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22.02.2017

09:22 Uhr

Dividende fällt aus

Bei RWE klafft ein neues Milliardenloch

VonJürgen Flauger

Neue Hiobsbotschaften von RWE: Der Energiekonzern muss außerplanmäßig weitere Abschreibungen vornehmen – und meldet 5,7 Milliarden Euro Verlust. Dass ihre Dividende erneut ausfällt, dürfte die Kommunen schwer enttäuschen.

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Nach Milliardenverlust: RWE zahlt wieder keine Dividende

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EssenRolf Martin Schmitz steht erst seit Oktober an der Spitze von RWE – und legt sich schon mit seinen wichtigsten Aktionären an: Den Kommunen an Rhein und Ruhr, die noch immer gut 20 Prozent der Aktien halten. Die Folgekosten des Ausstiegs aus der Kernkraft und Abschreibungen auf die eigenen Kraftwerke haben dem Konzern im vergangenen Jahr einen Milliardenverlust eingebrockt. Daher lässt Schmitz – wie schon im Vorjahr – die Dividende für die Stammaktionäre komplett ausfallen. Lediglich die Vorzugsaktionäre sollen 13 Cent je Anteilsschein bekommen. Immerhin stellt er für 2017 wieder eine Ausschüttung in Aussicht.

Schmitz begründete den Schritt mit der anhaltenden schwierigen Marktlage und mehreren Sondereffekten: „Das schwierige Marktumfeld hat außerplanmäßige Wertberichtigungen erforderlich gemacht. Hinzu kommt eine hohe Einmalbelastung aus dem Kernenergiefonds“, sagte der Vorstandschef: „Wegen dieser Effekte schlägt der Vorstand eine Aussetzung der Dividende für Stammaktien für 2016 und eine Ausschüttung von 13 Cent je Vorzugsaktie vor.“

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Die einflussreichen kommunalen RWE-Aktionäre fordern nach der letzten Nullrunde wieder eine Dividende. Bleibt die Ausschüttung erneut aus, könnten weitere Städte ihre Anteile verkaufen. Die alte Phalanx bröckelt bereits.

RWE nahm außerplanmäßige Abschreibungen in einer Höhe von 4,3 Milliarden Euro vor – der Großteil davon bei den deutschen Kraftwerken. Der Konzern begründete das mit den Großhandelspreisen für Strom, zu denen der Konzern den Strom aus seinen Kraftwerken verkauft. Die waren im vergangenen Jahr zwischenzeitlich auf kaum mehr als 20 Euro je Megawattstunde gefallen – einen Wert, bei dem sich kaum ein Kraftwerk mehr rentabel betreiben lässt. Zwar erholten sich die Preise etwas, sie notierten derzeit aber auch noch unter 30 Euro – vor allem sind aber die Aussichten am Terminmarkt anhaltend schlecht.

Gleichzeitig muss RWE sich auf den von der Bundesregierung geplanten Atomfonds vorbereiten. Der soll die Verantwortung für Entsorgung und Endlagerung des Atommülls übernehmen – die Atomkonzerne müssen im Gegenzug aber ihre dafür gebildeten Rückstellungen einbringen – plus eines Risikoaufschlags von 35 Prozent. RWE wird hierfür zum ersten Juni rund 6,8 Milliarden Euro einbringen. Der darin enthaltene Risikozuschlag von 1,8 Milliarden Euro wirkt sich negativ in der Bilanz 2016 aus.

Die kommunalen RWE-Aktionäre

Tradition

Schon kurz nach der Gründung der Rheinisch-Westfälischen Elektrizitätswerk AG im Jahr 1898 beteiligten sich die Städte Essen, Mülheim und Gelsenkirchen. Nach und nach kamen weitere Kommunen dazu.

Vorteil

RWE pflegte stets eine enge Partnerschaft mit den kommunalen Aktionären, die auch Geschäftspartner sind. RWE betreibt in vielen Städten die Netze und verkauft den Strom an die örtlichen Stadtwerke. Die kommunalen Aktionäre gelten auch als Schutz gegen Übernahmen.

Nachteil

Bei anderen Aktionären stößt das Engagement der Kommunen regelmäßig auf Kritik. Sie werfen den Vertretern der Kommunen vor, im Aufsichtsrat die eigenen Standortinteressen voran zu stellen. Regelmäßig gab es auch Streit um Umstrukturierungen.

Ausstieg

Nach und nach steigen kommunale Aktionäre bei RWE aus. Vor einigen Jahren nutzten Städte wie Düsseldorf die hohen Kurse, jetzt treibt die Dividendenpolitik die Kommunen aus dem Unternehmen.

Durch die Sondereffekte steht unter dem Strich ein Nettoverlust von 5,7 Milliarden Euro. Operativ verschlechterte sich die Ertragslage zwar auch, blieb aber über den Prognosen, die das Unternehmen im März 2016 ausgegeben hatte. Nach vorläufigen Zahlen lag das um Sondereffekte bereinigte Ebitda (Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) bei 5,4 Milliarden Euro.

Kommentare (13)

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Rainer von Horn

22.02.2017, 09:08 Uhr

Na, da bin ich aber komplett überrascht und absolut schockiert über diese Meldung aber es tröstet, daß die beteiligten Kommunen auch an dieser Abschreibung teilhaben und die Belastungen an die Bürger weitergeben können. Weiter so! :-o

Herr Bernhard Ramseyer

22.02.2017, 09:52 Uhr

Die Vertreter der Kommunen wollten zumindest eine symbolische Ausschüttung – auch um das Engagement bei RWE gegenüber den Stadträten weiter vertreten zu können.

Das Management von RWE sollte über eine symbolische Dividende von 0,01 € pro Aktie nachdenken. Das wären dann bei 100 Aktien 1,0 € - mehr geht nicht.

Ausserdem sind die Kommunen einschl. der Räte selbst Schuld, dass es keine bzw. so wenig Dividende gibt. Aber sie gehören alle zu dem Menschenschlag, der erst merkt wenn es dunkel wird, dass man eventuell in einem tiefen Loch sitzt.

Rainer von Horn

22.02.2017, 09:55 Uhr

Wer etwas anderes erwartet hatte, ist einfach nur weltfremd. Welches Ergebnis erwartet man denn, wenn man konventionelle Kraftwerke abschaltet? Das Draghi die Dividende druckt? Oder was? Mein Mitleid für die Kommunen, denen nun die Dividende ausfällt hält sich in engen Grenzen. Und wenn dieselben Kommunen -die wahrscheinlich auch noch Windparks vorangetrieben haben, um über die Pacht doppelt zu kassieren- nun noch Abschreibungen auf den Beteiligungsbesitz vornehmen müssen, ist das voll in Ordnung. Strafe muss sein.

Die Nachrichten hierzulande sind doch nur noch Irrsinn. In der Welt ist zu lesen, dass Deutschland für 61,893 unbegleitete minderjährige ausländische Kiddies pro Jahr 4 MRD aufwenden muss, 5.250 Euro pro Kopf pro Monat. Und das bei über 16 Mio Einheimischen, die an der Armutsgrenze leben. Dieses Land ist nicht mehr zu retten.

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