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20.09.2013

17:54 Uhr

Einschnitte bei RWE

Halbierung der Dividende sorgt für Unruhe bei Kommunen

Die scharfen Einschnitte bei RWE alarmieren Kommunen und die Gewerkschaft. An der Börse ging es für das Unternehmen kräftig nach unten. Für den Personalabbau zeichnet sich bei den Gesprächen indes eine Lösung ab.

RWE hat angekündigt, die Dividende für 2013 auf einen Euro halbieren zu wollen. Das sorgt für Unruhe. dpa

RWE hat angekündigt, die Dividende für 2013 auf einen Euro halbieren zu wollen. Das sorgt für Unruhe.

EssenDie geplanten massiven Einschnitte beim Versorger RWE mit Stellenabbau und einer Halbierung der Dividende haben bei den kommunalen Eigentümern und der Gewerkschaft Verdi für Unruhe gesorgt. „Eine Nullrunde werden wir nicht mitmachen“, sagte ein Verdi-Sprecher. „Wir sehen keine Chance, die neue Deckungslücke zu schließen“, sagte der Kämmerer der Stadt Mülheim/Ruhr, Uwe Bonan. RWE müsse schnellstens wieder für höhere Dividenden sorgen. Der Aktienkurs gab bis zum Mittag um rund vier Prozent nach.

RWE hatte am Vorabend angekündigt, die Dividende für 2013 auf einen Euro halbieren zu wollen und zugleich angekündigt, die künftige Ausschüttung an die Aktionäre sinke von 50 bis 60 Prozent des nachhaltigen Nettoergebnisses auf 40 bis 50 Prozent.

Nach Medienberichten, die RWE bislang nicht kommentieren wollte, soll außerdem der Rotstift in der Kraftwerkssparte angesetzt werden. 3000 Stellen sollen dort wegfallen. Bei RWE läuft bereits ein Sparprogramm, das die Zahl der Mitarbeiter um 10.500 senken soll. Außerdem wird nach ebenfalls unbestätigten Berichten über eine Nullrunde für die Beschäftigten gesprochen.

„Das ist ja wohl Wunschdenken der Arbeitgeberseite“, sagte der Verdi-Sprecher. „Wir reden über einen Konzern mit rund 2,4 Milliarden Euro Nettoergebnis.“ Für den langfristig und sozialverträglich angelegten Personalabbau zeichne sich allerdings bei den Gesprächen eine Lösung ab. Details könne er noch nicht nennen, sagte der Gewerkschaftler.

Allein die kommunalen Eigentümer, die zusammen rund 24 Prozent halten, müssen durch die Dividendenkürzung Einnahmeausfälle von zusammen rund 150 Millionen Euro verkraften. Der Essener Kämmerer Lars-Martin Klieve sprach von einer „zwar nicht überraschenden, aber dennoch bitteren Nachricht für die Stadt“.

Für die Dortmunder Stadtwerke DSW 21 bedeutet die Kürzung beispielsweise gut 19 Millionen Euro Einnahmen weniger im kommenden Jahr. Die Stadt Mülheim muss auf etwa 10 Millionen Euro verzichten, Essen auf etwa 19 Millionen, wie Sprecher am Freitag vorrechneten. Die Kommunen müssen nun ihrerseits Sparprogramme auflegen. Sie halten ihre RWE-Aktien allerdings auch zur Standortsicherung und Sicherung von Beschäftigung, wie der Chef der Dortmunder Stadtwerke, Guntram Pehlke, sagte.

„Es sind gerade die Städte im Ruhrgebiet, die ohnehin schon hoch verschuldet sind, die von dieser Dividendenkürzung betroffen sind“, sagte Gerd Landsberg, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebunds, der „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“. Die Stadt Bottrop, die ebenfalls zum Aktionärskreis gehört, erklärte der WAZ, Kämmerer Willi Loeven hoffe, dass die angekündigte Halbierung der Dividende „von der Aktionärsversammlung nicht akzeptiert wird“. Vom Verband kommunaler Aktionäre war keine Stellungnahme zu erhalten.

Welche Kraftwerke RWE abschalten will

Amer 8

Der Energieversorger RWE will in den nächsten Jahren zahlreiche Kraftwerke aus dem Markt nehmen. Darunter ist auch das Steinkohlekraftwerk Amer 8 in den Niederlanden. Die Anlage mit einer Erzeugungskapazität von 610 Megawatt soll Anfang 2016 stillgelegt werden.

Moerdijk 2

Die meisten der Anlagen, die RWE aus dem Markt nehmen will, sind Gaskraftwerke, wie etwa Moerdijk 2 in den Niederlanden. Die Anlage hat eine Erzeugungskapazität von 430 Megawatt und soll bereits Ende dieses Jahres langfristig konserviert werden.

Gersteinwerk F und Gersteinwerk G

Auch die Anlagen Gersteinwerk F und Gersteinwerk G sollen eingemottet werden. Gersteinwerk F noch in diesem Jahr und Gersteinwerk G Mitte 2014. Die Gaskraftwerke haben jeweils eine Erzeugungskapazität von 355 Megawatt und stehen in Deutschland.

Weisweiler H und Weisweiler G

Weisweiler H und Weisweiler G arbeiten ebenfalls mit Gas. Die deutschen Kraftwerke haben jeweils eine Erzeugungskapazität von 270 Megawatt und sollen bis Oktober 2013 langfristig konserviert werden.

