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15.10.2013

09:57 Uhr

Crowdinvesting

Wenn neue Ideen die Strompreise treiben

VonAnnika Williamson

Die Ökostrom-Zulage klettert auch im kommenden Jahr und stetig kommen weitere Wind- und Solaranlagen hinzu. Ein Grund: Die Kreativität, Geld für neue Projekte zu finden. Die „Genossenschaft 2.0“ und die Nebenwirkungen.

Montage einer Solaranlage: Auch per Crowdinvesting werden mittlerweile Anlagen finanziert. dpa

Montage einer Solaranlage: Auch per Crowdinvesting werden mittlerweile Anlagen finanziert.

Billy Parish hatte gerade sein erstes Jahr an der renommierten Yale University hinter sich, als er vor dem dahinschmelzenden Gaumukh-Gletscher in Indien stand. Er erfuhr, dass der Gletscher durch den Klimawandel schon im Jahr 2030 verschwunden sein könnte. Anstatt die wertvollen Jahre im Hörsaal zu verbringen, entschied er sich, das Studium abzubrechen und etwas gegen den Klimawandel zu tun. Er gründete die Energy Action Coalition, eine Jugendorganisation für saubere Energie. Als Parish 21 Jahre alt war, hatte die Organisation bereits 300.000 Mitglieder und war damit weltweit die größte ihrer Art.

Inzwischen ist der junge Aktivist zum Unternehmer geworden. Vor zweieinhalb Jahren gründete er die Firma Mosaic, über die Investoren seit Anfang des Jahres in neue Solaranlagen und andere Energieprojekte investieren. Die Idee ist bereits nach Deutschland geschwappt. Zu einer Zeit, in der die steigende Ökostrom-Zulage wieder die Gemüter erhitzt.

Die Ideen, weitere alternative Energieprojekte zu finanzieren, reißen nicht ab und helfen der regenerativen Stromproduktion zu neuem Schwung. Das ist ein Grund, weshalb alle Stromkunden über die Umlage nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz tiefer in die Tasche greifen müssen. Die über den Strompreis zu zahlende Umlage zur Förderung erneuerbarer Energien wird 2014 auf den Rekordwert von 6,24 Cent je Kilowattstunde festgesetzt, teilte der Übertragungsnetzbetreiber TransnetBW am Dienstag mit.

Startups im Bereich Crowdinvesting für erneuerbare Energien

Bettervest

Bettervest (Frankfurt)
Art der Projekte: Anleger investieren in umweltfreundliche Energieeffizienz-Projekte und werden an den Kosteneinsparungen beteiligt. Sie erhalten ihre Anlagesumme in regelmäßigen Raten plus Zinsen zurück.
Mindestinvestition: 50 Euro
Rendite: besteht aus einem festen und einem variablen Teil; bei bisherigen Projekten zwischen 7 und 7,35 Prozent

Crowdener.gy

Crowdener.gy (Berlin)
Art der Projekte: Crowdener.gy finanziert über Genossenschaften Photovoltaikanlagen in Deutschland. Dafür erhalten sie eine monatliche Dividende.
Mindestinvestition: 500 Euro
Rendite: 4 bis 8 Prozent

Energiegewinner

Energiegewinner (Köln)
Art der Projekte: Energiegewinner finanziert über Genossenschaften Bürgersolarprojekte in Deutschland. Dafür erhalten Anleger eine monatliche Dividende. Außerdem können Anleger ganze Solarmodule kaufen.
Mindestinvestition: 50 Euro für einen Genossenschaftsanteil oder 550 Euro für ein Solarmodul
Rendite: Dividende von mind. 3 Prozent bei Genossenschaftsanteilen; Erträge aus Stromerzeugung bei Investition in Solarmodule von mindestens 7 Prozent

Green Crowding

Green Crowding (Köln)
Art der Projekte: Die Firma vergibt Darlehen zum Bau von Anlagen für erneuerbare Energien. Nach einigen Jahren fließt die Investitionssumme plus Zinsen wieder zurück an den Investor.
Mindestinvestition und Rendite: projektabhängig

Mosaic

Mosaic (USA)
Art der Projekte: Mosaic bietet eine Finanzierung für Solaranlagen in den USA, in Zukunft womöglich auch für andere Energiearten. Anleger erhalten ihre Anlagesumme in monatlichen Raten plus Zinsen zurück.
Mindestinvestition: 25 Dollar
Rendite: 4,4 bis 6,38 Prozent

