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14.10.2015

13:59 Uhr

Deal mit Michail Fridman

Eon nimmt mit Feld-Verkauf 1,4 Milliarden Euro ein

Die Energiewende hat Eon schwer gebeutelt, der Konzern hat Schulden in Milliardenhöhe. Nun verkauft das Unternehmen seine norwegischen Öl- und Gasfelder an einen russischen Milliardär. Der macht damit Verluste gut.

Der russische Milliardär wurde kürzlich zum Verkauf seiner von RWE erworbenen britischen Nordsee-Gasfelder gezwungen. dpa

Michail Fridman

Der russische Milliardär wurde kürzlich zum Verkauf seiner von RWE erworbenen britischen Nordsee-Gasfelder gezwungen.

DüsseldorfDer hoch verschuldete Energieriese Eon verkauft seine norwegischen Öl- und Gasfelder an den russischen Milliardär Michail Fridman. Das Explorations- und Produktionsgeschäft gehe für insgesamt rund 1,4 Milliarden Euro (1,6 Milliarden Dollar) an dessen Öl- und Gasfördertochter Dea, teilte Eon am Mittwoch mit. Die Transaktion sei eine wichtige Stärkung des finanziellen Gesamtrahmens, gebe Eon die Flexibilität für die Umsetzung der Strategie und unterstütze die Neupositionierung des Konzerns, kommentierte Finanzvorstand Michael Sen. Das Portfolio umfasse Beteiligungen an insgesamt 43 Lizenzen.

Reuters hatte bereits vergangene Woche von Insidern erfahren, Eon sei in fortgeschrittenen Gesprächen über den Verkauf mit Fridmans Fonds Letter One. Der Milliardär hatte bereits Dea von RWE für rund fünf Milliarden Euro gekauft. Dea hält Anteile an rund 190 Öl- und Gaslizenzen in Europa, dem Nahen Osten und Nordafrika. Für Fridman ist der Zukauf in der Nordsee eine Möglichkeit, um sein Öl- und Gasportfolio wieder aufzustocken. Er war kürzlich wegen der Sanktionen der USA und Europas gegen Russland zum Verkauf seiner von RWE erworbenen britischen Nordsee-Gasfelder gezwungen worden. Die britische Regierung hatte ihm im April ein halbes Jahr Zeit dafür gegeben.

Energiekonzerne im Umbruch

Zwei Wege, ein Ziel

Der Strom- und Gasversorger Eon, der einst seine Stärke aus Kohle, Gas und Atomkraft bezog, mutiert nach seinem eigenen Bestreben zu einem lupenreinen „grünen Versorger“. Und verheißen die Pläne zur Abspaltung des konventionellen Kraftwerksgeschäfts in den Eon-Mutanten Uniper einen Ausweg aus der Krise? Oder führt am Ende doch der Weg, den die Essener Konkurrenten RWE einschlagen wollen, indem sie den Konzern radikal vereinfachen und mehr Macht in der Zentrale konzentrieren, am schnellsten raus aus der Krise?

Was ist der Grund für die Zerschlagung von Eon?

Der Branchenprimus auf dem deutschen Strom- und Gasmarkt war wie alle großen Mitspieler durch die Energiewende in die Bredouille geraten. Zuvor waren Eon & Co durch die Ausweitung des Wettbewerbs auf den Märkten bereits Macht genommen worden. Unter anderem trennten sie sich von den Höchstspannungsnetzen. Mit der Entscheidung zum Ausstieg aus der Atomenergie aber erfolgte der entscheidende Schnitt – das Ende für die herkömmlichen Kohle- und Atomriesen war eingeläutet. Strom aus Wind und Sonne erhielt Vorfahrt.

Was erhofft sich Eon von der Abspaltung?

