Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

28.03.2013

16:36 Uhr

Energiekonzern

Eon krempelt seine Beteiligungen um

Eon richtet sich auf dem brasilianischen Energieversorger-Markt ein. Eine Anteilserhöhung sorgt für mehr Macht beim Versorger MPX. Das nötige Geld – bis zu 800 Millionen Euro – macht der Konzern in Ungarn locker.

Die Eon-Ruhrgas-Zentrale in Essen: Verkäufe in Ungarn machen Beteiligungen in Brasilien möglich. dpa

Die Eon-Ruhrgas-Zentrale in Essen: Verkäufe in Ungarn machen Beteiligungen in Brasilien möglich.

Düsseldorf/Sao PauloDer hoch verschuldete Energiekonzern Eon macht mit dem Verkauf von Gasgeschäften in Ungarn Kasse. Der Versorger veräußere für rund 870 Millionen Euro die Töchter Eon Földgáz Trade und Eon Földgáz Storage an den ungarischen Versorger MVM, teilten die Düsseldorfer am Donnerstag mit. Im Preis sei auch die Übernahme von Schulden enthalten. Über die Tochter Eon Hungaria versorge der Konzern in dem Land weiter rund drei Millionen Kunden mit Energie. Vorstandschef Johannes Teyssen hat in rund zwei Jahren Geschäfte im Gesamtwert von rund 17 Milliarden Euro verkauft. Eon drücken trotzdem immer noch Schulden von mehr als 35 Milliarden Euro.

Der ungarische Ministerpräsident Viktor Orban muss sich der Wiederwahl stellen und versucht mit der Energiepolitik zu punkten. So hatte er eine Senkung der Strom- und Gaspreise um zehn Prozent verfügt. Das unter einer Rezession leidende Land muss mehr als 80 Prozent seines Gasbedarf durch Importe, insbesondere aus Russland, decken. Orban will den Bezug auf breitere Beine stellen.

Das sind die größten Energieversorger der Welt

Platz 10

Die Rangliste der größten Energieunternehmen der Welt eröffnet Kansai Electric Power. Der japanische Versorger kam 2011 auf einen Umsatz von 33,3 Milliarden Dollar.

Platz 9

Mit 39,3 Milliarden Dollar Umsatz liegt der südkoreanische Versorger Korea Electric Power (Kepco) auf dem neunten Rang.

Platz 8

Iberdrola landet auf dem achten Platz. Der spanische Versorger erwirtschaftete 2011 Erlöse in Höhe von 41 Milliarden Dollar.

Platz 7

Der britische Versorger SSE (Scottish and Southern Energy) landet auf Rang sieben der Rangliste. Umsatz 2011: 45,4 Milliarden Dollar.

Platz 6

Der erste deutsche Energiekonzern findet sich auf Platz sechs wieder. RWE erwirtschaftete im Jahr 2011 Erlöse von 63,7 Milliarden Dollar.

Platz 5

64,6 Milliarden Dollar erwirtschaftete Tokyo Electric Power im Jahr 2011. Besser bekannt ist das Unternehmen unter der Abkürzung Tepco. Nach der Katastrophe am Atomkraftwerk von Fukushima ist Tepco inzwischen mehrheitlich im Besitz des japanischen Staates.

Platz 4

Électricité de France (EDF) schrammt knapp am Treppchen vorbei. Die Franzosen kommen mit einem Umsatz 2011 von 84,6 Milliarden Dollar auf Platz vier.

Platz 3

Der größte italienische Energiekonzern ist weltweit die Nummer drei. Enel machte 2011 einen Umsatz von 103,2 Milliarden Dollar.

Platz 2

Der französische Versorger GDF Suez findet sich auf Rang zwei der Rangliste. Im Jahr 2011 erwirtschaftete GDF Suez Erlöse in Höhe von 117,5 Milliarden Dollar.

Platz 1

Der deutsche Branchenprimus ist auch weltweit die Nummer eins. Eon kam im Jahr 2011 auf einen Umsatz von 157,3 Milliarden Dollar - das reicht für die Spitzenposition.

Und während Eon in Ungarn verkaufte, erhöhte der Energiekonzern seine Anteile am brasilianischen Versorger MPX auf 36,1 Prozent von bislang 11,7 Prozent. Nach den Einbußen durch die Atomwende in Deutschland setzt der Eon seine Hoffnungen nun verstärkt auf den Wachstumsmarkt Brasilien.

Der Konzern investiere dafür bis zu 800 Millionen Euro. Eon erwirbt den Angaben zufolge ein Paket des deutschstämmigen Milliardärs Eike Batista und beteiligt sich anschließend an einer Kapitalerhöhung. Die Düsseldorfer waren vor gut einem Jahr bei MPX eingestiegen. Für einen Anteil von zehn Prozent hatte der Versorger damals rund 350 Millionen Euro gezahlt.