SunFunder

SunFunder (USA)
Art der Projekte: Die Plattform finanziert Solarprojekte in Asien, Afrika, der Karibik und Lateinamerika. Aufgrund von Land zu Land unterschiedlicher Wertpapiergesetze kann SunFunder derzeit keine Zinsen zahlen. Stattdessen erhalten Anleger ihre Investitionssumme plus sogenannte „Impact Points“ zurück. Diese Punkte entsprechen einer bestimmten Geldsumme, die der Anleger wieder investieren, sich jedoch nicht auszahlen lassen kann.
Mindestinvestition: 25 Dollar
Rendite: keine

Was in die Ökostrom-Branche Einzug nimmt, ist das von einer internetaffinen Generation getriebene „Crowdfunding“. Die Finanzierung durch eine Masse an Internetnutzern hat sich über die vergangenen Jahre weltweit einen Namen gemacht. Unternehmen wie Kickstarter haben vorgemacht, dass man Projekte, für die sich Menschen begeistern können, hervorragend über die Aktivierung vieler kleiner Investoren finanzieren kann – sogar wenn es anstatt einer finanziellen Rendite nur eine kleine Danksagung für das Investment gibt.

2012 haben bei Kickstarter mehr als 2,2 Millionen Menschen aus 177 Ländern 18.109 Projekte finanziert, von Brettspielen über Opern bis hin zu Süßigkeitenfabriken – sogar eine Bushaltestelle wurde durch die Plattform möglich gemacht. Kickstarter gibt es dabei erst seit vier Jahren.

Ein Nachahmer ist Crowdener.gy, eine Firma aus Berlin, bei der Anleger Genossenschaftsanteile an Solarprojekten kaufen können. Sie erhalten dafür eine entsprechende Dividende, je nach Projekt von vier bis acht Prozent, sagt Mitgründer Peer Piske. Kommt die Finanzierung eines Projekts erfolgreich zusammen – bei Crowdener.gy betrug diese bisher jeweils zwischen 18.000 und 65.000 Euro – kassiert das Startup eine Gebühr von zehn Prozent auf das Einstiegskapital.

Außerdem verdient das Unternehmen an der Vermittlung von Dienstleistungen wie Installation, Fremdfinanzierung und Versicherungen. Anders als bei der US-Variante Mosaic bekommen Anleger bei den Deutschen ihre Investitionssumme nicht ratenweise zurück, sondern erst, wenn das Projekt ausläuft oder sie ihre Mitgliedschaft kündigen.

Kommentare (41)

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HofmannM

15.10.2013, 10:08 Uhr

Strom mit Wind und Sonne zu erzeugen ist eine vorindustrielle Mangeltechnik! Darum müssen auch die sog. Erneuerbaren Energien dauer-zwangssubventioniert werden auf Basis des EEG-Abgabenzwang!
Wind, Sonne und Energiegaspflanzen müssen subventioniert werden, weil diese Energieträger eine zu geringe Energiedichte aufweisen. Unser Nachbarland Frankreich hat diese einfachen und nachvollziehbaren ökonomischen und technischen Nachteile einer Naturabhängigen Energieerzeugung per Wind, Sonne und Energiepflanzen bereits seit Jahrzehnten erkannt und sich für den ökonomischen und technisch fortschrittlichen Weg der Kernkraft-Energieerzeugung entschieden. Frankreich hat damit auf den richtigen Energieträger gesetzt. Zur Zeit kostet der Strom-Wärmepreis für 1kwh ca. 14ct!
In Deuschland zahlen wir ab nächstes Jahr bereits das doppelt (30ct/kwh).
Weiterhin schont Frankreich mit den vereinzelten Kernkraftwerksbauten seine Naturlandschaft und Umwelt. Deutschland dagegen vernichtet immer mehr Naturlandschaft mit dem Bau von massenhaften unwirtschaftlichen Windmühlen und Solarständerbauten. Durch den massenhaften Anbau von Mais-Energiepflanzen entsteht ein Monokulturlandschaft zum Nachteil der Vielfalt!
Übrigends verlängert Frankreich gerade die Laufzeiten seiner Kernkraftwerke um weiter 10 Jahre auf insgesamt 50 Jahre. Weiterhin baut und entwickelt Frankreich an neuen Kernkraftwerktypen. (EPR/ATMEA)

Account gelöscht!

15.10.2013, 10:21 Uhr

Ich gebe Ihnen Recht, ich weiß auch nicht warum ich den Strom der Anderen bezahlen muss, meine Abgaben und Steuern übernimmt auch niemand anders.

Account gelöscht!

15.10.2013, 10:27 Uhr

Der Euphemismus Ökostrom-Zulage soll verschleiern, daß es sich um eine Abgabe handelt, die zwangsweise eingezogen wird. So eine Art Schutzgelderpressung...

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