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09.05.2017

08:09 Uhr

Energiekonzern

Eon endlich wieder ohne Verlust

VonJürgen Flauger

Vorstandschef Teyssen hat die Aufspaltung von Eon verarbeitet. Der Energiekonzern verbucht im ersten Quartal unter dem Strich wieder einen Gewinn. Der Neustart ist aber nicht leicht – auch nicht für die Kraftwerkstochter Uniper.

Der Eon-Chef hat die Altlasten abgearbeitet. AP

Johannes Teyssen

Der Eon-Chef hat die Altlasten abgearbeitet.

DüsseldorfBei der Vorlage der Bilanz für 2016 im März gab Eon-Chef Johannes Teyssen ein Versprechen ab. Die Trennung von Uniper hatte dem Energiekonzern zwar wegen gewaltiger Abschreibungen einen gigantischen Verlust von 16 Milliarden Euro eingebracht. Alle Altlasten seien jetzt aber abgearbeitet, versprach Teyssen. Eon habe bilanziell „reinen Tisch“ gemacht.

Tatsächlich verbuchte Eon im ersten Quartal 2017 wieder einen Gewinn. Unter dem Strich stand ein Nettoergebnis von 735 Millionen Euro. Der fiel aber um 42 Prozent niedriger aus als im ersten Quartal des Vorjahres, das noch weitgehend unbelastet von Abschreibungen war.

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Die Aktie des Eon-Spin-offs entwickelt sich seit dem Start im September 2016 glänzend. Davon profitiert auch Eon. Für Vorstandschef Teyssen ist das eine Genugtuung. Der komplette Ausstieg ist dennoch fest eingeplant.

Das operative Ergebnis nach Zinsen und Steuern (Ebit) gab ebenfalls um rund ein Drittel auf rund eine Milliarde Euro nach. Eon litt im Vertrieb unter höheren Entgelten für die Nutzung der Stromnetze und höheren Beschaffungspreisen für Strom und Gas. Zudem lieferte die Atomsparte Preussen-Elektra, die nur als Randgeschäft geführt wird, ein geringeres Ergebnis, weil das Atomkraftwerk Brokdorf nach einer Revision länger vom Netz war als erwartet.

Der Start in die neue Energiewende ist für Eon nach der Abspaltung der Kohle- und Gaskraftwerke kein Selbstläufer. Finanzvorstand Marc Spieker zeigte sich aber überzeugt, dass Eon die Prognosen für das Gesamtjahr, nach denen das Kerngeschäft weitgehend stabil bleiben soll, erfüllen wird. Die negativen Effekte aus dem ersten Quartal würden im Jahresverlauf vollständig ausgeglichen. Die Quartalsergebnisse lagen auch im Rahmen der Erwartungen – von Eon selbst und von den Analysten.

Deutschlands größte Energieversorger

Vattenfall

Umsatz 2016: 9,3 Milliarden Euro

Die hundertprozentige Tochter des staatlichen schwedischen Energiekonzerns Vattenfall AB ging 2002 aus der Fusion der HEW und der Vereinigte Energiewerke AG sowie dem Bergbauunternehmen Lausitzer Braunkohle AG hervor, zu der Anfang 2003 die Berliner Bewag hinzu kam. Vattenfall betreibt in Deutschland die Kernkraftwerke Krümmel und Brunsbüttel. Wie auch die übrigen Top-Vier-versorger in Deutschland musste der Konzern 2016 einen Umsatzrückgang hinnehmen.

EnBW

Umsatz 2016: 19,4 Milliarden Euro

Die Energie Baden-Württemberg AG erwirtschaftete noch 2010 mehr als die Hälfte ihres Gewinns aus dem Betrieb der vier konzerneigenen Kernkraftwerke Neckarwestheim eins und zwei, sowie Philippsburg eins und zwei. Nach der Atomkatastrophe von Fukushima wurden die Werke Neckarwestheim eins und Philippsburg eins im Rahmen des Atom-Moratoriums 2011 stillgelegt. Der Anteil erneuerbarer Energieträger am EnBW-Energiemix soll bis 2020 von 12 auf 40 Prozent erhöht werden

Eon

Umsatz 2016: 21,8 Milliarden Euro

Der Energiekonzern Eon vollzog 2016 eine radikale Aufspaltung: Das traditionelle Energiegeschäft bestehend aus konventioneller Erzeugung (einschließlich Wasserkraft, ohne Kernenergie), globalem Energiehandel und dem Russland-Geschäft wurde in die eigenständige Gesellschaft Uniper ausgelagert. Eon will sich mit den verbliebenen Sparten erneuerbare Energien, Vertrieb und Netze komplett auf den Energiemarkt der Zukunft ausrichten.

RWE

Umsatz 2016: 25 Milliarden Euro

Den umgekehrten Weg zu Eon ging ebenfalls 2016 RWE. Der Energiekonzern überführte nicht das traditionelle, sondern das Zukunftsgeschäft in eine neu gegründete Tochtergesellschaft mit Namen Innogy und brachte diese an die Börse. Im Zuge des Atom-Moratoriums wurden 2011 die RWE-Reaktoren Biblis A und B durch die Bundesnetzagentur stillgelegt.

Auch das neue Unternehmen Uniper, das unter anderem die Kohle- und Gaskraftwerke übernommen hat, konnte unter dem Strich einen Nettogewinn von 751 Millionen Euro verbuchen – gut 100 Millionen Euro mehr als vor einem Jahr. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern gab aber auch um 41 Prozent auf 514 Millionen Euro nach.

Uniper hatte in der Vorjahresperiode von einer hohen Rückzahlung von Gazprom aus den Gaslieferverträgen profitiert. Im europäischen Stromgeschäft waren die Erträge dagegen stabil, in Russland konnte Uniper sogar zulegen. Finanzvorstand Christopher Delbrück sprach von „einem soliden Fundament für den weiteren Jahresverlauf“. Auch Uniper bestätigte die Prognose.

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