Eon hatte seit Wochen Gespräche über eine Aufstockung geführt. Brasilien ist neben der Türkei der wichtigste neue Wachstumsmarkt für den Konzern, der Zuhause durch die Atomwende, das schwächelnde Gasgeschäft und die geringe Auslastung seiner Kraftwerke unter Druck geratenen ist. Eon und MPX wollen den ersten Schritt der Transaktion bis Ende April abschließen. Die Kapitalerhöhung solle im Sommer über die Bühne gehen. "Mit der Erhöhung unseres Anteils wird Eon Partner auf Augenhöhe und kann aktiv das Tagesgeschäft von MPX mit gestalten", sagte Eon-Chef Johannes Teyssen. "Dies schafft bei MPX klare und einfache Strukturen, die uns noch effektiver und schlagkräftiger machen werden."

Eon komme nun eine tragende Rolle in der Führung von MPX zu, erklärte Batista. Bis Ende 2013 werde MPX Kraftwerke mit einer Kapazität von mehr als 2,8 Gigawatt betreiben - dies entspreche etwa 15 Prozent des brasilianischen Energiemarktes im konventionellen Bereich. Darüber hinaus verfüge MPX über Lizenzen für weitere 10 Gigawatt aus konventionelle Kraftwerken oder Ökostromanlagen.

Das sind die größten Stromverbraucher weltweit

Platz 1: China

China ist die weltweite Nummer Eins unter den Stromverbrauchern. Kein anderes Land benötigt mehr Strom. Auch bei der Stromerzeugung ist das Land an der Spitze, exportiert jedoch nicht besonders viel von seiner Energie. Im Ranking der Strom exportierenden Länder belegt die Volksrepublik nur den neunten Platz.

Platz 2: USA

Der zweitgrößter Stromverbraucher der Welt ist die USA. Fast fünf Prozent der installierten Stromerzeugungskapazität waren im Jahr 2010 regenerative Energien.

Platz 3: Japan

Den dritten Platz der größten Stromverbraucher belegt Japan. Das Land ist zugleich viertgrößter Stromproduzent der Erde, vor ihm liegen nur Russland, China und die USA. Mit seinen Erzeugungen versorgt sich Japan im Gegensatz zu diesen Ländern jedoch ausschließlich selbst.

Platz 4: Russland

Fast genauso viel Strom wie Japan verbraucht Russland und liegt somit auf dem vierten Platz der weltweit größten Verbraucher. Das Land ist zudem drittgrößter Stromproduzent.

Platz 5: Indien

Der fünftgrößte Stromverbraucher der Welt ist Indien. Kein Wunder: Das Land ist nach China das bevölkerungsreichste der Welt, 1,3 Milliarden Einwohner leben dort laut Schätzungen.

Platz 6: Kanada

Auf dem sechsten Platz der größten Stromverbraucher gibt es eine Überraschung: Kanada. Dabei ist das Land relativ spärlich besiedelt, nur 34 Millionen Menschen leben dort.

Platz 7: Deutschland

Mehr als doppelt so viele Einwohner wie Kanada hat Deutschland, und ist dennoch hinter dem nordamerikanischen Land, wenn es um den Stromverbrauch geht. 545 Milliarden Kilowattstunden wurden 2011 verbraucht. Beim Export von Strom ist Deutschland hingegen fast Spitze. Im weltweiten Vergleich exportiert nur Nachbarland Frankreich mehr.

Platz 8: Frankreich

Als Stromexporteur ist Frankreich die weltweite Nummer Eins. Beim Stromverbrauch liegt das 65 Millionen Einwohner-Land dagegen nur auf dem achten Platz.

Die Franzosen setzen bei der Stromerzeugung voll auf Atomkraft. 58 Meiler waren 2011 in Betrieb. Zum Vergleich: In Deutschland waren es im gleichen Zeitraum neun Atomkraftwerke, in Spanien acht und im Vereinigten Königreich 18.

Platz 9: Brasilien

Neungrößter Stromverbraucher ist Brasilien. In dem südamerikanischen Land leben 200 Millionen Menschen.

Platz 10: Südkorea

Südkorea ist auf dem zehnten Platz der größten Stromverbraucher der Welt. Das Land versorgt sich laut der US-Informationsbehörde CIA komplett selbst, importiert also keinen Strom. Seinen Strom erzeugte Südkorea im Jahr 2010 zu fast einem Drittel mit Atomkraft, bis 2024 soll sie fast 50 Prozent der Stromproduktion ausmachen.

Aktionäre und Arbeitnehmervertreter betrachten vor allem die Entwicklung in Brasilien mit Skepsis: Als Negativbeispiel für ein Engagement in Brasilien gilt der Thyssen-Krupp-Konzern, der in dem südamerikanischen Land Milliarden in einem neuen Stahlwerk versenkte. Eon hält das Risiko für begrenzt, da der regulierte Markt sichere Einnahmen garantiere. Bedenken gegenüber einer politischen Unsicherheit in Brasilien wischt Teyssen beiseite – die größten politischen Unsicherheiten für seinen Konzern habe er in Deutschland erlebt, hatte er mit Blick auf den Atomausstieg kürzlich gesagt, der dem Versorger Milliardeneinbußen bereitet.

Von

rtr

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×