Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

01.06.2017

10:35 Uhr

Deutsche Solarbranche

Es werde wieder Licht

VonFranz Hubik

Nach Jahren im Schrumpfmodus wächst der deutsche Solarmarkt wieder. Trotz der Pleite von Solarworld propagiert die schwer gebeutelte Branche: Die besten Zeiten kommen erst. Warum ein Comeback tatsächlich denkbar ist.

Nach der Pleite des Bonner Unternehmens Solarworld blickt die Branche trotzdem optimistisch in die Zukunft. Reuters

Solarbranche

Nach der Pleite des Bonner Unternehmens Solarworld blickt die Branche trotzdem optimistisch in die Zukunft.

MünchenEs war völlig absurd. Während Solarenergie in den vergangenen Jahren weltweit boomte, implodierte zeitgleich der deutsche Markt. Ausgerechnet im Geburtsland der Energiewende brach der Zubau an Solaranlagen drastisch ein. Wurden in der Blütezeit der heimischen Photovoltaikindustrie um das Jahr 2010 noch Solaranlagen mit einer Kapazität von bis zu acht Gigawatt pro Jahr neu ans Stromnetz angeschlossen, waren es 2015 nach Berechnungen des Bundesverbands Solarwirtschaft nicht einmal mehr 1,5 Gigawatt.

Nach drei Jahren im rasanten Schrumpfmodus und dem Verlust von mehr als 100.000 Arbeitsplätzen hat die Branche die Talsohle im vergangenen Jahr aber endlich durchschritten. Der Markt ist zwar auf ein Fünftel seiner einstigen Größe abgeschmolzen, wächst aber auf diesem niedrigen Niveau zumindest wieder um rund vier Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die Trendwende ist damit eingeleitet. Jetzt hofft die Branche auf einen Solarboom 2.0 in Deutschland. Im Reich der Sonnenfinsternis bahnt sich ein Comeback an.

Denn laut den jüngsten Daten der Bundesnetzagentur wurde in den ersten drei Monaten 2017 um rund 65 Prozent mehr Solarstromkapazität neu installiert als ein Jahr zuvor. Auf der Intersolar, der größten Solarmesse der Welt, die seit dem gestrigen Mittwoch in München läuft und bis Freitag mehr als 40.000 Besucher anlocken dürfte, strotzt die deutsche Photovoltaikindustrie deshalb wieder vor Zuversicht. Und das obwohl das Aushängeschild der Branche, der Bonner Modulhersteller Solarworld in Folge seiner Insolvenzanträge von Mitte Mai, erstmals nicht auf der Messe mit einem eigenen Stand vertreten ist.

Die Insolvenz von Solarworld sei zwar bitter, markiere aber nicht das Ende der Solarenergie in Deutschland, erklärte Carsten Körnig. Im Gegenteil. Die Nachfrage hierzulande „zeigt wieder nach oben“, sagte der Geschäftsführer des Bundesverbands Solarwirtschaft. Der Geschäftsklimaindex, den sein Verband erhebt, befindet sich auf einem Siebenjahreshoch. So optimistisch wie jetzt, waren die heimischen Solarunternehmen zuletzt Anfang 2010.

„Der Zeitpunkt, sich eine Solaranlage anzuschaffen, ist jetzt wieder ideal“, erklärt Körnig. Der Grund: Das Geschäftsmodell in der Photovoltaikbranche hat sich komplett gedreht. Als die Fördermillionen in Deutschland noch sprudelten, schraubten sich Hunderttausende Eigenheimbesitzer eine Solaranlage aufs Dach. Denn jede Kilowattstunde Sonnenstrom, die sie dann ins Netz einspeisten, wurde mit anfänglich mehr als 50 Cent vergoldet. Staatlich garantiert, über 20 Jahre hinweg. Ein Bombengeschäft.

Lehren aus der Solarworld-Pleite: Ein Weckruf für die Ökobranche

Lehren aus der Solarworld-Pleite

Premium Ein Weckruf für die Ökobranche

Das grüne Jobwunder ist eine Illusion, das hat die Pleite von Solarworld deutlich gemacht. Und es sollte den Windfirmen eine Lehre sein – denn ihnen droht das gleiche Schicksal wie der Photovoltaikbranche. Eine Analyse.

