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17.09.2014

18:22 Uhr

Elektrokonzern

Siemens teilt Konjunktursorgen

Politische Krisen lassen die Konjunktursorgen in Deutschland wachsen. Auch Siemens beobachtet die Entwicklung aufmerksam. Mit seinem Umbau kommt der Elektrokonzern unterdessen planmäßig voran.

Die weltweite konjunkturelle Lage wird bei Siemens kritisch betrachtet. Reuters

Die weltweite konjunkturelle Lage wird bei Siemens kritisch betrachtet.

MünchenDer Elektrokonzern Siemens sieht die weltweite konjunkturelle Lage derzeit von viel Unsicherheit geprägt. „Wir haben ein paar geopolitische Einflussfaktoren, die die Investitionstätigkeit nicht gerade steigern“, sagte Siemens-Finanzvorstand Ralf Thomas am Mittwoch beim Richtfest für die neue Konzernzentrale in München. Vom Konflikt mit Russland sieht sich das Unternehmen, das viel Wertschöpfung im Land hat, zwar nicht so stark betroffen, doch sei der russische Markt speziell für Siemens-Kunden derzeit „nicht gerade auf der Überholspur“. Aus China kämen zudem sehr unterschiedliche Signale.

Bereits vor einigen Tagen waren hochrangige Wirtschaftsführer, darunter Siemens-Chef Joe Kaeser und BASF-Chef Kurt Bock, in Genf zu einem informellen Treffen zusammengekommen, um über den Ukraine-Konflikt zu beraten. Eingeladen hatte dazu der Veranstalter des Weltwirtschaftsforums in Davos, Klaus Schwab. Die Top-Manager verabschiedeten dabei einen Zehn-Punkte-Plan, mit dem sie sich unter anderem für einen intensiveren Dialog, die Beendigung provokanter und kriegerischer Sprache sowie ein Zurückdrehen der Sanktionen aussprechen.

So krempelt Kaeser Siemens um

Größter Umbau seit Jahren

Erst Ruhe und Ordnung, dann der größte Umbau seit Jahren: Ab Mai 2014 packt Siemens-Chef Joe Kaeser überraschend viel an bei Deutschlands größtem Elektrokonzern. Von der Auflösung der Sektoren bis zum weiteren Vorstandsumbau - das Großreinemachen bei Siemens hat begonnen. Und ganz nebenbei traute sich Kaeser noch eine milliardenschwere Übernahme des französischen Industrierivalen Alstom zu und wagte sich dafür in ein Bietergefecht mit dem US-Rivalen General Electric (GE).

Was soll sich bei Siemens verändern?

Die von Kaesers Vorgänger Peter Löscher eingeführte Einteilung in die vier Sektoren Energie, Industrie, Medizintechnik und Infrastruktur & Städte sollte ab Oktober 2014 Geschichte sein, das Geschäft in neun statt bisher 16 Divisionen zusammengefasst werden. Für die Hörgeräte-Sparte, für die vor Jahren ein Verkauf platzte, plant Siemens einen Börsengang. Die restliche Medizintechnik bleibt zwar im Konzern - sollte aber ab Oktober eigenständig außerhalb der neun Divisionen geführt werden und damit unabhängig vom Organisationsaufbau des restlichen Konzerns. Hinzu kommt der Zukauf des Gasturbinen- und Kompressorengeschäfts vom Flugzeugtriebwerkhersteller Rolls-Royce.

Wen treffen die Veränderungen?

Siemens hatte per Sparprogramm 15.000 Stellen gestrichen. Betroffen vom weiteren Umbau sollten vor allem Arbeitsplätze in der Verwaltung sein. Im Zuge des Umbaus gab aber auch der bisher für den Energiesektor zuständige Vorstand Michael Süß seinen Posten an die Shell-Managerin Lisa Davis ab. Süß war 2013 zeitweise sogar als möglicher Nachfolger Löschers gehandelt worden, der nach zwei Gewinnwarnungen in kurzer Folge Ende Juli 2013 Jahres seinen Hut nehmen musste.

Was will Kaeser mit dem Umbau erreichen?

Weniger Bürokratie, schlankere und übersichtlichere Strukturen, eine straffere Führung und mehr Kundennähe dürften zu Kaesers wichtigsten Zielen gehören. Ausdrücklich will er den Konzern auf die Wachstumsfelder Elektrifizierung, Automatisierung und Digitalisierung ausrichten. Siemens braucht wieder Anschluss an Wettbewerber wie den US-Mischkonzern GE, dem die Münchner seit Jahren in Sachen Rendite hinterherhecheln. Auch in der Akquisitionspolitik will Kaeser nach Rückschlägen seines Vorgängers Löscher zeigen, dass er es besser kann. Vielversprechende Geschäftsfelder stärken und weniger Zukunftsträchtiges abstoßen, heißt dabei seine Devise. Und ganz nebenbei bringt der Umbau weitere Einsparungen: Bis zum Herbst 2016 sollen die Kosten um eine Milliarde Euro sinken.

Welche Rolle spielte der Poker um Alstom?

Beide Baustellen haben zunächst wenig miteinander zu tun. Die Pläne für den Umbau, den Kaeser dem Aufsichtsrat vorlegte, reiften spätestens seit dem Wechsel des früheren Finanzvorstands an die Spitze von Siemens. Wären die Münchner bei den Franzosen zum Zuge gekommen, hätte Kaeser wohl ein weiteres Mal größere Umbauarbeiten beginnen müssen.

Bei seinem tiefgreifenden Umbau sieht sich Siemens derweil im Plan. „Ab 1. Oktober geht es in der neuen Struktur los“, sagte Siemens-Finanzvorstand Ralf Thomas am Mittwoch beim Richtfest für die neue Konzernzentrale in München. Siemens soll durch den Umbau schlanker und effizienter werden. So fällt die Einteilung des Geschäfts in die Sektoren Energie, Industrie, Medizintechnik sowie Infrastruktur und Städte weg, außerdem wird die Zahl der Divisionen reduziert. Spekuliert wird, dass der Umbau Tausende Jobs kosten könnte, genaue Zahlen sind aber noch nicht bekannt.

Mit dem Rohbau für die neue Konzernzentrale ist Siemens früher fertig geworden als geplant. Der Neubau sei ein Bekenntnis zu München als Sitz von Vorstand und Aufsichtsrat, sagte Thomas. Er soll Arbeitsplätze für rund 1200 Mitarbeiter, aber auch ein öffentlich zugängliches Erdgeschoss mit begrünten Innenhöfen, Gastronomie und Ausstellungsflächen umfassen. Für das Projekt ist ein niedriger dreistelliger Millionen-Euro-Betrag veranschlagt. Bis Ende 2015 soll die neue Siemens-Zentrale fertiggestellt werden, die Eröffnung ist für Frühjahr 2016 geplant.

Von

dpa

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