Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

20.03.2014

12:23 Uhr

Dauerflaute rund um Solarbranche

Pfeiffer Vacuum streicht Dividende zusammen

Für die Produzenten in der Solarbranche und in deren Umfeld gibt es schon länger keine positiven Neuigkeiten mehr zu vermelden, da ist Pfeiffer Vacuum keine Ausnahme. Nun bekommen das auch die Aktionäre zu spüren.

An ihnen geht die Krise der Solarbranche nicht vorüber: Der Spezialpumpenhersteller Pfeiffer Vacuum, hier eine Szene aus der so genannten Turbo-Montage. PR

An ihnen geht die Krise der Solarbranche nicht vorüber: Der Spezialpumpenhersteller Pfeiffer Vacuum, hier eine Szene aus der so genannten Turbo-Montage.

DüsseldorfDie Aktionäre von Pfeiffer Vacuum bekommen den Gewinneinbruch beim Spezialpumpenhersteller zu spüren. Die Dividende wird gekürzt, für 2013 sollen die Aktionäre 2,65 Euro je Aktie erhalten nach 3,45 Euro im Jahr zuvor, wie Vorstandschef Manfred Bender am Donnerstag mitteilte. Der Zulieferer der Halbleiter- und Solarindustrie hatte im vorigen Jahr netto 34,8 Millionen Euro verdient, ein Rückgang um fast ein Viertel. Der Umsatz fiel um 11,4 Prozent auf 409 Millionen Euro.

Bender hofft 2014 auf eine Trendwende, wagt aber keine konkrete Prognose. „Nach einem durchwachsenen Geschäftsjahr 2013 begegnen wir dem neuen Jahr mit Zuversicht.“ Besonders in den Bereichen Halbleiter und Beschichtung, speziell im Solar- und Displaygeschäft, erwarte er ab dem zweiten Halbjahr Wachstumsimpulse. Daher rechne er 2014 mit einem „spürbaren“ Umsatzanstieg und verbesserten Margen auch infolge von Kostensenkungen.

Der Niedergang der deutschen Solarindustrie

13. Dezember 2011

Das Berliner Solarunternehmen Solon ist pleite. Die Aktiengesellschaft verbuchte 2011 einen Verlust von mehr als 200 Millionen Euro. Das indisch-arabische Unternehmen Microsol übernimmt Solon im März aus der Insolvenz. 433 von 471 Arbeitsplätzen in Berlin bleiben zunächst erhalten, der Standort Greifswald wird geschlossen. Für 2013 sieht das Unternehmen wieder Chancen auf einen Gewinn.

21. Dezember 2011

Der Erlanger Solarkraftwerk-Hersteller Solar Millennium beantragt die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens, das im Februar 2012 eröffnet wird. Die Aktiengesellschaft mit 60 Mitarbeitern ist auf Solarthermie-Technik spezialisiert.

3. April 2012

Der einst weltgrößte Solarzellenhersteller Q-Cells in Bitterfeld-Wolfen beantragt Insolvenz. Das Unternehmen mit einst 1300 Jobs am Stammsitz galt lange als Sonnenstrahl in Sachsen-Anhalt. Ende August wird das Unternehmen vom südkoreanischen Mischkonzern Hanwha übernommen und ist damit vorerst gerettet, der größte Teil der Jobs bleibt erhalten.

17. April 2012

Das US-Unternehmen First Solar kündigt an, sein Werk in Frankfurt (Oder) schließen zu wollen. Ende Dezember ist für die Beschäftigten der letzte reguläre Arbeitstag. Bis spätestens Ende Mai 2013 verlieren damit alle 1200 Beschäftigten des Solarmodulherstellers ihren Job. Die Suche nach Investoren läuft aber weiter.

25. Juni 2012

Die Berliner Global Solar Energy Deutschland (GSED) mit 133 Mitarbeitern meldet Insolvenz an. Die Tochter der amerikanischen Global Solar Energy produzierte seit 2008 flexible Dünnschicht-Solarzellen.

