Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

20.01.2016

11:53 Uhr

Cnooc kürzt Öl-Fördermenge

Chinas Ölriese kapituliert

Als einer der ersten großen Ölkonzerne senkt Cnooc die Fördermenge – erstmals in diesem Jahrtausend. Weitere chinesische Ölförderer dürften folgen. Chinas Ölriese kann sich den Preiskrieg schlicht nicht mehr leisten.

Chinas Ölriese kürzt die Fördermenge. Reuters

Ölplattform von Cnooc

Chinas Ölriese kürzt die Fördermenge.

HongkongChinas größter Offshore-Ölförderer Cnooc wird die Produktion erstmals seit über einem Jahrzehnt senken. Das weckt Spekulationen, dass die chinesischen Ölproduzenten im globalen Preiskrieg die Waffen strecken. Die in Hongkong notierte Cnooc-Aktie sackte am Mittwoch auf ein Sechsjahrestief ab.

In diesem Jahr werde Cnooc 470 bis 485 Millionen Barrel Öl fördern, hatte der Konzern am Dienstag erklärt. 2015 hatte Cnooc noch 495 Millionen Barrel gefördert. Der Rückgang wäre der erste seit mindestens 1999. Außerdem kündigten die Chinesen an, die Investitionen auf maximal 60 Milliarden Yuan (8,3 Milliarden Euro) zu begrenzen – verglichen mit 67,2 Milliarden Yuan, die die Firma im vergangenen Jahr investierte.

Shell-Gewinn bricht ein: Den Ölmulti kostet der Preisrutsch Milliarden

Shell-Gewinn bricht ein

Den Ölmulti kostet der Preisrutsch Milliarden

Rund 1,5 Milliarden Euro hat Shell im Schlussquartal weniger verdient. Der Ölkonzern reagiert mit Stellenstreichungen. An der BG-Übernahme wird festhalten – obwohl der Ölpreis bei Abschluss des Deals doppelt so hoch war.

Die Ölschwemme der Opec hat den Ölpreis auf den niedrigsten Stand seit zwölf Jahren gedrückt. Damit will die Organisation Anbieter mit höheren Kosten aus dem Markt zu drängen. Förderer wie Chevron und Shell haben angesichts des Preiseinbruchs Investitionen verschoben und Kosten gesenkt.

Das Eingeständnis von Cnooc, dass die Investitionsbegrenzungen die Produktion beeinträchtigen, dürfte das Vorspiel für weitere Produktionskürzungen chinesischer Ölförderer sein. Das zumindest meinen die Experten von Nomura.

„Cnooc ist einer der ersten großen Ölproduzenten, der ausdrücklich eine Produktionssenkung angekündigt hat“, erklärt Michael Barron, Energiedirektor beim Risikoberater Eurasia in London. „Das sagt viel über den Druck aus, den die aktuellen Preise mit sich bringen. Die anderen großen Konzerne haben alle ihre Investitionen verringert und das impliziert, dass die Produktion irgendwann in der Zukunft fallen wird.“

Zulieferer der Öl-Multis: Der große Kater nach dem Boom

Zulieferer der Öl-Multis

Premium Der große Kater nach dem Boom

Die großen Multis sparen wegen des niedrigen Ölpreises, wo sie nur können. Das trifft auch ihre Zulieferer hart. Viele Firmen leben von der Substanz und kämpfen ums Überleben. Einige wenige könnten davon profitieren.

Die Aktie von Cnooc sackte in Hongkong bis zu 6,6 Prozent ab auf 6,55 Hongkong-Dollar, das ist der niedrigste Stand seit März 2009. Zum Handelsschluss notierte die Aktie 6,1 Prozent im Minus. Auch andere in Hongkong gelistete chinesische Ölkonzerne gaben nach. Petrochina verloren sechs Prozent, China Petroleum & Chemical büßten sieben Prozent ein.

