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02.02.2016

14:36 Uhr

EnBW

Stromkonzern schockiert mit 950-Millionen-Abschreibung

VonFranz Hubik

Deutschlands drittgrößter Energieversorger EnBW muss wegen der rasant fallenden Strompreise fast eine Milliarde Euro abschreiben. Billiges Öl und Gas befeuern den Absturz. Ein Ende des Niedergangs ist nicht in Sicht.

Mit Atom- und Kohlekraftwerken lässt sich kaum noch Geld verdienen. EnBW muss erneut Millionen abschreiben. dpa

Strompreisverfall trifft EnBW hart

Mit Atom- und Kohlekraftwerken lässt sich kaum noch Geld verdienen. EnBW muss erneut Millionen abschreiben.

DüsseldorfFrank Mastiaux inszeniert sich gerne als Kämpfer mit Stehvermögen. Erst jüngste erklärte der EnBW-Chef, dass die Energiewende und der Atomausstieg die heimischen Stromkonzerne wie ein „Boxschlag“ getroffen habe. Der 51-Jährige denke als Vorstandsvorsitzender von Deutschlands drittgrößtem Energieversorger aber keineswegs daran, das Handtuch zu werfen. Mastiaux will partout nicht als Verlierer aus dem Ring steigen, sondern „zackig“ wieder auf die Beine kommen.

Das Problem? Kaum haben sich Mastiaux und die Branche aufgerappelt und vom ersten Boxschlag erholt, folgt ein linker Haken und die nächste rechte Gerade. Der immer rasantere Verfall der Strompreise reißt ein gewaltiges Loch in die Bilanz der Energie Baden-Württemberg (EnBW). Wegen Sonderbelastungen muss der Konzern für das Geschäftsjahr 2015 insgesamt 950 Millionen Euro abschreiben.

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Die größte Wertberichtigung entfällt mit gut 700 Millionen Euro auf den konventionellen  Kraftwerkspark von EnBW. Zudem hat der Konzern mit Hauptsitz in Karlsruhe Lieferverträge mit anderen Kraftwerksbetreibern abgeschlossen, die für EnBW Strom erzeugen. Weil sich EnBW dazu verpflichtet hat, den Kraftwerksbetreibern die anfallenden Kosten für die Elektrizitätsgewinnung vollumfänglich zu erstatten, ergibt sich hier ein weiterer Abschreibungsbedarf in Höhe von 250 Millionen Euro.

„Der zuletzt dramatische Verfall der Rohstoffpreise und der daraus resultierende ebenfalls deutliche Rückgang der Großhandelspreise für Strom war so nicht vorhersehbar“, rechtfertigt Thomas Küsterer die hohen Abschreibungen in der Bilanz. Der EnBW-Finanzvorstand verweist darauf, dass alleine seit Juni 2014 die Großhandelspreise für Strom um 30 Prozent gesunken sind. Am Terminmarkt bekommen Versorger für eine Megawattstunde, die sie im nächsten Jahr liefern, nicht einmal mehr 23 Euro. Zum Vergleich: Vor vier Jahren waren es noch 50 Euro.

„Wir sehen weder kurzfristig noch mittelfristig Anzeichen für eine Erholung“, erklärte Küsterer weiter. Seitdem Solar- und Windkraft per Gesetz vorrangig ins deutsche Stromnetz eingespeist werden, bricht für EnBW nichts weniger als das einstige Kerngeschäft weg: der Betrieb großer Atom-, Kohle- und Gaskraftwerke. Durch das aktuell extrem billige Öl – ein Barrel (159 Liter) kostet in Europa nur mehr knapp 33 Dollar – hätte sich die „negative Entwicklung“ laut Küsterer sogar noch „beschleunigt“.

Trotz der Abschreibungen in der Höhe von fast einer Milliarde Euro wird EnBW aber voraussichtlich für das abgelaufene Geschäftsjahr einen Konzernüberschuss ausweisen. Die „bilanziellen Anpassungen“, sagt Finanzchef Küsterer, hätten „keine Auswirkungen auf das operative Ergebnis“. Auch die Zahlung einer Dividende für 2015 sei nicht gefährdet. EnBW musste bereits 2014 rund 1,2 Milliarden Euro abschreiben.

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