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25.04.2013

19:33 Uhr

Deutschland

Produktion von Erdöl und Erdgas sinkt

Die Förderung von Erdöl und Erdgas in Deutschland sinkt und auch die Reserven schrumpfen. In etwa zehn Jahren sind die Vorräte nach heutiger Schätzung aufgebraucht – es sei denn, neue Vorkommen werden entdeckt.

Wartungsarbeiten in einer Raffinerie in Brandenburg: Die Produktion von Erdöl und Erdgas in Deutschland sinkt. dpa

Wartungsarbeiten in einer Raffinerie in Brandenburg: Die Produktion von Erdöl und Erdgas in Deutschland sinkt.

HannoverFür seine Energieversorgung wird sich Deutschland in Zukunft noch weniger als bisher auf heimisches Erdöl- und Erdgas stützen können. Wegen weiter erschöpfter Reserven war die Produktion im vergangenen Jahr rückläufig, teilte das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) in seinem Jahresbericht am Donnerstag in Hannover mit. Die Förderung von Erdöl sank 2012 gegenüber dem Vorjahr um 2,1 Prozent und die von Erdgas um 9,1 Prozent. Ein positiver Trend sei nicht zu erwarten.

Die Erdölreserven sind nach aktueller Schätzung in 12,4 Jahren erschöpft, im vergangenen Jahr wurde von 13,2 Jahren ausgegangen. Die Erdgasvorräte sind der Schätzung nach in 10,5 Jahren aufgebraucht, nennenswerte Neufunde gab es in den vergangenen Jahren nicht. Die oft schwankende Prognose gilt als Momentaufnahme, denn sie geht von einer konstanten Förderung aus und kann die mögliche Entdeckung neuer Reserven nicht berücksichtigen. Im vergangenen Jahr konnten aus heimischer Erdgasförderung rund 11 Prozent des deutschen Energiebedarfs bestritten werden. Bei Erdöl waren es nur 2,8 Prozent.

Insgesamt wurden 2012 in Deutschland 2,6 Millionen Tonnen Erdöl gefördert. Das ist ein Rückgang um 56.000 Tonnen. Nach wie vor lagern die meisten Erdölreserven im Norddeutschen Becken. Der Anteil Schleswig-Holsteins sank gegenüber dem Vorjahr um 1,1 Prozent auf 41,2 Prozent, während sich Niedersachsens Anteil um 0,7 Prozent auf 30,8 Prozent verringerte. Die Reserven in Rheinland-Pfalz hingegen stiegen um 2,1 Prozent auf 25,9 Prozent. Anfang 2013 betrugen die Erdölreserven bundesweit 32,5 Millionen Tonnen und lagen damit um 2,8 Millionen Tonnen unter dem Vorjahreswert.

Strenge Auflagen für Schiefergas-Bohrungen

In den USA bereits voll im Einsatz

In Ländern wie den USA boomt die Ausbeutung schwer zugänglicher Gas- und Ölvorkommen bereits seit längerem - in Deutschland will die Bundesregierung bis zum Sommer Rahmenbedingungen festlegen. Mithilfe der heftig umstrittenen „Fracking“-Technologie können fossile Energieträger aus Gesteinsschichten wie etwa Schiefer herausgelöst werden. Der Begriff steht kurz für „hydraulic fracturing“ - zu deutsch so viel wie hydraulisches Aufbrechen von Gestein.

Fracking-Technologie

Kern der Technik ist es, Wasser, Sand und Chemikalien in Gestein zu pressen und dadurch Druck zu erzeugen. Dadurch sollen Gas oder Öl freigesetzt werden. Von großer Bedeutung sind heute horizontale Bohrungen, mithilfe derer seitwärts innerhalb einzelner Gesteinsschichten gebohrt werden kann. Dadurch können dieses in der Breite erschlossen und schwer erreichbare Rohstoffvorkommen zugänglich gemacht werden.

Kritik

Kritiker bemängeln beim Fracking unter anderem den Einsatz von Chemikalien. Die Substanzen könnten durch undichte Stellen ins Erdreich eindringen. Daneben stellen Bohranlagen für Kritiker einen Eingriff in die Natur dar.

