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01.12.2014

16:12 Uhr

Emissionshandel

Höhere Preise zur Förderung von Windenergie

Mehr Geld muss her: Der Emissionshandel soll bei der Förderung großer Windenergie-Anlagen mehr Geld generieren. Nach Ansicht der Internationalen Energie-Agentur sollen die Preise für CO2-Rechte massiv steigen.

Die Windkraftbranche braucht mehr Geld: Windräder vor der untergehenden Sonne. dpa

Die Windkraftbranche braucht mehr Geld: Windräder vor der untergehenden Sonne.

BrüsselZur Förderung großer Windenergie-Anlagen sind nach Ansicht der Internationalen Energie-Agentur (IEA) weitaus höhere Preise im Emissionshandel nötig. Eine Tonne Kohlendioxid müsse am Markt für Verschmutzungsrechte rund 30 Euro kosten, damit in Windparks vor den Küsten investiert werde, teilte die IEA am Montag mit. Um moderne, im Bau aber teure Gaskraftwerke lukrativer zu machen, sei sogar ein Preis von rund 40 Euro je Tonne CO2 notwendig. Derzeit wird diese mit rund sieben Euro bewertet.

Der deutsche Versorger Eon hatte zuvor angekündigt, künftig ganz auf Ökostrom wie Windenergie zu setzen und sich im Zuge der Energiewende von seinen Atom- und Kohlekraftwerken zu trennen. In den vergangenen Jahren waren die Preise für Verschmutzungsrechte deutlich gesunken. Unter anderem wegen der Wirtschaftskrise benötigten Fabriken und Kraftwerke weit weniger CO2-Rechte als von den Regierungen angenommen.

Die EU-Kommission hat bereits vorgeschlagen, Millionen von Zertifikaten dem Markt zu entziehen, um die Preise wieder anzuheben. Die EU-Staaten müssen sich noch darauf einigen, wann das geschehen soll. Deutschland und Großbritannien sprechen sich für 2017 als Start der sogenannten Marktstabilisierungsreserve (MSR) aus. Die Reform des Emissionshandel ist auch Teil der Klimaziele für 2030, auf die sich die EU-Staaten Ende Oktober verständigt hatten.

Das Ökostrom-Gesetz und die Industrie-Rabatte

Strompreise für Haushalte

Die Regierung macht keine Hoffnung auf sinkende Strompreise, will die Umlage zur Ökostrom-Förderung auf den Rechnungen aber zumindest stabil halten.

Deutsche Bahn

Die Deutsche Bahn als größter deutscher Stromverbraucher muss nach Sonderregeln nun 20 Prozent der Umlage zahlen. Der Konzern hat angekündigt, Belastungen auf die Ticketpreise umzulegen.

Eigenstrom

Ein Viertel des Industriestroms erzeugen die Betriebe selbst, mit steigender Tendenz. Grund war, dass dieser Strom bislang komplett von der Umlage ausgenommen war. Für Bestandsanlagen soll dies bis 2016 weiter gelten, danach soll es auf Druck der EU eine Neuregelung geben. Strom aus neuen Ökostrom-Anlagen und umweltfreundlichen Kraft-Wärme-Kopplungs-Kraftwerke (KWK) wird mit 40 Prozent der Umlage belastet, alle übrigen zahlen voll. Kleinstanlagen unter zehn Kilowatt Leistung sind weiter komplett befreit. Dies begünstigt vor allem Solaranlagen auf Hausdächern, die sich angesichts gesunkener Einspeise-Vergütungen nur noch lohnen, wenn Strom daraus selbst genutzt wird,

Rabatt-Rückzahlungen

Rückzahlungen von zwischen 2013 und 2014 gewährten Industrie-Rabatten konnte die Regierung weitgehend verhindern. Für beide Jahre belaufen sich die Zahlungen laut Bundesregierung auf 30 Millionen Euro, verteilt auf 350 betroffene Unternehmen.

Industrie-Rabatte

Die EU hatte die Rabatte der Industrie auf die EEG-Umlage, mit der die Ökostrom-Förderung bezahlt wird, als verbotene Beihilfe angegriffen. Für 68 energieintensive Branchen werden nun 15 Prozent der Umlage fällig - derzeit 6,24 Cent pro Kilowattstunde. Dies gilt nur bis zu einer Obergrenze von vier Prozent gemessen an der Bruttowertschöpfung des jeweiligen Unternehmens. Bei besonders großen Verbrauchern - etwa Aluminium- oder Stahlbetrieben - kann die Grenze bis auf 0,5 Prozent sinken. Die Bruttowertschöpfung ist vereinfacht gesagt der Wert der produzierten Waren abzüglich der Vorleistungen. Unternehmen, die schon vor 2012 Rabatte bekommen hatten, aber nun nicht mehr unter die Kriterien fallen, müssen 20 Prozent der Umlage zahlen. Unter dem Strich erhöht sich die Belastung der Industrie kaum.

Ökostrom-Vermarktung

Bislang verkaufen die Netzbetreiber die Energie an der Börse für die Anlagenbetreiber, diese erhalten wiederum von den Netzbetreibern auf 20 Jahre festgelegte Abnahmepreise. Künftig muss Strom aus allen größeren Anlagen selbst vermarktet werden. Dazu gibt es eine Prämie, die die Lücke zu den garantierten Tarifen schließt. Ab 2017 soll eine Prämie vorab als Aufschlag auf den Marktpreis per Auktion festgelegt werden. Wer die geringste Prämie verlangt, bekommt den Zuschlag zum Bau eines Windparks oder einer Solar-Freiflächenanlage. Der Investor hat damit das Risiko sinkender und die Chance steigender Börsenpreise.

Förderhöhe

Die Fördersätze für Strom aus Neuanlagen sollen - bis auf Solar - überall weiter gekürzt werden. Bei Windenergie an guten Standorten, vor allem der Küste, soll der garantierte Abnahmepreis um zehn bis 20 Prozent schrumpfen. Bei Biogas werden eine Reihe von Zuschlägen gestrichen.

Wind auf hoher See

Bis 2020 sollen 6500 Megawatt installiert und bis 2030 dann 15.000 Megawatt in Nord- und Ostsee gebaut werden.

Ausbau-Ziele

Der Ökostrom-Ausbau soll gezielter gesteuert werden: Bis 2025 soll er einen Anteil von 40 bis 45 Prozent am Verbrauch erreichen, bis 2035 von 55 bis 60 Prozent. Jährlich sollen maximal je 2500 Megawatt Solar- und Windenergie an Land neu gebaut werden, sonst greifen Extra-Förderkürzungen. Beim Wind darf zusätzlich Ersatz für abgerissene Windräder dazu kommen. Der Bau von Biogas-Anlagen soll auf 100 Megawatt begrenzt werden, da diese als teuer gelten und Mais-Monokulturen fördern. Mais ist Rohstoff für Biogas.

Die IEA sprach sich zudem dagegen aus, für Gaslieferungen aus Russland ein "Käufer-Kartell" zu bilden. Die Brüsseler Behörde sucht im Zuge der Ukraine-Krise nach Wegen, sich unabhängiger vom russischen Gas zu machen. Dabei wurde auch die Idee ins Spiel gebracht, dass die EU einen einheitlichen Gaspreis mit Russland aushandeln sollte. Derzeit bezieht die Union rund ein Drittel ihres Gasbedarfs vom russischen Monopolisten Gazprom.

Von

rtr

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