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08.08.2013

13:30 Uhr

Conergy-Pleite

Brandenburger Fabriken sollen verkauft werden

Nach der Insolvenz des Solarunternehmens Conergy gab es schnell einen Investor für den Vertriebs- und Servicebereich des Unternehmens. Nun macht der Insolvenzverwalter den Beschäftigten in Brandenburg Hoffnung.

Auch das Werk in Frankfurt an der Oder soll verkauft werden. dpa

Auch das Werk in Frankfurt an der Oder soll verkauft werden.

HamburgDie beiden Brandenburger Produktionsstätten des insolventen Solarunternehmens Conergy sollen bis Anfang Oktober in neue Hände kommen. Für die Modulfertigung in Frankfurt (Oder) und die Gestellproduktion in Rangsdorf interessierten sich zahlreiche Investoren aus dem In- und Ausland, teilte der vorläufige Conergy-Insolvenzverwalter Sven-Holger Undritz am Donnerstag in Hamburg mit. Er habe mit mehreren potenziellen Käufern vielversprechende Gespräche geführt.

Das sei ein wichtiges Signal an den Markt und die mehr als 500 Mitarbeiter in Brandenburg. Der Betrieb in den beiden Fabriken laufe bei guter Auslastung weiter. Ob nach einer Übernahme alle Arbeitsplätze erhalten werden können, ist nach Auskunft einer Sprecherin des Unternehmens gegenwärtig noch offen. Das hänge vom Verlauf der Gespräche mit den möglichen Investoren ab.

Conergy hatte vor gut einem Monat einen Insolvenzantrag gestellt. Die Vertriebs- und Serviceaktivitäten sowie die Marke Conergy sollen an den US-Finanzinvestor Kawa gehen. Das Unternehmen würde damit aufgeteilt. Die meisten der rund 700 Arbeitsplätzen in diesem Unternehmensbereich bleiben vermutlich erhalten, davon 400 im Ausland. Die Verkaufsverträge sollen bis Ende des Monats unterschriftsreif sein. Dann würde das vorläufige in ein reguläres Insolvenzverfahren überführt.

Der Niedergang der deutschen Solarindustrie

13. Dezember 2011

Das Berliner Solarunternehmen Solon ist pleite. Die Aktiengesellschaft verbuchte 2011 einen Verlust von mehr als 200 Millionen Euro. Das indisch-arabische Unternehmen Microsol übernimmt Solon im März aus der Insolvenz. 433 von 471 Arbeitsplätzen in Berlin bleiben zunächst erhalten, der Standort Greifswald wird geschlossen. Für 2013 sieht das Unternehmen wieder Chancen auf einen Gewinn.

21. Dezember 2011

Der Erlanger Solarkraftwerk-Hersteller Solar Millennium beantragt die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens, das im Februar 2012 eröffnet wird. Die Aktiengesellschaft mit 60 Mitarbeitern ist auf Solarthermie-Technik spezialisiert.

3. April 2012

Der einst weltgrößte Solarzellenhersteller Q-Cells in Bitterfeld-Wolfen beantragt Insolvenz. Das Unternehmen mit einst 1300 Jobs am Stammsitz galt lange als Sonnenstrahl in Sachsen-Anhalt. Ende August wird das Unternehmen vom südkoreanischen Mischkonzern Hanwha übernommen und ist damit vorerst gerettet, der größte Teil der Jobs bleibt erhalten.

17. April 2012

Das US-Unternehmen First Solar kündigt an, sein Werk in Frankfurt (Oder) schließen zu wollen. Ende Dezember ist für die Beschäftigten der letzte reguläre Arbeitstag. Bis spätestens Ende Mai 2013 verlieren damit alle 1200 Beschäftigten des Solarmodulherstellers ihren Job. Die Suche nach Investoren läuft aber weiter.

25. Juni 2012

Die Berliner Global Solar Energy Deutschland (GSED) mit 133 Mitarbeitern meldet Insolvenz an. Die Tochter der amerikanischen Global Solar Energy produzierte seit 2008 flexible Dünnschicht-Solarzellen.

10. Juli 2012

Die Berliner Global Solar Energy Deutschland (GSED) mit 133 Mitarbeitern meldet Insolvenz an. Die Tochter der amerikanischen Global Solar Energy produzierte seit 2008 flexible Dünnschicht-Solarzellen.

21. August 2012

Die Solarfirma Sovello in Sachsen-Anhalt stellt nach erfolgloser Investorensuche die Produktion ein. Den noch rund 1000 Mitarbeitern wird endgültig gekündigt. Sovello war eine Abspaltung des Ex-Weltmarktführers Q-Cells und hatte im Mai Insolvenz beantragt. Mitte Februar will der Insolvenzverwalter die Maschinen und das sonstige Inventar der Firma versteigern.