Jahrelang hatte der Konzern enorme Gewinne aus dem Strom- und Gasgeschäft gescheffelt und Aktionäre mit steigenden Dividenden verwöhnt. Das ist seit ein paar Jahren vorbei. Dabei steht der Konzern unter einem hohen Druck durch die Kapitalmärkte. Durch die Abtrennung erhofft sich die neue Eon, die sich künftig ganz auf Ökostrom, Energienetze und Kundenlösungen konzentriert, Rückenwind: Das Unternehmen ist frei von Altlasten - nur noch der Name erinnert an seine Herkunft.

Warum entschied sich RWE gegen die Aufspaltung?

Bei dem Konkurrenten aus Essen sind die Eigentümerverhältnisse anders gelagert. Während Eon eine börsennotierte Publikumsgesellschaft mit zahlreichen Anlegern ist, haben bei RWE die Kommunen noch ein entscheidendes Wörtchen mitzureden. Auch die waren jahrelang durch üppige Dividenden verwöhnt worden. Eine Zerschlagung des Konzerns in zwei Teile wäre vor dem Hintergrund kaum durchsetzbar gewesen. RWE-Chef Peter Terium bezeichnete einen solchen Schritt auch als nicht „wünschenswert“. Hinzu kommt, dass bei RWE das Geschäft mit regenerativen Energien noch nicht so weit entwickelt ist wie bei Eon.

Was bedeutet die Abspaltung bei Eon für die Atomrückstellungen?

Darüber ist in den vergangenen Monaten viel berichtet und spekuliert worden. Eon-Chef Johannes Teyssen nannte diese Rückstellungen, die für den Rückbau der Atomanlagen vorgesehen sind und in der Eon-Bilanz 2014 eine Summe von mehr als 16 Milliarden Euro ausmachten, bei der Vorlage der Halbjahreszahlen als „sicher“. Die Summe wird vollständig Uniper zugeschlagen. Und Teyssen beteuert, dass das Unternehmen seinen Verpflichtungen voll und ganz nachkommen werde. Kritik kommt von Tobias Riedl von der Umweltschutzorganisation Greenpeace: „Die geplante Aufspaltung von Eon in eine „Good“ und eine „Bad Bank“ ist der dreiste Versuch des Konzerns, sich der Haftung für den selbst produzierten Atommüll zu entziehen.“ Eon strebe an, dass künftige Milliardenkosten für die Entsorgung des verstrahlten Abfalls möglichst die Bürger tragen sollten, sagt Riedl.

Welche Perspektiven hat Uniper?

Auf dem deutschen Strom- und Gasmarkt wird es Uniper schwer haben. Auch wenn Eon den Bereich heute als einen für Jahrzehnte wichtigen Baustein beim Umbau des Energiesystems sieht - nämlich durch seine absichernde Funktion für die erneuerbaren Energien - wird das Unternehmen nach Ansicht von Branchenbeobachtern noch lange an seinem Image als Auslaufmodell zu tragen haben.

Welche Lichtblicke sind beim Umbau der Konzerne zu erkennen?

Mit dem massiven Ausbau der Erzeugung von Windkraft und Solarenergien und dem Anschluss der Parks an die Stromnetze ernten die Unternehmen allmählich die ersten Früchte ihrer Investitionen. Mittlerweile ist Eon an 10 Windparks auf See in Europa beteiligt und kommt weltweit auf eine Kapazität von 4000 Megawatt. Der Anteil der erneuerbaren Energien an der gesamten Stromerzeugung liegt derzeit bei rund 14 Prozent, bei RWE sind es mit 5 Prozent deutlich weniger.

Quelle: dpa

Eon hat die Felder in der norwegischen und der britischen Nordsee zur Disposition gestellt. Über die britischen Felder sei aber noch keine abschließende Entscheidung getroffen worden, teilte Eon mit. Der von der Energiewende gebeutelte Versorger kann die Einnahmen gut gebrauchen, drücken ihn doch Schulden von mehr als 29 Milliarden Euro.

Von

rtr

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