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06.07.2015

15:30 Uhr

Elektrokonzern

Siemens benötigt den Endspurt

Ziel verfehlt? Siemens rechnet mit einer Marge am unteren Ende der angepeilten Gewinnspanne. Nun hängt alles vom vierten Quartal ab. Indes hat Siemens einen Großauftrag für Windkraftanlagen an Land gezogen.

Windkrafträder vor der ostfriesischen Insel Borkum. dpa

Offshore-Windenergiepark

Windkrafträder vor der ostfriesischen Insel Borkum.

München/BorkumDer Elektrokonzern Siemens muss sich anstrengen, um sein angepeiltes Margenziel im laufenden Geschäftsjahr zu erreichen. Man gehe aber davon aus, dass es einen Endspurt im Schlussquartal 2014/15 (30. September) geben werde, verlautete am Montag aus Unternehmenskreisen in München. Konzernchef Joe Kaeser hatte sich im industriellen Geschäft eine Marge von zehn bis elf Prozent vorgenommen – im zweiten Quartal waren allerdings lediglich neun Prozent vom Umsatz übrig geblieben.

Den Gewinn von zuletzt rund 5,5 Milliarden Euro will Siemens im Geschäftsjahr um mindestens 15 Prozent steigern. Allerdings hatte der Elektrokonzern Milliarden beim Verkauf von Unternehmensteilen eingestrichen. Der Umsatz soll in etwa auf dem Vorjahresniveau von 72 Milliarden Euro gehalten werden. Für das kommende Jahr peilt Siemens dann wieder Wachstum an. Falls der Markt schrumpft, will das Unternehmen zumindest Marktanteile gewinnen.

Vom Griechenland-Drama sieht sich Siemens materiell nicht betroffen. Die Aktivitäten dort beschränkten sich hauptsächlich auf Serviceleistungen für bestehende Anlagen, dagegen gebe es wenig Neugeschäft, die Umsätze für Siemens in dem hoch verschuldeten Land seien minimal. Man hoffe aber nicht, dass es zu einem Ausstieg aus der Eurozone komme, hieß es.

Offshore: Projekte in Megadimensionen

Gewicht

Das Gesamtgewicht einer Anlage kann laut der Stiftung Offshore Windenergie schnell 1000 Tonnen übersteigen. Dabei stehen die Anlagen auf bis zu 900 Tonnen schweren Fundamenten. Allein die Gondel (Maschinenhaus) könne zwischen 300 und 400 Tonnen wiegen.

Gigantische Maße

Allein die im Testfeld Alpha Ventus installierten 5-Megawatt-Anlagen haben einen Rotordurchmesser von bis zu 125 Metern und eine Gesamthöhe von mehr als 170 Metern über dem Meeresgrund. Neuere Anlagen der Leistungsklasse von 6 Megawatt erreichen laut Stiftung Offshore Windenergie Rotordurchmesser um die 150 Meter.

Kosten

Der Bau eines Windparks auf hoher See ist um einiges komplexer als der einer Anlage auf dem Land. Doch binnen sechs Jahren konnte die Branche ihre Kosten halbieren. Beim neuen Offshore-Windpark „Borssele“ in den Niederlanden liegen die Gesamtkosten pro Megawattstunde bei 87 Euro.

Indes hat Siemens einen Großauftrag für Windkraftanlagen in der deutschen Nordsee erhalten. Für das Offshore-Projekt „Veja Mate“ nordwestlich der Insel Borkum und 115 Kilometer vor der ostfriesischen Küste liefern die Münchener 67 Windkraftanlagen mit einer Leistung von je 6 Megawatt, wie der Dax-Konzern Montag mitteilte.

Insgesamt sollen die Anlagen nach der Inbetriebnahme Ende 2017 eine Gesamtleistung von 400 Megawatt erreichen. Die Installation soll im März 2017 beginnen. Zusätzlich zur Lieferung übernimmt Siemens die Wartung und Instandhaltung der Anlagen über 15 Jahre.

Das Unternehmen prüft derzeit auch den Bau einer Fabrik für Windkraftanlagen in Deutschland. Dort könnten bis zu 1000 Arbeitsplätze entstehen, wurde am Montag bekräftigt. Die Standortentscheidung soll bis September fallen, als wahrscheinlich gilt aus logistischen Gründen ein Standort in Norddeutschland. Deutschland müsse zudem in neue Speichertechnologien investieren, hieß es in den Unternehmenskreisen.

Offshore-Windkraftturbinen haben laut Branchenexperten ein Auftragsvolumen von bis zu 1,5 Millionen Euro je Megawatt installierter Leistung. Die Errichtung auf See kostet insgesamt wegen der anspruchsvollen Fundament-Arbeiten und der kostspieligen Netzanbindung aber deutlich mehr: Pro Megawatt fallen je nach Lage zwischen 2,5 und 4 Millionen Euro an.

Von

dpa

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