10. Juli 2012

Die Berliner Global Solar Energy Deutschland (GSED) mit 133 Mitarbeitern meldet Insolvenz an. Die Tochter der amerikanischen Global Solar Energy produzierte seit 2008 flexible Dünnschicht-Solarzellen.

21. August 2012

Die Solarfirma Sovello in Sachsen-Anhalt stellt nach erfolgloser Investorensuche die Produktion ein. Den noch rund 1000 Mitarbeitern wird endgültig gekündigt. Sovello war eine Abspaltung des Ex-Weltmarktführers Q-Cells und hatte im Mai Insolvenz beantragt. Mitte Februar will der Insolvenzverwalter die Maschinen und das sonstige Inventar der Firma versteigern.

6. September 2012

Die EU-Kommission leitet ein Antidumping-Verfahren gegen die chinesische Solarbranche ein. Die Wettbewerbsbehörde will prüfen, ob die Asiaten mit zu niedrigen Preisen den Wettbewerb schädigen. Sie reagiert damit auf einen Antrag von europäischen Solarfirmen wie der Bonner Solarworld, die sich durch die Billigkonkurrenz aus China geschädigt fühlen. Eine Entscheidung über mögliche Strafzölle steht noch aus.

18. Oktober 2012

Der Solartechnikhersteller SMA Solar will sich von 450 seiner weltweit gut 5500 Mitarbeiter sowie von 600 Zeitarbeitern trennen. Denn für 2013 wird mit einem kräftigen Rückgang des Umsatzes gerechnet. Der nach eigenen Angaben Weltmarktführer bei sogenannten Wechselrichtern, einer zentralen Komponente von Solarstromanlagen, hatte sich in der ersten Hälfte 2012 anders als viele Unternehmen der Branche noch relativ gut geschlagen.

23. Januar 2013

Der Technologieriese Bosch gibt bekannt, dass seine ab dem Jahr 2008 teuer aufgebaute Sonnenenergiesparte 2012 gut eine Milliarde Euro Verlust eingefahren hat. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) des in der schwächelnden Weltkonjunktur ohnehin unter Druck stehenden Konzerns sei entsprechend auf etwa eine Milliarde Euro eingebrochen (2011: 2,7 Mrd Euro). Das Traditionsunternehmen kündigt eisernes Sparen an. Zentraler Standort der Solartochter ist Thüringen. Bosch Solar Energy hatte nach aktuellsten Angaben des Konzerns mit Stand vom Dezember 2012 weltweit rund 3200 Mitarbeiter.

24. Januar 2013

Die Krise der Solarbranche bringt auch Solarworld immer stärker in Bedrängnis. Das einstige Vorzeigeunternehmen teilt mit, dass mit Gläubigern über einen Schuldenschnitt gesprochen werden solle. Es kommt auch zu weiteren Stellenstreichungen.

5.Juli 2013

Nachdem das Hamburger Solarunternehmen Conergy seit Jahren Verluste schrieb, meldete es am 5. Juli schließlich Insolvenz an. Bis zuletzt hatte das Unternehmen auf einen rettenden Investor aus Asien gesetzt, der Bankverbindlichkeiten ablösen und frisches Geld zuschießen sollte.

Die Firma bekommt seit zwei Jahren die schwache Nachfrage der Halbleiter- und Solarindustrie zu spüren. Der Auftragseingang schrumpfte 2013 um knapp elf Prozent auf 398 Millionen Euro, der Auftragsbestand um knapp 15 Prozent auf 61,1 Millionen Euro. Die operative Umsatzrendite (Ebit-Marge) sank 2013 auf 12,4 (14,8) Prozent. Der Konzern mit seinen etwa 2200 Mitarbeitern beliefert neben der Halbleiter- und Solarindustrie unter anderem auch die Hersteller von DVDs, mechanischen Werkzeugen und Brillengläsern.

Von

rtr

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×