Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

13.05.2015

17:16 Uhr

EnBW legt Angebot vor

Eine halbe Milliarde Euro für Prokon-Gläubiger

EnBW wirbt um die Geldgeber des insolventen Windparkbetreibers Prokon. Der Karlsruher Energieversorger bietet den Inhabern von Prokon-Genussrechten rund eine halbe Milliarde Euro in bar.

EnBW hat sechs Wochen Zeit, die 75.000 Prokon-Anleger zu überzeugen und sie von der Gründung einer Genossenschaft abzubringen. dpa

Windenergieunternehmen Prokon

EnBW hat sechs Wochen Zeit, die 75.000 Prokon-Anleger zu überzeugen und sie von der Gründung einer Genossenschaft abzubringen.

Frankfurt/Hamburg/KarlsruheDeutschlands drittgrößter Energieversorger EnBW wirbt um die Geldgeber des insolventen Windparkbetreibers Prokon. Der Karlsruher Konzern bietet den Inhabern von Prokon-Genussrechten rund eine halbe Milliarde Euro in bar, um die Windparks künftig selbst betreiben und entwickeln zu können. „Unser Angebot bedeutet größtmögliche Sicherheit“, sagte Vorstandschef Frank Mastiaux am Mittwoch. Die Energie Baden-Württemberg (EnBW) hat sechs Wochen Zeit, die 75.000 Anleger zu überzeugen und sie von der Gründung einer Genossenschaft abzubringen, mit der sie Prokon in Eigenregie weiterführen könnten. Prokon hatte bei ihnen insgesamt 1,4 Milliarden Euro über Genussrechte eingesammelt.

Der Gläubigerausschuss, in dem auch die Prokon-Mitarbeiter und Anlegerschützer vertreten sind, hatte am Dienstag der EnBW-Offerte den Vorzug vor einem niedrigeren Angebot des Solarpark-Investors Capital Stage gegeben. Auf einer Versammlung Anfang Juli in Hamburg haben die rund 100.000 Gläubiger - darunter die Genussrechteinhaber als größte Gruppe - aber noch die Wahl zwischen dem Verkauf und dem Genossenschafts-Modell. Bei diesem würden die Zeichner der Genussrechte zu Eigentümern und zudem über eine Anleihe am künftigen Erfolg von Prokon beteiligt. Damit könnten sie ihre Verluste begrenzen.

Nach der Insolvenz: EnBW wird aussichtsreichster Bieter bei Prokon

Nach der Insolvenz

EnBW wird aussichtsreichster Bieter bei Prokon

EnBW greift nach Prokon und wird vom Gläubigerausschuss des insolventen Windkraftunternehmens bevorzugt. Anleger müssen sich nun erklären, ob sie den Konzern als Genossenschaft weiterführen wollen.

In beiden Fällen werde die Insolvenzquote zwischen 50 und 60 Prozent liegen, sagte Insolvenzverwalter Dietmar Penzlin am Mittwoch in Hamburg. Anders gesagt: Fast die Hälfte des Geldes von mehr als 40.000 Anlegern ist verloren. Allein deren Kapital betrug 1,44 Milliarden Euro. Dazu kommen zahlreiche weitere Gläubiger wie Lieferanten, Beschäftigte und Sozialversicherungen.

EnBW-Finanzvorstand Thomas Kusterer riet ihnen von der Anleihe ab: Die Anleger machten sich dann noch 15 Jahre von der Entwicklung von Prokon abhängig. Zudem würde das Unternehmen von der Anleihe und den fälligen Zinsen in seiner Handlungsfähigkeit eingeschränkt. Interessierte Anleger könnten sich aber später an einzelnen Windparks beteiligen.

Die EnBW, die lange auf Atomstrom gesetzt hatte, will bis 2020 bis zu 3,5 Milliarden Euro in Erneuerbare Energien stecken. Mit Prokon käme sie ihrem Ziel näher, die installierte Leistung an Windkraftanlagen auf 1000 Megawatt zu erhöhen. "Wir würden das auch ohne Prokon hinbekommen, sehen aber die Chance, noch schneller voranzukommen", sagte Mastiaux. Das Kerngeschäft von Prokon sei gesund. Die Firma aus Itzehoe betreibt 54 Windparks in Deutschland und Polen mit 537 Megawatt und hat Projekte in weit größerem Umfang in Planung. Davon wolle EnBW "möglichst viele" umsetzen, betonte er. Die Genossenschaft würde dagegen die meisten Projekte nach Fertigstellung verkaufen müssen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×