Mittlerweile hat die Bundesregierung die Vergütung für Solarstrom allerdings massiv gekappt. Die einstige Zauberformel: Solaranlage plus Förderung ist gleich satter Gewinn funktioniert nicht mehr. Dafür ergibt eine andere Rechnung immer mehr Sinn. Weil die Preise für Batteriespeicher alleine in den vergangenen vier Jahren um rund 40 Prozent gefallen sind, lohnt es sich zunehmend, die Sonnenergie vom Hausdach statt ins Netz einzuspeisen, zu speichern und selbst zu verbrauchen. Denn die Alternative dazu hieße, Strom vom örtlichen Versorger zu beziehen – und der ist in der Regel teurer.

„Mit den erneut gesunkenen Preisen wird die Solarstromspeicherung auch wirtschaftlich immer attraktiver“, sagt Solarverbands-Chef Körnig. Schon heute wird jede zweite Solarstromanlage im Eigenheimbereich zusammen mit einem Speicher installiert. Die Akkus sind die große Hoffnung der Solarbranche auf einen nachhaltigen Aufschwung. In Deutschland sind mittlerweile rund 60.000 Batteriespeicher in Kombination mit einer Solaranlage in Betrieb. Alleine im vergangenen Jahr sind laut dem Bundesverband Solarwirtschaft 20.000 neue Speicher hinzugekommen. Und die Nachfrage soll weiter anziehen. Innerhalb der nächsten beiden Jahre wird ein Wachstum auf 100.000 Akkus prognostiziert.

Kommentare (24)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Holger Narrog

01.06.2017, 10:58 Uhr

Die Solarstromeinspeisung folgt dem Wetter, der Tages- und Jahreszeit. Solcher Zufallsstrom ist in einem bedarfsgesteuertem Netz wertlos. Die Branche basiert damit auf entsprechenden Subventionsregeln und Gesetzen. Jede zusätzliche Solaranlage belastet die Gesellschaft.

In der Vergangenheit hatten die Solarkönige das EEG mit Einspeisevergütungen mit willfährigen Politikern zu Lasten der Gesellschaft durchgesetzt. Da die Chinesen die umweltschädlichen Solarzellen preiswerter herstellen können, gingen die Solarkönige pleite. Nahezu alle Solarzellen kommen mittlerweile aus Asien.

Ein neues Subventionsmodell ist die Nutzung des erzeugten Solarstroms zum Eigenverbrauch. Dabei bleibt der Haushalt an das Netz angeschlossen, speist wertlosen Solarstrom ein und erhält bedarfsgerechten, Strom aus dem Netz. Die Eigenerzeugung wird abgezogen. Das Subventionsmodell basiert darauf dass mit dem Kwh Netzstrompreis, alle Steuern und Abgaben (1/2 Strompreis), Netzentgelte, Regelenergie..usw. abgegolten werden. Eine Änderung der Tarifstruktur, Trennung Netzkosten, Steuern, Arbeitspreis würde das Subventionsmodell schnell beenden.

Herr Peter Spiegel

01.06.2017, 11:02 Uhr

Am Besten sie montieren die Panels in Tunnelen, dort brauchen sie das Zeug auch nicht anschließen und verschandeln nicht die Wiesen.

Herr Marcel Europaeer

01.06.2017, 11:19 Uhr

In Deutschland wurde die Masse der Solarmodule installiert, als die Preise für Module und die Vergütungen hoch waren. Wir können also für uns in Anspruch nehmen, die Photovoltaik als wesentlichen Anteil der Stromgewinnung auf den Weg gebracht zu haben. Heute wird etwa 7,4%
des Netto-Stromverbrauchs durch PV-Module bereit gestellt und 37% des Netto-Stromverbrauchs insgesamt durch Erneuerbare Energien.

Inzwischen sind die Module deutlich günstiger und leistungsstärker geworden, so dass weltweit im vergangenen Jahr mit ca. 75 GWp 50% mehr Leistung installiert wurde als 2015.

Es wird weltweit doppelt soviel Geld in den Ausbau Erneuerbarer Energien gesteckt wie in den Ausbau Endlicher Energien. Und das, obwohl die Preise für Öl, Gas und Kohle aktuell relativ gering sind. Aber ein gewisser Mister T. will ja Amerika mit Kohle und Dampfmaschinen wieder "great" machen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×