

Von der deutschen Solarbranche ist man Pleiten gewohnt. Nun spitzt sich auch die Lage für die chinesische Konkurrenz zu: Suntech kann seine Schulden nicht mehr bedienen. Die Chinesen sind Trikotsponsor bei Hoffenheim.

Hoffenheim ausgebooteter Torhüter Tim Wiese: Suntech ist Hauptsponsor des Fußball-Bundesligisten. dpa

Hoffenheim ausgebooteter Torhüter Tim Wiese: Suntech ist Hauptsponsor des Fußball-Bundesligisten.

DüsseldorfNun geht es auch bei den chinesischen Solarunternehmen ans Eingemachte. Suntech, einer der weltgrößten Produzenten für Solarmodule, meldete am Montag, dass er seine Schulden nicht mehr bedienen kann, nachdem er in Zahlungsverzug bei fälligen Anleihen in Höhe von mehr als 418 Millionen Euro gekommen war.

Die Aktie fiel an der Frankfurter Börse zeitweise um fast 16 Prozent. Suntech ist in Deutschland bekannt durch das Engagement beim Fußball-Bundesligisten TSG 1899 Hoffenheim. Die Chinesen sind Trikotsponsor beim abstiegsbedrohten Klub aus dem Kraichgau.

Der Niedergang der deutschen Solarindustrie

13. Dezember 2011

Das Berliner Solarunternehmen Solon ist pleite. Die Aktiengesellschaft verbuchte 2011 einen Verlust von mehr als 200 Millionen Euro. Das indisch-arabische Unternehmen Microsol übernimmt Solon im März aus der Insolvenz. 433 von 471 Arbeitsplätzen in Berlin bleiben zunächst erhalten, der Standort Greifswald wird geschlossen. Für 2013 sieht das Unternehmen wieder Chancen auf einen Gewinn.

21. Dezember 2011

Der Erlanger Solarkraftwerk-Hersteller Solar Millennium beantragt die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens, das im Februar 2012 eröffnet wird. Die Aktiengesellschaft mit 60 Mitarbeitern ist auf Solarthermie-Technik spezialisiert.

3. April 2012

Der einst weltgrößte Solarzellenhersteller Q-Cells in Bitterfeld-Wolfen beantragt Insolvenz. Das Unternehmen mit einst 1300 Jobs am Stammsitz galt lange als Sonnenstrahl in Sachsen-Anhalt. Ende August wird das Unternehmen vom südkoreanischen Mischkonzern Hanwha übernommen und ist damit vorerst gerettet, der größte Teil der Jobs bleibt erhalten.

17. April 2012

Das US-Unternehmen First Solar kündigt an, sein Werk in Frankfurt (Oder) schließen zu wollen. Ende Dezember ist für die Beschäftigten der letzte reguläre Arbeitstag. Bis spätestens Ende Mai 2013 verlieren damit alle 1200 Beschäftigten des Solarmodulherstellers ihren Job. Die Suche nach Investoren läuft aber weiter.

25. Juni 2012

Die Berliner Global Solar Energy Deutschland (GSED) mit 133 Mitarbeitern meldet Insolvenz an. Die Tochter der amerikanischen Global Solar Energy produzierte seit 2008 flexible Dünnschicht-Solarzellen.

10. Juli 2012

Die Berliner Global Solar Energy Deutschland (GSED) mit 133 Mitarbeitern meldet Insolvenz an. Die Tochter der amerikanischen Global Solar Energy produzierte seit 2008 flexible Dünnschicht-Solarzellen.

21. August 2012

Die Solarfirma Sovello in Sachsen-Anhalt stellt nach erfolgloser Investorensuche die Produktion ein. Den noch rund 1000 Mitarbeitern wird endgültig gekündigt. Sovello war eine Abspaltung des Ex-Weltmarktführers Q-Cells und hatte im Mai Insolvenz beantragt. Mitte Februar will der Insolvenzverwalter die Maschinen und das sonstige Inventar der Firma versteigern.

6. September 2012

Die EU-Kommission leitet ein Antidumping-Verfahren gegen die chinesische Solarbranche ein. Die Wettbewerbsbehörde will prüfen, ob die Asiaten mit zu niedrigen Preisen den Wettbewerb schädigen. Sie reagiert damit auf einen Antrag von europäischen Solarfirmen wie der Bonner Solarworld, die sich durch die Billigkonkurrenz aus China geschädigt fühlen. Eine Entscheidung über mögliche Strafzölle steht noch aus.

