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19.11.2016

12:50 Uhr

Donald Trump und die deutsche Wirtschaft

Metallbranche setzt weiter auf US-Geschäfte

Wer hat Angst vor Donald Trump? Die deutsche Metall- und Elektroindustrie jedenfalls nicht. Deutsche Produkte würden die USA auch unter Trump weiter „lieben“. An Handelsbeschränkungen glaubt die Branche nicht.

Der Präsident des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall blickt den deutsch-amerikanischen Handelsbeziehungen unter einem Präsident Trump gelassen entgegen. dpa

Rainer Dulger

Der Präsident des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall blickt den deutsch-amerikanischen Handelsbeziehungen unter einem Präsident Trump gelassen entgegen.

BerlinDie deutsche Metall- und Elektroindustrie setzt auch unter dem künftigen amerikanischen Präsidenten Donald Trump auf florierende Geschäfte mit den USA. „Die Amerikaner lieben deutsche Produkte, das wird sich auch unter Donald Trump nicht ändern“, sagte der Präsident des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall, Rainer Dulger, der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ vom Samstag.

Er sei zudem davon überzeugt, dass der Präsident Trump ein anderer sein werde als der Wahlkämpfer Trump, der als Freihandelsgegner gilt und im Rennen um das Weiße Haus mit einem stärkeren Schutz von US-Firmen geworben hatte. Dulger warnte die neue US-Regierung aber auch vor Protektionismus. „Wenn Trump Handelsbeschränkungen in die Wege leiten will, dann sollte er bedenken: Auch in den USA wird für den Export produziert.“

Das sind die Wachstumsgaranten der deutschen Exporteure

USA

Die Vereinigten Staaten sind erstmals wichtigster deutscher Absatzmarkt und verdrängen damit Frankreich nach mehr als einem halben Jahrhundert. Beflügelt vom schwachen Euro zogen die Exporte in die weltgrößte Volkswirtschaft im ersten Halbjahr 2015 um fast 24 Prozent auf 56 Milliarden Euro an. Ein weiterer Grund für diesen Boom ist das robuste Wachstum der US-Wirtschaft. Der Internationale Währungsfonds (IWF) rechnet für 2015 mit einem Anstieg des US-Bruttoinlandsprodukts um 2,5 Prozent und für 2016 mit 3,0 Prozent. Wegen geringerer Energiekosten werden zudem viele Fabriken und Produktionsstätten hochgezogen, für die Maschinen und Ausrüstungen aus Deutschland importiert benötigt werden.

Indien

Lange stand das Land im Schatten des benachbarten China. Doch sowohl in diesem als auch im kommenden Jahr dürfte Indien deutlich schneller wachsen als die Volksrepublik. Der IWF sagt jeweils ein Plus von 7,5 Prozent voraus. Vom Aufschwung in dem nach China bevölkerungsreichsten Land der Welt profitiert Deutschland bereits: Die Ausfuhren dorthin zogen im ersten Halbjahr um fast ein Fünftel auf knapp fünf Milliarden Euro an.

Südafrika

Noch besser läuft es in der nach Nigeria zweitgrößten Volkswirtschaft Afrikas: Die deutschen Exporte dorthin nahmen in den ersten sechs Monaten gleich um 28 Prozent zu - auf insgesamt 4,9 Milliarden Euro. Zwar ist die Konjunktur eher mau, doch der Staat investiert viel Geld in die Infrastruktur - von Energie über Wasser bis hin zu Straßen. Die deutsche Wirtschaft hat die dafür passenden Produkte im Angebot und profitiert davon ebenso wie von einer konsumfreudigen, wachsenden Mittelschicht.

Euro-Zone

Nach Jahren der Krise fasst die Währungsunion wieder Tritt. Bestes Beispiel dafür ist Spanien, das im zweiten Quartal so kräftig wuchs wie seit über acht Jahren nicht mehr. Der Appetit auf Waren "Made in Germany" nimmt entsprechend zu: Die deutschen Ausfuhren nach Spanien legten in der ersten Jahreshälfte um mehr als elf Prozent auf rund 19,5 Milliarden Euro zu, die in die gesamte Euro-Zone um fast fünf Prozent auf rund 220 Milliarden Euro.

Großbritannien

Das Land ist bereits der drittgrößte deutsche Exportkunde. Dennoch legten die Ausfuhren dorthin im ersten Halbjahr um starke 9,4 Prozent auf 45 Milliarden Euro zu. Auch hier sorgt der schwache Euro für einen Extra-Schub, verbilligt er doch deutsche Waren auf der Insel. Außerdem befindet sich auch Großbritannien in einem Aufschwung: In diesem Jahr dürfte das Bruttoinlandsprodukt mit 2,5 Prozent deutlich kräftiger wachsen als in der Euro-Zone mit 1,5 Prozent, wie der IWF erwartet.

So exportierten alleine die deutschen Autobauer sechs von zehn der in den USA gefertigten Fahrzeuge ins Ausland. An dieser Produktion hingen Zehntausende Jobs, sagte Dulger. Da erscheine es für die den wichtigsten Exportpartner der deutschen Metall- und Elektroindustrie wenig ratsam, Zugbrücken hochzuziehen und auf Protektionismus zu setzen. Denn eines sei klar: „Wenn der Import von deutschen Gütern in die USA behindert wird, dann wird umgekehrt wahrscheinlich auch der Export von amerikanischen Gütern in die EU behindert werden.“

Von

rtr

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