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11.02.2014

07:44 Uhr

EEG-Umlage

Hunderte weitere Unternehmen entlastet

Über 2000 Unternehmen sind laut Medienberichten von der EEG-Umlage befreit. Die Ausnahmesummen beziffern sich auf über 5 Milliarden Euro – Wettbewerbsverzerrung, sagt die Europäische Kommission.

Die EEG-Umlage zur Förderung des Ökostroms müssen Privathaushalte und Unternehmen zahlen – außer die Firmen verbrauchen besonders viel Energie. dpa

Die EEG-Umlage zur Förderung des Ökostroms müssen Privathaushalte und Unternehmen zahlen – außer die Firmen verbrauchen besonders viel Energie.

FrankfurtDie Zahl der Unternehmen, die von der Umlage nach dem Erneuerbar-Energien-Gesetz (EEG) entlastet werden, steigt in diesem Jahr von 1720 auf 2098. Das berichtet die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ in ihrer Dienstagsausgabe unter Berufung auf Angaben des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa). Demnach erhalten dieses Jahr 2098 Unternehmen mit 2779 Abnahmestellen einen Abschlag von der sogenannten EEG-Umlage. Vergangenes Jahr profitierten 1720 Unternehmen und 2299 Abnahmestellen.

Die Wirtschaft wird dem Bericht zufolge mit der besonderen Ausgleichsregelung dieses Jahr um 5,1 Milliarden Euro entlastet. Das wäre gut eine Milliarde Euro mehr als im vergangenen Jahr. Der EU-Kommission sieht darin eine Wettbewerbsverzerrung. Sie hat ein Beihilfeverfahren eingeleitet.

Ausgewählte Firmen, die von der EEG-Umlage befreit sind

Allgemeines

Insgesamt 1716 Unternehmen sind im Jahr 2013 von der EEG-Umlage ausgenommen. Das enspricht einer begünstigen Strommenge von 95 Terawattstunden – das sind etwa 16 Prozent des jährlichen Stromverbrauchs in Deutschland. Alleine 2013 blieben den Firmen rund vier Milliarden Euro an Kosten erspart.
Befreit werden können Unternehmen, die mindestens eine Gigawattastunde Strom im Jahr verbrauchen und deren Stromkostenanteil mehr als 14 Prozent beträgt.

Ausblick

Für 2014 haben 2379 Unternehmen eine Befreiung von der EEG-Umlage beantragt. Das entspricht dem zuständigen Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) zufolge fast 120 Terawattstunden oder 20 Prozent des jährlichen Stromverbrauchs in Deutschland. Allerdings werden etliche Anträge auch abgelehnt.

allfein Feinkost

Der Geflügelverarbeiter gehört zur PHW-Gruppe, dem größten Geflügelzüchter und -verarbeiter Deutschlands. Dort wird unter anderem für Aldi produziert. Drei allfein-Standorte in Lohne, Dannenberg (beide Niedersachsen) und Zerbst (Sachsen-Anhalt) sind von der EEG-Umlage ausgenommen.

Aurubis

Extrem viel Strom wird in der Metallherstellung benötigt. Der Kupferproduzent Aurubis beziffert die Entlastung durch die Befreiung in den vergangenen drei Jahren auf 102 Millionen Euro.

BASF

Zu den energieintensiven Unternehmen in Deutschland zählen viele Chemiebetriebe. Der Ludwigshafener Chemiekonzern BASF hat berechnet, dass ein Ende der EEG-Umlagebefreiung allein im Stammwerk jährliche Mehrkosten von mehr als 300 Millionen Euro bedeuten würde.

Bogestra – Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen

Ein Kompromiss mit der EU könnte sich darin andeuten, dass die Befreiung für Unternehmen ausgesetzt wird, die nicht im internationalen Wettbewerb stehen. Dazu zählen etwa Straßenbahnunternehmen – insgesamt 53 sind in Deutschland befreit. Die volle EEG-Umlage zahlen zu müssen würde die Bogestra jährlich 1,28 Millionen Euro kosten.

Lanxess

Der Kautschuk-Hersteller hat in den vergangenen drei Jahren mehr als 100 Millionen Euro gespart durch die EEG-Befreiung. Eine diskutierte mögliche Nachzahlung dürfte das Unternehmen in die Verlustzone drücken.

Storck

Ein Werk des Süßwarenherstellers („Merci“, „Toffifee“ etc.) in Berlin ist von der EEG-Umlage ausgenommen.

Vion

Die Betriebe des Schweineschlachters Vion sind zum großen Teil von der EEG-Umlage befreit. Die Stromkosten müssen mindestens 14 Prozent der Bruttowertschöpfung des Unternehmens ausmachen, um in Frage zu kommen. Gegen Vion wurde etwa in der ZDF-Sendung Frontal der Vorwurf erhoben, durch den Einsatz von Werkverträgen statt Festangestellten unter diese Schwelle zu kommen.

Schwarzwald-Sprudel

Nicht nur Industrieunternehmen sind befreit, auch Lebensmittelbetriebe. Schwarzwald Sprudel gehört der Supermarktkette Edeka.

Die EEG-Umlage zur Förderung des Ökostroms müssen Privathaushalte und Unternehmen zahlen. Energieintensive Betriebe sind ausgenommen oder bekommen Rabatte. Die Zahl der Ausnahmen ist in den vergangenen Jahren immer weiter gestiegen. Dadurch nimmt die Belastung für die Privathaushalte zu.

Von

afp

Kommentare (12)

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esboern

11.02.2014, 08:10 Uhr

Regieren u. Handeln nach Gutsherrenart, das ist Demokratie in Deutschland. Das sieht man auch bei der Straffreiheit für Steuerhinterziehubg bei Selbstanzeige, nur für die Eliten u. die Reichen. Demokratie wird gelebt in der Schweiz, jedoch haben unsere Politiker, Unternehmer u. Eliten kein Verständnis dafür.

Account gelöscht!

11.02.2014, 08:29 Uhr

Verständnis hätte die vielleicht schon, aber sie könnten das Volk nicht mehr so einfach ausplündern.
Das Volk aber selbst hat sich entmündigt, als es nach "Mutti" als Knazlerin rief. Bekommen hat es eine Rabenmutter.

Account gelöscht!

11.02.2014, 08:47 Uhr

Bitte Verstand einschalten: Wenn man für eine Firma die Befreiung von der EEG-Umlage streicht, gibt es zwei Möglichkeiten.

1) Die Firma ist in der Lage ihre Preise zu erhöhen. In diesem Fall ist nichts gewonnen - unsere Stromrechnung sinkt ein wenig, aber dafür bezahlen wir an anderer Stelle mehr (je nachdem was die Firma herstellt oder welchen Service sie anbietet).

2) Die Firma ist nicht in der Lage ihre Preise zu erhöhen. Diese Alternative ist schlechter als 1) weil dann die Firma Arbeitsplätze abbauen wird oder ganz ins Ausland verschwindet.

Es macht wenig Sinn über die Verteilung der Lasten der Erneuerbaren zu streiten.Mn muss das Übel bei der Wurzel packen - und das sind die gigantischen Kosten der Erneuerbaren Energien.

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