Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

02.07.2015

19:09 Uhr

Einigung mit US-Justizministerium

BP zahlt höchste Strafe der Wirtschaftsgeschichte

VonCarsten Herz, Axel Postinett

Der britische Ölkonzern BP einigt sich mit der US-Regierung wegen der Ölkatastrophe auf der Deepwater Horizon – auf eine Zahlung von 18,7 Milliarden Dollar. Für die wirtschaftsschwache Region ist das ein Segen.

2010 führte ein Unfall auf der BP-Ölplattform Deepwater Horizon zu einer Katastrophe, in der Hunderte Millionen Liter Öl ins Meer strömten. Nun hat das US-Justizministerium sich mit BP auf eine Strafzahlung geeinigt. AFP

Ölkatastrophe im Golf von Mexiko

2010 führte ein Unfall auf der BP-Ölplattform Deepwater Horizon zu einer Katastrophe, in der Hunderte Millionen Liter Öl ins Meer strömten. Nun hat das US-Justizministerium sich mit BP auf eine Strafzahlung geeinigt.

London/San FranciscoQuälende 87 Tage lang strömte das Öl ins Meer. Die Küsten von fünf US-Bundesstaaten wurden verseucht, Fischfang und Tourismus an der Golfküste schwer geschädigt. Hunderte Millionen Liter Öl töteten Meeresbewohner und Seevögel. Im April 2010 ging die Bohrplattform „Deepwater Horizon“ in einem gigantischen Feuerball unter und verursachte die bislang größte Umweltkatastrophe in den USA. Jetzt wird ein finanzieller Schlussstrich gezogen: mit weiteren 18,7 Milliarden Dollar, zahlbar von BP über 18 Jahre.

Für BP haben sich die Entschädigungszahlungen in den USA zu einem finanziellen Mühlstein entwickelt, an dem das Unternehmen auch fünf Jahre nach der Ölkatastrophe noch schwer trägt. Mehr als 43 Milliarden Dollar hatten die Briten insgesamt für die Folgen und die Beseitigung der Ölkatastrophe veranschlagt, ein Großteil davon floss in einen Entschädigungsfonds. Mit der nun erfolgten außergerichtlichen Einigung wächst die veranschlagte Summe um schätzungsweise rund zehn Milliarden Dollar an.

Die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko

Die größte Umweltkatastrophe der USA

Die Explosion der vom BP-Konzern geleasten Bohrinsel „Deepwater Horizon“ am 20. April 2010 löste die größte Umweltkatastrophe in der Geschichte der USA aus. Bei dem Unglück starben elf Menschen, zwei weitere kamen später bei Rettungsarbeiten ums Leben.

Fatales Öl-Leck

Aus einem Leck in 1500 Meter Tiefe waren fünf Monate lang insgesamt bis zu 780 Millionen Liter Erdöl in den Golf von Mexiko gesprudelt. Bei Fischern und Anwohnern des Katastrophengebiets bleibt die Sorge um Spätschäden infolge des Öls und knapp sieben Millionen Liter chemischer Öl-Bekämpfungsmittel.

Verheerende Folgen

Mehr als 1000 Kilometer Küste in den Bundesstaaten Louisiana, Mississippi, Alabama und Florida wurden verschmutzt. Hunderttausende Tiere wie Meeressäuger, Fische, Pelikane und Schildkröten starben an den Folgen. Die Tourismusbranche und Fischer aus der Region erlitten schwere Einbußen.

Die Bohrinsel „Deepwater Horizon“

Die im Golf von Mexiko gesunkene Öl-Bohrinsel „Deepwater Horizon“ war auf die Erkundung von Tiefseevorkommen spezialisiert. Im September 2009 erreichte sie bei einer Bohrung im Meeresboden die Rekordtiefe von mehr als 10.600 Metern.

Tiefsee-Plattform

Die schwimmende Plattform konnte in bis zu 3000 Meter tiefen Gewässern eingesetzt werden. Sie wurde vom Tiefsee-Spezialisten Transocean betrieben und war für den britischen Ölkonzern BP im Einsatz.

Größer als ein Fußballfeld

Die 121 Meter lange und 78 Meter breite „Deepwater Horizon“ war größer als ein Fußballfeld. Sie wurde 2001 in Südkorea fertiggestellt und konnte auch in orkanartigem Sturm mit neun Meter hohen Wellen arbeiten.

Zurückgelegt hatten die Briten für solche Entschädigungen bisher deutlich weniger. Trotzdem macht der britische Konzern in Optimismus: „Das ist ein realistisches Ergebnis, das allen Beteiligten Klarheit und Sicherheit gibt“, sagte BP-Vorstandschef Bob Dudley. BP habe damit die wesentlichen Verpflichtungen aus dem Unglück geregelt.

Für BP dürfte es von großer Bedeutung sein, dass die Zahlungen über einen langen Zeitraum erfolgen. So haben die Briten insgesamt bis zu 18 Jahre Zeit, um die Summe aufzubringen. Die Zahlungen enthalten beispielsweise eine Strafzahlungen wegen eines Verstoßes gegen das „Clean Water Act“ an die Behörden von 5,5 Milliarden Dollar, die über 15 Jahre zu zahlen ist.

Kommentar zu Deepwater Horizon: Und nach dem Meer das Grundwasser?

Kommentar zu Deepwater Horizon

Und nach dem Meer das Grundwasser?

18 Milliarden Dollar zahlt BP wegen der Ölpest im Golf von Mexiko. Doch das Ende der Fahnenstange ist für das Unternehmen damit noch nicht erreicht. Mit den Risiken steigen die potenziellen Kosten. Auch für Aktionäre.

Die meisten Investoren sahen die Einigung darum positiv. Die BP-Aktie legte in London zeitweise um bis zu 4,5 Prozent zu. Der starke Rückgang des Ölpreises hatte BP zuvor im vierten Quartal massiv belastet. Hohe Abschreibungen sowie einer Neubewertung der Reserven summierten sich zu einen Verlust von 4,4 Milliarden Dollar.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×