Cnooc habe im vergangenen Jahr weniger investiert als ursprünglich geplant und die Entscheidung, 2015 nicht aggressiv zu investieren, habe zur geringeren Fördererwartung für dieses Jahr beigetragen, erklärte Vorstandschef Li Fanrong. Die Produktion von Cnooc wird nun mindestens zwei Jahre nicht das Niveau von 2015 erreichen. Für 2017 peilt Cnooc 484 Millionen Barrel an, 2018 sollen es 502 Millionen Barrel sein.

„Cnooc kann es sich einfach nicht leisten, das Wachstum auf diesem Preisniveau zu steigern“, konstatierte Ölexperte Laban Yu von Jefferies. „Ihre Kostenstruktur ihnen keine Chance lässt, mit einem Ölpreis von 30 Dollar je Barrel konkurrenzfähig zu bleiben.“

Die Chronik des Ölpreisverfalls

Der Verfall

Ein weltweites Überangebot bei schwächelnder Nachfrage setzt dem Ölpreis immer stärker zu. Noch im Juni 2014 kostete ein Barrel (Fass zu je 159 Liter) Nordseeöl der Sorte Brent 115,7 Dollar. Derzeit kostet ein Fass Öl aus der Nordsee weniger als 33 Dollar.

Die Gründe

Ein Grund für das Überangebot ist der Schieferölboom in den USA. Ein anderer ist die Förderpolitik der Opec, die anders als in früheren Jahren den Preis nicht durch die Senkung von Fördermengen stützen will oder kann. Stattdessen kämpfen die Kartellmitglieder mit Rabatten um ihre Marktanteile. Diese Preis-Meilensteine durchschritt die Ölsorte Brent seit Anfang 2015:

7. Januar 2015

Der Brent-Preis fällt zum ersten Mal seit Mai 2009 unter 50 Dollar je Fass.

13. Januar 2015

Mit 45,19 Dollar erreicht Brent den niedrigsten Stand seit März 2009.

3. Februar 2015

Spekulationen auf einen deutlichen Rückgang des Überangebots treiben den Preis für Brent wieder über 55 Dollar.

6. Mai 2015

Export-Ausfälle in Libyen schüren Spekulationen auf einen Versorgungsengpass: Der Ölpreis steigt bis auf 69,63 Dollar.

3. August 2015

Erstmals seit Januar rutscht Brent wieder unter die 50-Dollar-Marke. Auslöser ist ein Rekordanstieg der Ölproduktion der Opec-Länder im Juli.

24. August 2015

Aus Sorgen vor einer deutlichen Abkühlung der chinesischen Wirtschaft machen Anleger einen großen Bogen um Öl. Brent verbilligt sich um bis zu 6,5 Prozent auf 42,51 Dollar. Damit kostet das Nordsee-Öl so wenig wie zuletzt im März 2009.

8. Dezember 2015

Nachdem die Opec ihre Förderpolitik bestätigt hat und in der Abschlusserklärung nicht einmal mehr eine Zahl für die Obergrenze der Produktion auftaucht, gehen die Notierungen erneut in die Knie: Brent fällt auf bis zu 39,81 Dollar und ist damit so billig wie zuletzt im Februar 2009.

21. Dezember 2015

Brent kostet mit rund 36 Dollar so wenig wie zuletzt im Juli 2004.

4. Januar 2016

Nach der Hinrichtung eines schiitischen Geistlichen im sunnitischen Saudi-Arabien eskaliert der seit langem schwelende Konflikt zwischen dem Iran und dem Königreich. Dies macht eine gemeinsame Linie der beiden Opec-Mitglieder in der Ölpolitik unwahrscheinlich. Die Preise nehmen ihre Talfahrt wieder auf.

7. Januar 2016

Brent stürzt um sechs Prozent auf 32,16 Dollar ab und notiert damit so niedrig wie zuletzt im April 2004. Damals hatte der Preis zuletzt die 30-Dollar-Marke unterschritten.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×