Fracking in Deutschland

Fracking zur Erschließung von schwer zugänglichen Gas- oder Ölvorkommen in Deutschland gibt es nach Angaben des Bundesumweltministeriums bislang nicht. Im Kohlebergbau wird die Technologie jedoch eingesetzt und teils auch bei Erdwärmebohrungen. Regeln für das Fracking gibt es laut Ministerium bislang nicht, nun sollen diese geschaffen werden. Bislang ließen Bundesländer Fracking schon eingeschränkt zu.

Pläne der Bundesregierung

Die Bundesregierung fängt die Kritik in der geplanten Verordnung auf, indem sie Fracking in Trinkwasserschutzgebieten verbietet und Umweltverträglichkeitsprüfungen (UVP) für Bohrvorhaben für verbindlich erklärt. Die UVP ist Teil des erforderlichen Planfeststellungsverfahrens für Bohrvorhaben, womit auch die Öffentlichkeit eingebunden wird. Beim Einsatz des Fracking im Bergbau werden Umweltverträglichkeitsprüfungen damit nicht verpflichtend.

Schiefergasvorkommen in Deutschland

Laut Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) lagern unter der Oberfläche der Bundesrepublik bis zu 2,3 Billionen Kubikmeter Erdgas aus Schiefergestein. Damit könnte Deutschland theoretisch über ein Jahrzehnt ohne Gaslieferungen aus dem Ausland auskommen. Durch das Verbot von Fracking in Wasserschutzgebieten dürfte sich das Potenzial deutlich verringern.

Wirtschaftlichkeit

Das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung in Mannheim kam kürzlich in einer Studie zu dem Schluss, dass sich Fracking in Deutschland und der EU bei den aktuellen Gaspreisen bislang "überhaupt nicht lohnen" würde. Das ZEW befragte Energiemarktexperten, auf welches Niveau der Preis je Megawattstunde Gas dafür steigen müsste. Derzeit kostet Erdgas an Großhandelsbörsen laut ZEW rund 27 Euro. 30 Prozent der Experten halten einen Preis von 40 bis 50 Euro nötig, 34 Prozent der Gaspreise von 50 bis 60 Euro oder darüber mehr.

Fracking in anderen Ländern

Die USA decken einen erheblichen Teil des heimischen Bedarfs mit Schiefergas und Schieferöl. Nach Einschätzung der Internationalen Energieagentur (IEA) könnten die Vereinigten Staaten 2030 vollkommen unabhängig von Energieträgern aus dem Ausland sein. Schon 2017 könnten die USA demnach Saudi-Arabien und Russland als weltgrößte Ölproduzenten ablösen. Nach Einschätzung des Ölkonzerns Shell haben die USA durch Fracking einen Erdgasvorrat von 100 Jahren - die Staaten der Welt insgesamt für 250 Jahre. In Europa treibt unter anderem Polen die Schiefergas-Förderung voran.

Beim Erdgas ging die Produktion in Deutschland 2012 auf 11,7 Milliarden Kubikmeter zurück, im Vorjahr waren es noch 12,9 Milliarden Kubikmeter. Die bundesweiten Reserven belaufen sich derzeit auf 123,3 Milliarden Kubikmeter und liegen damit um 7 Prozent unter denen des Vorjahres. Im Ländervergleich liegt der Schwerpunkt der Erdgas-Förderung in Niedersachsen. Hier lagern 98,1 Prozent der Rohgasreserven, und 94,5 Prozent des geförderten Rohgases wurden hier produziert.

Nicht berücksichtigt wurde bei der Studie ein künftiger Einsatz der umstrittenen Fracking-Technik zur Förderung von Erdgas aus Schiefergestein und Kohleflözen. Ob die Technik künftig zum Einsatz komme, sei eine politische Frage, sagte ein Sprecher der Bergbaubehörde. Wenn dies der Fall sei, würde sich dies auf die Abschätzung der Erdgasreserven in Deutschland positiv auswirken.

Von

dpa

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