Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

10.12.2015

21:53 Uhr

Der Druck erhöht sich

Schwacher Ölpreis zwingt Energiekonzerne zum Sparen

Um mehr als 60 Prozent ist der Ölpreis seit Mitte vergangenen Jahres gefallen. Das setzt gerade auch Energiekonzernen zu. Die Folgen sprechen eine deutliche Sprache: Die Unternehmen müssen massiven Kürzungen hinnehmen.

Zwei Arbeiter an der Bohrmaschine: Durch den anhaltenden niedrigen Ölpreis sehen sich die Energiekonzerne zu Kürzungen gezwungen. ap

Ölbohrung

Zwei Arbeiter an der Bohrmaschine: Durch den anhaltenden niedrigen Ölpreis sehen sich die Energiekonzerne zu Kürzungen gezwungen.

WellingtonUnter dem Druck der anhaltend niedrigen Ölpreise treten große Energiekonzerne bei den Ausgaben auf die Bremse. ConocoPhillips aus den USA kündigte am Donnerstag an, die Investitionen 2016 um ein Viertel zurückzufahren. Der heimische Rivale Chevron hatte zuvor Kürzungen im ähnlichen Volumen angekündigt. Der britisch-niederländische Konkurrent Royal Dutch Shell stellt derweil sein Engagement in Neuseeland auf den Prüfstand.

Die Energiebranche leidet unter einem weltweiten Überangebot an Öl. Der Preis für den Rohstoff ist seit Juni 2014 um mehr als 60 Prozent gefallen. Experten schätzen, dass die Ausgaben der Branche für die Ölförderung und die Erkundung von Feldern 2016 weltweit um elf Prozent sinkt.

Opec und das Ölmarkt-Chaos: Die Geschichte wiederholt sich

Opec und das Ölmarkt-Chaos

Die Geschichte wiederholt sich

Der Ölpreis ist so tief wie seit Jahren nicht mehr, das Opec-Kartell harrt aus. So sah der Markt schon einmal aus, in den 1990er Jahren. Stimmen die Parallelen, müssen sich Anleger keine Sorgen um billiges Öl machen.

Chevron-Chef John Watson sagte, 2016 sollten für Investitionen weltweit noch 26,6 Milliarden Dollar in die Hand genommen werden. Das entspricht einem Minus von 24 Prozent. ConocoPhillips peilt nach der Kürzung noch 7,7 Milliarden Dollar an. Ein Großteil davon solle für Schiefergasfelder in den USA ausgegeben werden, hieß es. Zudem wolle sich der Konzern 2016 auch von Unternehmensteilen im Wert von 1,7 Milliarden Dollar trennen, die nicht zum Kerngeschäft gehörten. Shell erklärte, Neuseeland sei nur ein kleiner Teil des Geschäfts. Das Unternehmen ist seit 100 Jahren in Neuseeland tätig.

Meilensteine der Ölpreisentwicklung

Beginne der Ölförderung

Die ersten gewinnbringenden Erdölbohrungen finden Mitte des 19. Jahrhunderts statt. In dieser Zeit entstehen auch die ersten Raffinerien. Bis 1864 steigt der Ölpreis auf den Höchststand von 8,06 Dollar pro Barrel (159 Liter); inflationsbereinigt müssen damals im Jahresdurchschnitt 128,17 US-Dollar gezahlt werden. In den folgenden Jahrzehnten bleibt der Preis auf einem vergleichsweise niedrigen Level, fällt mitunter sogar, bedingt etwa durch den Erfolg der elektrischen Glühlampe, durch die Öl im privaten Haushalt nicht mehr zur Beleuchtung nötig ist.

Vollgas mit Benzin

Mit dem Erfolg des Automobils zu Beginn des 19. Jahrhunderts steigt die Öl-Nachfrage rasant; speziell in den USA, wo der Ford Modell T zum Massenprodukt wird. 1929 fahren insgesamt 23 Millionen Kraftfahrzeuge auf den Straßen. Der Verbrauch liegt 1929 in den Staaten bei 2,58 Millionen Fass pro Tag, 85 Prozent davon für Benzin und Heizöl. Die Preise bleiben allerdings weiter unter fünf Dollar pro Fass (nicht inflationsbereinigt), da auch mehr gefördert wird.