6. September 2012

Die EU-Kommission leitet ein Antidumping-Verfahren gegen die chinesische Solarbranche ein. Die Wettbewerbsbehörde will prüfen, ob die Asiaten mit zu niedrigen Preisen den Wettbewerb schädigen. Sie reagiert damit auf einen Antrag von europäischen Solarfirmen wie der Bonner Solarworld, die sich durch die Billigkonkurrenz aus China geschädigt fühlen. Eine Entscheidung über mögliche Strafzölle steht noch aus.

18. Oktober 2012

Der Solartechnikhersteller SMA Solar will sich von 450 seiner weltweit gut 5500 Mitarbeiter sowie von 600 Zeitarbeitern trennen. Denn für 2013 wird mit einem kräftigen Rückgang des Umsatzes gerechnet. Der nach eigenen Angaben Weltmarktführer bei sogenannten Wechselrichtern, einer zentralen Komponente von Solarstromanlagen, hatte sich in der ersten Hälfte 2012 anders als viele Unternehmen der Branche noch relativ gut geschlagen.

23. Januar 2013

Der Technologieriese Bosch gibt bekannt, dass seine ab dem Jahr 2008 teuer aufgebaute Sonnenenergiesparte 2012 gut eine Milliarde Euro Verlust eingefahren hat. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) des in der schwächelnden Weltkonjunktur ohnehin unter Druck stehenden Konzerns sei entsprechend auf etwa eine Milliarde Euro eingebrochen (2011: 2,7 Mrd Euro). Das Traditionsunternehmen kündigt eisernes Sparen an. Zentraler Standort der Solartochter ist Thüringen. Bosch Solar Energy hatte nach aktuellsten Angaben des Konzerns mit Stand vom Dezember 2012 weltweit rund 3200 Mitarbeiter.

24. Januar 2013

Die Krise der Solarbranche bringt auch Solarworld immer stärker in Bedrängnis. Das einstige Vorzeigeunternehmen teilt mit, dass mit Gläubigern über einen Schuldenschnitt gesprochen werden solle. Es kommt auch zu weiteren Stellenstreichungen.

5.Juli 2013

Nachdem das Hamburger Solarunternehmen Conergy seit Jahren Verluste schrieb, meldete es am 5. Juli schließlich Insolvenz an. Bis zuletzt hatte das Unternehmen auf einen rettenden Investor aus Asien gesetzt, der Bankverbindlichkeiten ablösen und frisches Geld zuschießen sollte.

Sollte die Transaktion mit Kawa erfolgreich abgeschlossen werden, so hätte dies positive Effekte auf die Produktionsstätten in Brandenburg, heißt es in der Mitteilung. Ein starker Kunde und entsprechende Vertriebskanäle blieben erhalten. Conergy liefert komplette schlüsselfertige Solaranlagen, von privaten Dachanlagen bis zu Megawatt-Parks. Das Unternehmen ist in mehr als 40 Ländern aktiv und erzielt drei Viertel des Umsatzes außerhalb Deutschlands.

Von

dpa

Kommentare (3)

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Steinweg

08.08.2013, 15:51 Uhr

40 Laender, 75% des Umsatzes und dennoch pleite. Komisch.

Klingone

15.08.2013, 16:34 Uhr

wer´s glaubt. Die ganzen Artikel über den Verein kommen mir wie eine Abschrift aus einer Werbebroschüre vor. Verschuldet bis über beide Ohren, Fördermittel abkassiert, nur blödsinnige Entscheidungen getroffen, Module unter Einstandspreis verkauft...würde mich nicht wundern, wenn dort bald Sammelklagen von Schareholdern ( nicht Stakeholdern ) eintreffen.

Mein Tipp an Conergy:

Mal die MS Projekthandbücher aus der Hand legen und raus in die Realität schauen und DEUTSCH reden. Am 05/10 ist für Euch der Ofen aus.

Klingone

28.08.2013, 16:16 Uhr

ein Nachtrag:

Es kursieren Gerüchte wonach sich die "höheren Gehaltsträger" die Differenz zwischen ihrem alten Gehalt und dem geringerem Konkursausfallgeld von der Insolvenzmasse bezahlen lassen.

Das stellt eine eindeutige Benachteiligung der Gläubiger dar. Auf einer Belegschaftsversammlung ist das bereits offen angesprochen worden.

Abkassieren bis zum letzten Tag in den Chefetagen. Die Überwachungsrolle des Konkursverwalters sollte genau so etwas verhindern.

Bin gespannt wie die vielen, vielen Gläubiger darauf reagieren.

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