18. Oktober 2012

Der Solartechnikhersteller SMA Solar will sich von 450 seiner weltweit gut 5500 Mitarbeiter sowie von 600 Zeitarbeitern trennen. Denn für 2013 wird mit einem kräftigen Rückgang des Umsatzes gerechnet. Der nach eigenen Angaben Weltmarktführer bei sogenannten Wechselrichtern, einer zentralen Komponente von Solarstromanlagen, hatte sich in der ersten Hälfte 2012 anders als viele Unternehmen der Branche noch relativ gut geschlagen.

23. Januar 2013

Der Technologieriese Bosch gibt bekannt, dass seine ab dem Jahr 2008 teuer aufgebaute Sonnenenergiesparte 2012 gut eine Milliarde Euro Verlust eingefahren hat. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) des in der schwächelnden Weltkonjunktur ohnehin unter Druck stehenden Konzerns sei entsprechend auf etwa eine Milliarde Euro eingebrochen (2011: 2,7 Mrd Euro). Das Traditionsunternehmen kündigt eisernes Sparen an. Zentraler Standort der Solartochter ist Thüringen. Bosch Solar Energy hatte nach aktuellsten Angaben des Konzerns mit Stand vom Dezember 2012 weltweit rund 3200 Mitarbeiter.

24. Januar 2013

Die Krise der Solarbranche bringt auch Solarworld immer stärker in Bedrängnis. Das einstige Vorzeigeunternehmen teilt mit, dass mit Gläubigern über einen Schuldenschnitt gesprochen werden solle. Es kommt auch zu weiteren Stellenstreichungen.

5.Juli 2013

Nachdem das Hamburger Solarunternehmen Conergy seit Jahren Verluste schrieb, meldete es am 5. Juli schließlich Insolvenz an. Bis zuletzt hatte das Unternehmen auf einen rettenden Investor aus Asien gesetzt, der Bankverbindlichkeiten ablösen und frisches Geld zuschießen sollte.

Das Unternehmen teilte mit, dass es mit mehr als 60 Prozent der Anleiheeigner vereinbart habe, dass diese von rechtlichen Schritten absehen, während Suntech versucht, seine Schulden umzustrukturieren. Die Strategie scheint aufzugehen: Bisher hätten das Unternehmen keine Klagen bezüglich des Zahlungsverzuges erreicht, hieß es.

„Es ist eine schwierige Zeit für unser Unternehmen und unsere Branche“, sagte Suntech-Chef David King. „Wir verhandeln derzeit mit Kreditgebern und potenziellen Investoren, die uns dabei helfen können, langfristig erfolgreich zu sein.“ Das Unternehmen schreibt bereits seit längerem rote Zahlen, Anfang des Monats hatte Suntech bereits die Schließung seines Werks im US-Bundesstaat Arizona angekündigt und den Unternehmensgründer Shi Zhengrong seiner Aufgaben enthoben.

Die Solarbranche leidet weltweit unter massiven Überkapazitäten, in Deutschland mussten bereits zahlreiche Unternehmen Insolvenz anmelden. Die Preise für die Module waren in den vergangenen Monaten stark gefallen – da konnten viele nicht mithalten.

Kommentare (4)

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Michael

18.03.2013, 19:14 Uhr

Nicht lang ist's her, da hiess es, die Chinese machen es den europäern (deutschen) schwer am Solarmarkt.

Sind dies alles einzelfälle? Oder gar repräsentativ, so dass man nicht nur schlimmes aus China befürchten muss, wie bisher, sondern nun, langsam aber stetig, Klarheit erfährt?

Nichtzugekifft

19.03.2013, 01:50 Uhr

"Suntech"...
Ja, die Sonne wird es wohl richten...
Aber auch nicht!
Der Sonne ist doch piep-egal, was die dumme Menschheit mit ihrer Kraft so anstellt, die Erde wird sich weiter drehen, auch ohne "Suntech"...
Die Grünen werden das wohl anders sehen, weil zugekifft!

HofmannM

19.03.2013, 08:40 Uhr

Schuld an diesen Erneuerbaren Energieerzeugungsschmarrn ist einzig und alleine die Politik! Mit dem Erneuerbaren Energie Gesetz (EEG) hat die Politik einen Scheinmarkt für die unnützen, weil unwirtschaftlich und technisch veraltet, Erneuerbaren Energieerzeugertechnik (Windmühlen,Solarmodule,Biogasanlagen) geschaffen. Diese Erneuerbaren Energieprodukte waren und sind ein marktwirtschaftlicher Placebo.
Wir deutsche Bürger/Endverbraucher subventionieren diese ganze nutzlose und naturzerstörende Erneuerbare Energiebranche durch die auf der Stromrechnung aufgeführte EEG-Zwangsabgabe. Der Stromendverbraucher/Bürger muss für hohe künstliche Strompreise bluten, damit eine politische Abzockagenda für die Reichen durchgezogen werden kann. Umverteilung ganz Groß. Von Unten nach Oben!

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