Emsland B und Emsland C

Die deutschen Gaskraftwerke Emsland B und Emsland C haben jeweils eine Erzeugungskapazität von 360 Megawatt und sollen bis Mitte 2014 zumindest in den Sommermonaten abgeschaltet werden.

Analysten erklärten zwar, die Dividendenkürzung sei erwartet worden. Das Ausmaß sei aber überraschend, erklärten Experten der LBBW. Andere Analysten sehen den Schritt auch als klares Signal an eine neue Bundesregierung, nach der Wahl am Sonntag eine Reform der Energiewende einzuleiten. Aber auch die Gewerkschaften könnten sich angesprochen fühlen – denn nach den Aktionären wird RWE-Chef Peter Terium die Arbeitnehmer voraussichtlich mit Stellenstreichungen und Lohnpausen in die Pflicht nehmen wollen. Am 14. November will der Konzern bei der Vorlage seiner Quartalszahlen „über zusätzliche Kostensenkungsmaßnahmen“ berichten – und Terium auch einen Ausblick auf 2014 geben.

„Es gibt keinen Zweifel daran, dass uns schwere Zeiten bevorstehen“, sagte Terium. „Das müssen wir auch bei der Dividendenpolitik berücksichtigen.“ Auch für die Folgejahre ändert der Konzern seine Dividendenpolitik, er will nun einen geringeren Anteil des Gewinns an die Anteilseigner weiterreichen. J.P.-Morgan-Analysten erwarten, dass der unter einer riesigen Schuldenlast ächzende Essener Konzern so über vier Jahre rund 1,1 Milliarden Euro sparen kann – was die Nettoschulden von 35 Milliarden Euro aber nicht signifikant drücken wird. Doch verbessere sich durch den Schritt auch die Position des Managements im Poker mit den Gewerkschaften Verdi und IG BCE.

Von

dpa

Kommentare (8)

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Account gelöscht!

20.09.2013, 17:39 Uhr

EON und RWE hängen am Fliegenfänger der SPD.
Solange diese Mißwirtschaftspartei dort die Pfründe abgreift und mitbestimmt, sind beide Unternehmen für mich als Investor no-brainer.
Terium holt nun zum Gegenschlag gegen die üblen SPD-Kommunen und deren Machenschaften aus, hoffentlich gelingt es. Wir reden hier immerhin über 2 DAX-Konzerne.
Hr. Terium: Viel Glück!

Heini1946

20.09.2013, 18:11 Uhr

Die Kommunen haben ihre RWE Aktien beliehen. Wahrscheinlich im Sparkassenumfeld. Dort wiederum ziehen
sie die Fäden. Unter normalen Umständen hätten schon längstens Margin Calls erfolgen müssen. Ist aber nicht geschehen wegen der Verquickung. Von Essen nehme ich an,
das sie real pleite sind. Bei Dortmund dürfte es ähnlich
sein. Aber was nicht ist, kann noch kommen. Die Herren
Sparkassenvorstände sitzen damit auf einer Kiste Dynamit.
Sie müssen auch ihren Jobpflichten nachkommen und können
aus politischer Rücksichtnahme nicht auf ewig die Augen schließen. Durch die rotgrünen Quatsch und durch die
gelbschwarze Umfähigkeit haben wir eine klasse Energiewende hinbekommen. Die Strompreise sinken aber die
Verbraucher haben nichts davon. Im Gegenteil, sie werden
verhonnepippelt bis zu geht nicht mehr und dürfen immer
mehr blechen. Bis alle im Wald und auf der Heide hausen,
glücklich mit einem Klima, das trotz aller irren Be-mühungen nicht um die propagierten 2 Grad steigt. Im Gegenteil, die Mistvieher Erde/Sonne wollen einfach nicht auf die Klimaforscher hören. Der große Plan dürfte
also lauten, D nicht weiter aufsteigen zu lassen. Deshalb
werden immer neue Lasten auf den Esel gepackt. Die Zu-wanderer und Asylanten ohne Quali kosten ein irres Geld
und der Mittelstand wird dafür ausgeplündert. In Duisburg, auch so eine Pleitestadt, will man Asylsuchende
gleichmäßig auf die Stadt verteilen. Ähnliches ist auch Detroit abgegangen. Nur, wir wissen, wie das ausgegangen
ist. Die gebeutelten Mittelstände haben die Stadt verlassen und der verbliebene Rest wird es auch nicht mehr lange aushalten und abhauen. Ja, diese Land hat ein
Gerechtigkeitsproblem. Es ist nur anders als gesagt. Die
jenigen die das Karusell anschieben werden immer schlech-ter behandelt als die Klientel der man leistungslos alles reinschiebt und die noch nie einen Cent in diese
Solidarkasse eingebracht haben. Überlegen Sie gut, was Sie am Sonntag wählen. Wählen Sie diese Parteien ab, die das zu verantworten haben!

Account gelöscht!

20.09.2013, 18:38 Uhr

Kurzum: Wer sich die Bundesländer anschaut, in denen so gar nichts geht, muß feststellen, daß hier die SPD langjährig regiert.
Wer sich wie die Kuh zum Schlachter führen lassen möchte, ist ganz gewiß bei der SPD gut aufgehoben. Noch besser bei den Linken.
Es sei denn er ist Schmarotzer. Die finden beide Parteien prächtig.

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