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04.09.2014

19:12 Uhr

„Deepwater Horizon“

BP handelte „grob fahrlässig“

Weitere 18 Milliarden Dollar Strafe muss der Ölriese BP womöglich zahlen – ein US-Bezirksgericht erklärte der Konzern habe bei der „Deepwater Horizon“-Katastrophe „grob fahrlässig“ gehandelt. Die BP Aktie brach ein.

Die Explosion der Bohrinsel „Deepwater Horizon“ im Jahr 2010 kostete elf Arbeiter das Leben und verseuchte weite Teile US-Golfküste. dpa

Die Explosion der Bohrinsel „Deepwater Horizon“ im Jahr 2010 kostete elf Arbeiter das Leben und verseuchte weite Teile US-Golfküste.

New OrleansDer britische Ölriese BP muss mehr als vier Jahre nach der Explosion der Bohrplattform „Deepwater Horizon“ weitere Milliardenzahlungen wegen der Katastrophe im Golf von Mexiko fürchten. Laut einem mit Spannung erwarteten Urteil des US-Bezirksrichters Carl Barbier vom Donnerstag handelte der Konzern „grob fahrlässig“.

BP habe sich beim Umgang mit dem Desaster, das elf Arbeiter das Leben kostete und weite Teile der US-Golfküste verseuchte, „rücksichtslos“ verhalten, so Barbier. Nach Einschätzung von Rechtsexperten könnten nun Strafzahlungen in Höhe von 18 Milliarden Dollar auf BP zukommen. Über die Menge des ausgelaufenen Öls und die Höhe der Strafe hat das Gericht allerdings noch nicht geurteilt.

Hintergrund der Klage ist der sogenannte „Clean Water Act“, ein US-Gesetz zur Wasserreinhaltung. Die amerikanische Regierung und fünf Bundesstaaten hatten BP und die anderen beteiligten Unternehmen Halliburton und Transocean deshalb vor das Gericht in New Orleans gebracht.

BP widersprach der Darstellung des Richters und kündigte an, gegen das Urteil vorzugehen. Der Vorwürfe der groben Fahrlässigkeit und des vorsätzlichen Missverhaltens sei durch die Beweise im Verfahren nicht belegt worden, teilte das Unternehmen mit.

Bei den möglichen Konsequenzen für BP, das die im April 2010 explodierte Plattform betrieben hatte, kommt es auf Details an. Hätte der Richter das Verhalten nur als „fahrlässig“ und nicht als „grob fahrlässig“ eingestuft, würde der Mineralölkonzern wohl wesentlich glimpflicher davon kommen.

Nach Darstellung von BP fallen bei einfacher Fahrlässigkeit maximal 1100 Dollar (845 Euro) pro ausgelaufenem Barrel (159 Liter) Öl an. Bei grober Fahrlässigkeit oder vorsätzlichem Missverhalten sind es 4300 Dollar pro Barrel, also fast das Vierfache.

Die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko

Die größte Umweltkatastrophe der USA

Die Explosion der vom BP-Konzern geleasten Bohrinsel „Deepwater Horizon“ am 20. April 2010 löste die größte Umweltkatastrophe in der Geschichte der USA aus. Bei dem Unglück starben elf Menschen, zwei weitere kamen später bei Rettungsarbeiten ums Leben.

Fatales Öl-Leck

Aus einem Leck in 1500 Meter Tiefe waren fünf Monate lang insgesamt bis zu 780 Millionen Liter Erdöl in den Golf von Mexiko gesprudelt. Bei Fischern und Anwohnern des Katastrophengebiets bleibt die Sorge um Spätschäden infolge des Öls und knapp sieben Millionen Liter chemischer Öl-Bekämpfungsmittel.

Verheerende Folgen

Mehr als 1000 Kilometer Küste in den Bundesstaaten Louisiana, Mississippi, Alabama und Florida wurden verschmutzt. Hunderttausende Tiere wie Meeressäuger, Fische, Pelikane und Schildkröten starben an den Folgen. Die Tourismusbranche und Fischer aus der Region erlitten schwere Einbußen.

Die Bohrinsel „Deepwater Horizon“

Die im Golf von Mexiko gesunkene Öl-Bohrinsel „Deepwater Horizon“ war auf die Erkundung von Tiefseevorkommen spezialisiert. Im September 2009 erreichte sie bei einer Bohrung im Meeresboden die Rekordtiefe von mehr als 10.600 Metern.

Tiefsee-Plattform

Die schwimmende Plattform konnte in bis zu 3000 Meter tiefen Gewässern eingesetzt werden. Sie wurde vom Tiefsee-Spezialisten Transocean betrieben und war für den britischen Ölkonzern BP im Einsatz.

Größer als ein Fußballfeld

Die 121 Meter lange und 78 Meter breite „Deepwater Horizon“ war größer als ein Fußballfeld. Sie wurde 2001 in Südkorea fertiggestellt und konnte auch in orkanartigem Sturm mit neun Meter hohen Wellen arbeiten.

Der Kurs der BP-Aktie brach nach der Entscheidung des Richters um zuletzt fünf Prozent ein. BP hatte sich mit Privatklägern 2012 auf eine Entschädigung über 7,8 Milliarden Dollar geeinigt. Insgesamt musste das Unternehmen nach eigenen Angaben schon mit mehr als 40 Milliarden Dollar für die Katastrophe aufkommen.

Erst am Dienstag hatte sich Halliburton mit Klägern auf eine Entschädigung in Höhe von 1,1 Milliarden Dollar (838 Mio Euro) geeinigt. Das Unternehmen war an den Bohrarbeiten auf der Plattform beteiligt, und entgeht durch die Zahlung einer Sammelklage. Das Geld soll an Fischer und andere Opfer der Katastrophe fließen.

Von

dpa

Kommentare (1)

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Herr Mac Buma

05.09.2014, 12:57 Uhr

Die Amerikaner also beschuldigen einen ausländischen Konkurrenten als grobfährlässig und schröpfen den Esel solange er noch scheisst, derweil eigene grobfahrlässige Firmen wie GM Heiligenstatus geniessen und von Staatsgeldern leben; oder Fracking als neue Heilsbotschaft zelebriert wird. Die Ami- Justiz ist nur noch eine privatwirtschaftliche Farce.

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