Negative Folgen der Weltwirtschaftskrise

In den 30er Jahren kommt die Große Depression, die Unternehmenszusammenbrüche, Massenarbeitslosigkeit, Deflation und einen massiven Rückgang des Handels durch protektionistische Maßnahmen zur Folge hat. Während der Weltwirtschaftskrise verringert sich die Nachfrage nach Erdöl und der Preis sinkt auf ein historisches Tief. 1931 müssen bloß noch 0,65 Dollar pro Barrel gezahlt werden (inflationsbereinigt etwa zehn US-Dollar). So billig sollte das schwarze Gold nie wieder sei.

Goldene Zeitalter des billigen Öls

Nachdem sich die Weltkonjunktur erholt hat, steigt der Preise für Öl wieder, bleibt aber konstant unter fünf Dollar pro Barrel. Für die Jahre zwischen dem Ersten Weltkrieg und der Ölkrise im Herbst 1973 spricht man deshalb vom „goldenen Zeitalter“ des billigen Öls.

Erste Ölkrise

In den 70er und 80er Jahren kommt der Ölpreis in Bewegung. Als die Organisation der erdölexportierenden Länder (Opec) nach dem Krieg zwischen Israel und den arabischen Nachbarn im Herbst 1973 die Fördermengen drosselt, um politischen Druck auszuüben, vervierfacht sich der Weltölpreis binnen kürzester Zeit. Zum Ende des Jahres 1974 kostet ein Barrel über elf Dollar (inflationsbereinigt fast 55 US-Dollar). Dies bekommen auch Otto-Normal-Bürger zu spüren: In Deutschland bleiben sonntags die Autobahnen leer, in den USA bilden sich Schlangen vor den Tankstellen.

Preisexplosion während des Golfkriegs

Während der zweiten Ölkrise in den Jahren 1979/1980 zieht der Ölpreis nach einem kurzfristigen Rückgang weiter an. Ausgelöst wird dies im Wesentlichen durch Förderungsausfälle und Verunsicherung nach der Islamischen Revolution. Nach dem Angriff Iraks auf Iran und dem Beginn des Ersten Golfkrieg explodieren die Preise regelrecht. Auf dem Höhepunkt im April 1980 kostet ein Barrel 39,50 Dollar (inflationsbereinigt 116 Dollar).

Niedrigpreise in den 80er und 90er Jahren

Die 80er und 90er Jahre sind – abgesehen von dem kurzzeitigen Anstieg verursacht durch den Zweiten Golfkrieg – eine Phase niedriger Ölpreise. Die Industriestaaten befinden sich in einer Rezession und suchten aufgrund vorhergehenden Ölkrisen mit besonders hohen Preisen nach alternativen Energiequellen. Weltweit gibt es Überkapazitäten. Während der Asienkrise 1997/1998 sinkt die Nachfrage weiter. Ende des Jahres 1998 werden 10,65 Dollar pro Barrel verlangt.

Ein rasanter Anstieg

Nach Überwindung der Krise wachsen die Weltwirtschaft und damit auch der Ölbedarf schnell. Selbst die Anschläge auf das World Trade Center 2001 sorgen nur für einen kurzen Rücksetzer. Anfang 2008 steigt der Ölpreis erstmals über 100 US-Dollar je Barrel, Mitte des Jahres sogar fast auf 150 Dollar. Ein Grund für den Preisanstieg war der Boom des rohstoffhungrigen China, mittlerweile zweitgrößter Verbraucher der Welt. Die Finanzkrise ließ den Preis Ende 2008 allerdings wieder abstürzen.

Ölpreis heute

Ein weltweites Überangebot hält die Preise weiterhin auf niedrigem Niveau. Aktuell kostet ein Barrel Brent rund 30 US-Dollar.

Viele Energiekonzerne setzten bereits in diesem Jahr den Rotstift an. Analysten des Investment-Beraters Evercore ISI zufolge wurden die Investitionen branchenweit um 20 Prozent heruntergefahren.

Von

rtr

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×